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Borna In Kitzscher sind rund 260 Mieter vom Wohnungsverkauf betroffen
Region Borna In Kitzscher sind rund 260 Mieter vom Wohnungsverkauf betroffen
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05:00 23.11.2012
Lothar Weiß wohnt in einer der verkauften Wohnungen (im Hintergrund zu sehen), bleibt aber gelassen. Quelle: André Neumann
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Kitzscher

Horst Scheipers (65) hat mit den Zahlen, die er am Dienstag in der LVZ gelesen hat, kurz nachgerechnet.

11 350 Wohnungen für 471 Millionen Euro, das macht rund 41 500 Euro pro Wohnung. „Dafür hätte ich meine Wohnung auch gekauft", sagt der Mann, dem man nicht ansieht, dass er gerade Rentner geworden ist. Seit zehn Jahren lebt er mit seiner Frau Brigitte in der Kurt-Schönfelder-Straße. Er ist aber nicht gefragt worden, der Bund wollte die Wohnungen nur im Paket verkaufen.

Vor zehn Jahren waren sie in die „Bergbausiedlung" gezogen, so nennt man hier das Viertel um Nordstraße, Kurt-Schönfelder-Straße und Robert-Koch-Straße, in dem sich die Wohnungen befinden, die jetzt dem Hamburger Immobilienriesen gehören. Die Häuser stammen aus den 1930-er Jahren, sie waren für die Arbeiter im damals gerade aufgeschlossenen Tagebau Espenhain gebaut worden. Zu DDR-Zeiten waren die Wohnungen volkseigen, nach der Wiedervereinigung fielen sie wie Tausende weitere in Ostdeutschland an die bundeseigene Treuhandgesellschaft TLG. 1998/99 wurden sie saniert. Familie Scheipers sagt, die TLG habe sich gut um die Mieter gekümmert. Natürlich seien sie jetzt „ein bisschen ängstlich". Denn eins steht für Horst Scheipers fest, dem neuen Eigentümer „geht es um Profit". Ihm sei nicht bekannt, dass jemand von der TAG sich die Häuser oder gar Wohnungen angeschaut hätte.

Etwas gelassener sieht Lothar Weiß die Sache. Der 63-jährige besucht gerade seine Schwiegermutter, die auf der anderen Seite der Kurt-Schönfelder-Straße in einer Eigentumswohung zu Hause ist. „Ich werde nächstes Jahr Rentner, da gehen wir in den Mieterschutz mit rein", vertraut er auf die Zusagen, die Käufer und Verkäufer gemacht haben. Er wohnt seit über 30 Jahren in der Kurt-Schönfelder-Straße. So wie Familie Scheipers hatte auch Weiß in diesem Jahr an der Veranstaltung teilgenommen, auf der Vertreter der Linkspartei für die Genossenschaft TLG Fairwohnen warben, die sich auch um die Wohnungen bemühen wollte.

Während Horst Scheipers durchaus bereit gewesen wäre, dieser Genossenschaft beizutreten und sich „im vernünftigen Rahmen" auch finanziell zu beteiligen, meint Weiß, es sei klar gewesen, „dass die keine Chance hat". Die Genossenschaft, sagt René Jalaß, Mitarbeiter im Büro von Axel Trost, (Linke, Bundestagsmitglied) und dem linken Landtagsabgeordneten Enrico Stange, befinde sich derzeit in Gründung, müsse aber nun ihren Vereinszweck ändern. Trost und Stange kritisieren in einer gemeinsamen Erklärung den Wohnungsverkauf: „Es ist beim besten Willen nicht davon auszugehen, dass auf Dauer eine sozialverträgliche Lösung gefunden wird."

Der Kitzscheraner Bürgermeister Maik Schramm (parteilos) hofft für seine Einwohner, „dass sich an der guten Wohnqualität und am Mietpreis nichts ändert". Der Immobilienkozern TAG besitzt nach dem Deal mit der TLG rund 69 000 Wohnungen in ganz Deutschland.

André Neumann

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