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Borna In der Ramsdorfer Kirche wird Samba getanzt
Region Borna In der Ramsdorfer Kirche wird Samba getanzt
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00:19 02.07.2017
Wolfgang Bönsch in seiner Ramsdorfer Kirche. Der 66-Jährige ist einer von drei Lektoren, die Gottesdienste leiten, weil der Pfarrer fehlt. Quelle: Foto: Andreas Döring
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Ramsdorf

Das kleine Ramsdorf, ein Ortsteil von Regis-Breitingen, gehört zu den stark engagierten Kirchgemeinden der Region. Daher ist es nicht erstaunlich, dass auch zur Nacht der offenen Dorfkirchen dort ein mehrstündiges Programm geboten wird. Dazu gehören Kutschfahrt und Turmbesteigung, Kindermusik und heiße Sambarhythmen für die Großen, ein Konzert mit Orgel und Trompete, internationale Musik auf der Panflöte und ein Gebet zur Nacht bei Kerzenschein. Zudem stellen sich die unterschiedlichen Kreise des kleinen Gotteshauses vor.

„Wir wollen damit Menschen erreichen, die sonst mit Kirche Null am Hut haben. Wir möchten gern die Schwellenangst nehmen. Die Veranstaltungen sollen Spaß machen, wie auch Kirche Spaß macht“, sagt Wolfgang Bönsch. Der 66-Jährige ist einer von drei ehrenamtlichen Lektoren, die in Ramsdorf die Gottesdienste leiten. Grund: Hier gibt es seit mehr als zehn Jahren keine feste Pfarrstelle. Die Christen machten aus der Not eine Tugend – und engagierten sich selbst.

„Das hat dazu geführt, dass wir immer selbstständiger wurden. Wir wollten einfach nicht tatenlos zusehen, wie Kirche immer weiter schrumpft, sondern etwas tun“, so Bönsch. Seine Gemeinde wurde sogar eine Art Testgemeinde der Landeskirche, was die Arbeit ohne Pfarrer betrifft. Ramsdorf gehört gemeinsam mit Regis, Breitingen, Hohendorf und Deutzen zu einem Kirchspiel mit rund 660 Mitgliedern.

Engagement und Erfolg hin und her – der Lektor sagt dennoch klipp und klar: „Ein Pfarrer wird dringend gebraucht.“ Die ehrenamtlichen Kräfte könnten zum Beispiel zu Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen nicht zum Einsatz kommen. Auch was die Kinder- und Jugendarbeit betrifft, sei ein Pfarrer immens wichtig. Derzeit ist im Gespräch, eine halbe Stelle für das Kirchspiel zu schaffen, die andere halbe Stelle soll für die Gefängnisseelsorge genutzt werden. Entschieden sei noch nichts, „aber wir sind guter Hoffnung“.

Der Christ stammt aus Schwaben und kam kurz nach der Wende in den vom Atheismus geprägten Landstrich südlich von Leipzig. Bei allen Sorgen, welche die Kirche hat, gebe es doch auch gute Erfahrungen. „Christliche Werte sind hoch angesehen, auch wenn man nicht Christ ist“, meint er. Dies gilt es seiner Meinung nach zu nutzen, den Menschen nahezubringen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Nacht der offenen Dorfkirchen sei dafür eine schöne Gelegenheit.

Von Claudia Carell

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