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Borna Initiativpreis „Leben im Dorf“ rückt Menschen hinter den Kulissen ins Rampenlicht
Region Borna Initiativpreis „Leben im Dorf“ rückt Menschen hinter den Kulissen ins Rampenlicht
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18:00 20.10.2017
Volles Haus in der Großbardauer Weintraube zur Preisverleihung „Unser Dorf hat Zukunft“ beziehungsweise Initiativpreis „Leben im Dorf“. Quelle: Andreas Döring
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Landkreis Leipzig

Die Fremdiswalder Delegation – allesamt in hellblauer Einheitskleidung – konnten es kaum glauben. Als Gesine Sommer, Projektleiterin des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ im Landkreis Leipzig in der Großbardauer Weintraube die diesjährigen Gewinner kürte, stand der Grimmaer Ortsteil ganz oben. „Das ist ja Wahnsinn“, freuten sich die Damen des Dorf- und Heimatvereins um Vorsitzende Jana Mundus. Im nächsten Jahr wird das 450-Seelen-Örtchen den Landkreis im Wettbewerb auf Landesebene vertreten.

Zehn Orte hatten sich beworben – alle unterzogen sich den kritischen Augen der Bewertungskommission. „Wir hatten es bei der Entscheidung nicht leicht. Ich hätte am liebsten allen einen Preis gegeben“, fasste Gesine Sommer in ihrer Präsentation zusammen. Jedes Dorf hatte etwas Besonderes zu bieten – überall sind Menschen aktiv dabei, das dörfliche Leben in Gemeinschaft zu gestalten. Und erfüllen damit den Kern der Botschaft des Wettbewerbes. „Zu einem Dorfwettbewerb gehört natürlich das Lob auf schön sanierte Dorfkerne, schicke Fassaden, die gepflegten Gärten und das rege Vereinsleben. Aber ein Dorf und vor allem sein Innenleben ist eben mehr als ein guter optischer Eindruck“, umschrieb Landrat Henry Graichen, dass das schönste Dorf nichts ohne die Menschen ist, die es mit Leben erfüllen.

Neben Fremdiswalde ist es – nach Ansicht der Jury – auch den Bewohnern von Frankenhain und Elstertrebnitz besonders gut gelungen, mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Graichen lobte aber ausdrücklich alle Wettbewerbsteilnehmer: „Sie alle zeigen, was mit Engagement und Herzblut möglich ist. Sie alle stellen sich der Aufgabe, ihr Dorf lebenswert zu erhalten und zukunftsfähig zu gestalten.“

Die Fiddle Folk Family begeisterte die Festgäste mit knackigen Rhythmen. Quelle: Andreas Döring

Erstmals wurde im Rahmen der Preisverleihung zum Dorfwettbewerb ein zweiter Preis vergeben, der eng mit dem Engagement in der Heimat verbunden ist – der Initiativpreis „Leben im Dorf“. Eine Auszeichnung für Menschen, die sich auf eine besondere Weise in ihren Orten engagieren. Gestiftet von Leipziger Volkszeitung und Landkreis Leipzig rückt der Initiativpreis die Menschen hinter den Kulissen in den Mittelpunkt. Oder, wie es LVZ-Regionalverlagsleiterin Kerstin Friedrich in ihrer Ansprache sagte: „Menschen, die Initiative ergreifen – Dinge selbst in die Hand nehmen, anpacken und nicht abwarten.“ Dass diesen „Schätzen der Gesellschaft“ ein Dankeschön in dieser Form gebührt, weil sie eine lebendige Form der Heimatpflege betreiben, die gerade in diesen Zeiten kostbarer erscheint denn je, findet auch der Landrat. Henry Graichen: „Es gehören immer Menschen dazu, die sich in ihren Dörfern engagieren, für ihre Heimat brennen und die unabhängig davon, ob ein Wettbewerb läuft oder eine Preisverleihung ansteht. Sie handeln aus Heimatliebe und Verbundenheit zu ihrem Wohnort. Beides miteinander zu verbinden, ist der Ansatz, den die Leipziger Volkszeitung und der Landkreis Leipzig bewegt haben, den bisherigen Heimatpreis in den Initiativpreis zum formen.“

Die Umsetzung ist gelungen. Die Preisverleihung fand mit der Weintraube einen würdigen, weil dörflichen Rahmen. Die „sächsische Antwort auf die Kelly Family“ – die Fiddle Folk Family würzte den Abend mit flotten Rhythmen und brachte den Saal insbesondere zum Finale – nach Bekanntgabe der Gewinner des Abends – zum Kochen, was alles zusammen in viel Lob mündete. „Ein toller Preis“, resümierte etwa Anne-Sabine Mucheyer aus Elstertrebnitz.

Einzelperson

Ingrid Riedels Einsatzgebiete sind unerschöpflich – als Gründerin und Gestalterin im Siedlerverein Kitzen-Rodeland, als Entwicklerin und Bauexpertin, als treibende Kraft in der Dorfgemeinschaft und Initiatorin verschiedener sozialer Projekte oder als tragende Säule im Förderverein der Kreuzkirche Sankt Nikolai zu Hohenlohe-Kitzen. „Sie ist an vielen Stellen ihrer Wahlheimat Kitzen engagiert, eine Strippenzieherin für das Leben im Dorf mit schier grenzenloser Energie“, beschrieb LVZ-Regionalverlagsleiterin Kerstin Friedrich die Preisträgerin.

Als Gründungs- und Vorstandsmitglied des Siedlervereins Kitzen-Rodeland 1997 initiierte Ingrid Riedel viele soziale Projekte und mobilisierte damit die Kitzener Einwohnerschaft und erreichte für den kleinen, heute zu Pegau gehörenden Ortsteil, Aufmerksamkeit in weiten Teilen der Region. Ingrid Riedel und ihr Ehemann Siegwald Bielesch haben im Jahr 2007 den ehrenamtlich geführten Förderverein der Kreuzkirche Sankt Nikolai zu Hohenlohe-Kitzen ins Leben gerufen. Mit diesem Verein setzte sie sich nicht nur für den Erhalt des in Sachsen einmaligen Baudenkmals aus dem 12. Jahrhundert ein, sondern schaffte für Kitzen einen gesellschaftlichen Motor. Neben den baulichen Sicherung und Sanierung des Gebäudes der Kirche wurde das Denkmal durch Riedel mit dem Förderverein zum kulturellen Mittelpunkt des Dorfes entwickelt. Die Initiative des Fördervereins ist einer der wesentlichen Dominosteine für Kitzens Zukunft, der Alt und Neu verbindet.

Verein

Der Verein „Für Greifenhain“ ist der gesellschaftliche Motor des Ortes. Jahr für Jahr trägt er nicht nur zum gesellschaftlichen Leben im Ort bei – er ist das gesellschaftliche Leben in Greifenhain. Oder, wie es die Vorsitzende Andrea Berndt selbst beschreibt: „Das ist eine lebendige, ehrliche Dorfgemeinschaft“.

Der 2012 gegründete Verein – in dieser Woche konnte neben der Auszeichnung auch der 5. Geburtstag gefeiert werden – kümmert sich um das kulturelle Leben im Ort und die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Der jährliche Weihnachtsmarkt mit einem selbstgebauten, zwei Meter großen Schwibbogen, auf dem ehemaligen Schulhof, das Osterfeuer, der Tanz in den Mai oder das seit mehr als zwei Jahrzehnten stattfindende Countryfest – nichts geht ohne die Vereinsmitglieder.

Ein Hinweis darauf könnte das Spendenbarometer sein, welches an der Greifenhainer Kirche steht und aktuell die Marke von 40 000 gespendeten Euro anzeigt. So viel Geld kam in dem 650-Einwohner-Ort für die gerade laufende Sanierung der beiden Türme zusammen.

Aber: die Greifenhainer können mehr als nur Feiern – bei gemeinsamen Arbeitseinsätzen im Ort, Spendenaktionen für Arbeiten an der örtlichen Kirche oder bei Aktionen zur Verschönerung des Frohburger Ortsteiles beweist der Verein, dass man auf ihn zählen kann.

Jugend

Kinder und Jugendliche, die heute in Jugendfeuerwehren das Handwerk lernen, retten in ein paar Jahren vielleicht schon Menschenleben… In der Jugendfeuerwehr Zschoppach werden potenzielle kleine Lebensretter auf eine besonders herzliche Weise auf ihrem Weg zu großen Brand- und Katastrophenschützern begleitet. Die Männer und Frauen um Wehrleiter Rico Schneider geben der Nachwuchsausbildung sprichwörtlich ihre Bedeutung.

Die Arbeit mit den aktuell 19 Kindern und Jugendlichen in der kleinen Wehr umfasst soziale Aufgaben, praktische Demokratieerziehung und Freizeitangebote. Die jungen der Gesellschaft erleben in den Jugendfeuerwehren Gemeinschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl mit Pflichten, Rechten und Erfolgen. Mädchen und Jungen aller gesellschaftlichen Schichten erlernen von älteren Feuerwehrleuten die Grundfertigkeiten des Brandschutzes und der Katastrophenabwehr. Kerstin Friedrich: „In Zschoppach wird man dieser großen Verantwortung auf beeindruckende Weise gerecht – nicht anders ist zu erklären, dass die Jugendfeuerwehr dort stetig wächst, während die Kollegen in anderen Wehren nicht selten einen Nachwuchsmangel beklagen müssen.“

Die Begeisterung der Kinder und Jugendlichen spricht für den Weg in der Zschoppacher Wehr, die Jüngsten zu fordern und zu fördern. Die Mischung aus freizeitlichen Aktivitäten und theoretischer sowie praktischer Ausbildung scheint hier genau die richtige Balance zu haben.

Von Thomas Lieb

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