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Insolvenz: In der Röthaer Großkelterei hofft man, dass es weitergeht

Insolvenz: In der Röthaer Großkelterei hofft man, dass es weitergeht

Vier Tage nach der Verkündung der Insolvenz herrscht unter den reichlich 100 Mitarbeitern der Großkelterei Rötha gedrückte Stimmung. Denn noch ist völlig unklar, wie es für sie nach der Dreimonatsfrist, die ihnen die Insolvenz mit vorläufiger Eigenverwaltung lässt, weitergeht.

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Leere statt Betriebsamkeit auf dem Röthaer Firmengelände.

Rötha. Die meisten Beschäftigten des größten gewerblichen Arbeitgebers in Rötha mussten am Dienstag zu Hause bleiben, denn beim Safthersteller ruhte die Produktion. Auf der Straße vor dem Werktor in der Waldstraße, wo sich in Spitzenzeiten Lastwagen an Lastwagen reiht, parkten am Vormittag nur ein paar Autos. Auf dem Werksgelände, wo sich normalerweise Tankfahrzeuge drängen, die Rohsäfte oder Konzentrate anliefern, herrschte gähnende Leere. Ein Lastwagen brachte leere Paletten, ein Gabelstapler fuhr über den Hof. Dieser Zustand dauert offenbar schon eine ganze Weile an. Während saisonbedingte Höhen und Tiefen schon immer an der Tagesordnung waren, soll zuletzt nur noch sporadisch produziert worden sein, dann aber gleich wieder in den üblichen vier Schichten und häufig am Wochenende.

Aus dieser Situation und auch aus Hinweisen der Geschäftsführung hatten die Angestellten während der zurückliegenden Wochen schon entnehmen können, dass die Situation, in der sich das Unternehmen befindet, nicht rosig ist. Sinkender Absatz, Preisdruck durch die Abnehmer, dazu steigende Rohstoffpreise und der schwache Euro, der Rohstoffe aus Übersee noch zusätzlich verteuerte, machten den Röthaern und auch den Schwesterunternehmen in der Rostocker Elro-Gruppe zunehmend das Leben schwer. Der Insolvenzantrag, dem das Amtsgericht Rostock schon am 5. September zustimmte, betraf deswegen neben der Elro Holding und der Großkelterei Rötha auch noch die vier Schwesterunternehmen Elmenhorster Fruchtsaftgetränke, Rottaler Fruchtsaft, RoKoMa Konfitüren Feinkost in Rostock und die Mecklenburger Spirituosenfabrik G. Winkelhausen in Güstrow.

Die Mitarbeiter in Rötha wurden am 7. September zeitgleich mit denen in anderen Firmen der Gruppe auf einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung informiert. Die Einladungen dazu gingen dem Vernehmen auch an Kranke und Urlauber, so dass deutlich mehr als nur die Kollegen einer Schicht anwesend waren. Trotz der seit einiger Zeit spürbaren Schwierigkeiten traf die Nachricht, die der Geschäftsführer überbrachte, viele Kollegen ziemlich unvorbereitet. Und löste jede Menge Ängste aus. Ängste, die die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Katrin Grunert gern in Hoffnung ummünzen möchte, wenn sie sagt: „Wir hoffen, dass wir schnellstmöglich einen Investor finden, und dass es für die Leute hier weitergeht."

Die Beschäftigten der Kelterei kommen vor allem aus Rötha selbst und aus umliegenden Orten. Viele haben ihr gesamtes bisheriges Arbeitsleben bei dem Safthersteller verbracht, Katrin Grunert selbst hat sogar schon ihre Lehre hier absolviert. Ein Ende des seit 1882 existierenden Unternehmens würde ganze Familien treffen. Mehrfach arbeiten Mann und Frau in der Kelterei, in einem Fall sogar die Eltern und eine Tochter.

Während die Geschäftsführung gegenüber der Belegschaft zu verstehen gab, dass mit Kaufinteressenten gesprochen werde und darunter auch ein großer sei, den man kenne, äußerte sich die Firmenleitung gestern nicht gegenüber der LVZ. Und der als Ansprechpartner für die Presse genannte Markus Haase von der Düsseldorfer Beratungsgesellschaft mbb consult, die die Elro Gruppe berät, konnte wenig Erhellendes mitteilen. Auf die Frage nach den Hintergründen für die Insolvenz sprach er von einem sinkenden Markt beim Sekt und von hohen Preisen für Weintrauben in diesem Jahr. Auf den Hinweis, dass in Rötha kein Sekt hergestellt und der Traubensaft nur einen geringen Anteil der Produktpalette ausmache, erklärte Haase, auch der Saftkonsum sei gesunken, weil in Deutschland mehr Wasser und mehr Schorle getrunken werde. Der Anstieg bei den Rohstoffpreisen treffe auch auf Obst zu. Auch Haase sagte: „Es gibt Interessenten", über derzeit schon laufende Gespräche wollte er jedoch nichts sagen.

Der Kommentar von Landrat Gerhard Gey (CDU), der mit einem Wirtschaftsförderer aus dem Landratsamt erst im Mai die Großkelterei Rötha besucht hatte, blieb zunächst ebenfalls allgemein: Gey erklärte, es gebe Gespräche mit potenziellen Partnern zur Zukunft der Großkelterei, von denen er hoffe, dass sie erfolgreich verlaufen. „Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben." Das Landratsamt habe jegliche Hilfe und Unterstützung angeboten.

Die Großkelterei in Rötha vertreibt sowohl Säfte unter ihrer eigenen Marke Röthaer, sie ist aber auch Lieferant für mehrere Discounter, die Saft aus Rötha unter dem Namen ihrer Hausmarken verkaufen. Als Großmengenlieferant für den Lebensmittelhandel muss das sächsische Unternehmen neben Branchenprimussen wie Wesergold, Stute, Krings, Hardthof oder Albi bestehen. Vermutlich sind es solche Unternehmen, auf denen jetzt die Hoffnungen in Rötha und der Belegschaft ruhen.

André Neumann

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