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Instrumentenbau hat in Borna Tradition – Führung durch das Museum

Tage der Industriekultur Instrumentenbau hat in Borna Tradition – Führung durch das Museum

Mehr als anderthalb Jahrhunderte kamen aus Borna Orgeln, Klaviere und Harmoniums. Die Tradition des Musikinstrumentenbaus in der Stadt ist keine historische Randnotiz. Das macht auch das Interesse des Leipziger Vereins für Industriekultur deutlich, der das Bornaer Museum um Teilnahme an den Tagen der Industriekultur gebeten hat.

Das Lindholm-Harmonium zeigt im Museum Borna Anja Florczyk.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Dass Borna für Bergbau und Kohle steht, ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Zwibbelborne ist zwar ein Jahrhundert nach dem Ende des großflächigen Anbaus der herzhaften Feldfrüchte nach wie vor ein Begriff und auch ein bisschen legendär. Ohne Frage sorgen die Zwiebeln, die einst sogar bis London exportiert wurden, eher für uneingeschränkt positive Aussoziationen, die der Stadt nur gut tun. Dabei gibt es mit dem Musikinstrumentenbau ein weiteres Pfund, mit dem Borna durchaus wuchern kann. Immerhin war die Stadt mehr als anderthalb Jahrhunderte ein auch international bekannter Produktionsstandort von Orgel, Harmoniums und Klavieren sowie Spinetten und Clavichords, wie Thomas Bergner vom Museum klarmacht.

Dafür stehen Namen wie Olof Lindholm ebenso wie Urban Kreutzbach. Der Orgelbauer, ein Däne mit deutschen Wurzeln, der in Kopenhagen das Licht der Welt erblickte, war zwar nicht der erste Instrumentenbauer mit Wirkungsort Borna, wohl aber sich einer der bedeutendsten. Er kam im Jahre 1822 nach Borna, nachdem er auf seiner Wanderschaft, wie es seinerzeit üblich war, zunächst beim Orgelbauer Gottlob Häcker in Pegau gelandet war. Kreutzbach, dessen Instrumente in Borna gleich zweimal zu bewundern sind – in der Stadtkirche und der umgesetzten Emmauskirche – war allerdings nicht der erste aus der Zunft der Instrumentenbauer. „Das war Gottlob Heyl“, erläutert Bergner, von Beruf Mitarbeiter im Museum und von Berufung Ortshistoriker.

Heyl hatte sich im Jahr 1822 in Borna niedergelassen, als Borna noch einen ganz anderen Eindruck machte, als nur wenige Jahrzehnte oder gar ein Jahrhundert später. „Die Stadt war landwirtschaftlich geprägt“, sagt Bergner. Immerhin: „Etwas Industrie gab es“, Brauereien etwa. Zudem erste Anfänge des Bergbaus, „kleine Torfgruben“, etwa rund um den heutigen Breiten Teich. Gottlob Heyl stellte Klaviere her, die bis nach Übersee exportiert wurden. Den Betrieb gab es bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Blick in die Bornaer Emmauskirche

Blick in die Bornaer Emmauskirche. Auch ihre Orgel stammt aus der Werkstatt Kreutzbachs.

Quelle: Jens Paul Taubert

Aus der Werkstatt von Urban Kreutzbach, die später sein Sohn Richard weiterführte, stammen um die 200 Orgeln, die vor allem in Sachsen und Thüringen zu finden sind, „fast alle noch erhalten“, so Bergner weiter. Urban Kreutzbach ließ sich in Borna nieder, nachdem er seinen Meisterbrief in der Tasche hatte. Seine Produktionsstätte befand sich zunächst am heutigen Martin-Luther-Platz. Später verlagerte er seine Werkstatt, in der immer fünf, sechs Mitarbeiter beschäftigt waren, in die Grimmaer Straße. „Das war in gewisser Weise später das Bornaer Musikviertel.“ Oder auch das skandinavische Viertel, wie es Bergner nennt, denn die Mitarbeiter der Instrumentenbauer Theodor Mannborg und Olof Lindholm wohnten vor allen hier.

Die Geschichte der Lindholm-Fabrik, in der, dem Trend der Zeit folgend, Harmoniums hergestellt wurden, beginnt mit der Ankunft des Schweden Mannborg, der aus Leipzig nach Borna kam. Nur vier Jahre später, 1894, verließ er Borna, und Lindholm wurde sein Nachfolger. Es war die Hoch-Zeit des Harmoniumbaus, das sich die Kunden längst nicht mehr nur in Kirchen, sondern auch in die gute bürgerliche Stube stellten. Die Produktion von Harmoniums lief jahrzehntelang hervorragend, auch nachdem Tobias Weischet den Betrieb, der sich nunmehr in der Breiten Straße befand, übernommen hatte. Bergner: „Erst in den 50er Jahren ließ das Interesse daran nach.“ Da gab es die DDR schon, in der das Unternehmen später im Rahmen der großen Enteignungswelle 1972 verstaatlicht wurde. Fortan wurden die Instrumente unter dem Label VEB Cembalobau Borna hergestellt. Allerdings hatte sich zu diesem Zeitpunkt die Produktpalette geändert. Hergestellt wurde Spinette, von denen im Jahr 1964 sogar eins an den Vatikan geliefert wurde. Der Betrieb lief bis nach der Wende.

Ein Lindholm-Harmonium

Ein Lindholm-Harmonium.

Quelle: Jens Paul Taubert

In jedem Fall ist die Tradition des Musikinstrumentenbaus in Borna keine historische Randnotiz. Das macht auch das Interesse des Leipziger Vereins für Industriekultur deutlich, der das Bornaer Museum um Teilnahme an den Tagen der Industriekultur gebeten hat. Deshalb gibt es am 13. August eine Führung durch das Museum, in dem mehrere Instrumente aus original Bornaer Produktion zu sehen sind. Die Museumsmacher würden gern mehr davon zeigen, was allerdings angesichts des begrenzten Platzes bis auf weiteres nur ein Wunsch bleibt.

Und es gibt einen Anlass, die klingende Facette der Bornaer Stadtgeschichte etwas intensiver zu beleuchten. „Nächstes Jahr ist der 150. Todestag von Urban Kreutzbach“, sagt Bergner. Vielleicht Grund genug, in diesem Zusammenhang im Museum eine Ausstellung zu diesem Thema vorzubereiten.

Von Nikos Natsidis

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