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Interview mit Röthas Bürgermeister Eichhorn nach 100 Tagen im Amt

Erste Bilanz Interview mit Röthas Bürgermeister Eichhorn nach 100 Tagen im Amt

Röthas neuer Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos) ist seit 100 Tagen im Amt. Der bisherige Rechtsanwalt hat die Entscheidung, mit 62 Jahren einen beruflichen Neustart zu wagen, nicht bereut. Im LVZ-Interview spricht er unter anderem über Gestaltungsspielräume und die drohende Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

Röthas Bürgermeister Stephan Eichhorn vor dem Rathaus.

Quelle: André Neumann

Rötha. Röthas neuer Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos) ist seit 100 Tagen im Amt. Der bisherige Rechtsanwalt hat die Entscheidung, mit 62 Jahren einen beruflichen Neustart zu wagen, nicht bereut. Im LVZ-Interview spricht er unter anderem über Gestaltungsspielräume und die drohende Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.

Wie fühlen Sie sich 100 Tage nach dem beruflichen Neustart?

Alles ist ganz anders. Ein ehemaliger Kollege gratulierte mir mit den Worten: „Ein Wechsel vom Berater zum operativen Gestalter. Ich beneide Sie!“ Und tatsächlich ist der Umgang mit den Menschen jetzt noch unmittelbarer und vielfältiger als in meinem alten Beruf. Das gilt auch in Bezug auf die Dinge, auf die man Einfluss nimmt.

Ihre Kanzlei haben Sie geschlossen?

Ja. Die letzten Mandate sind zu Ende geführt oder übergeben.

Wie groß ist der Gestaltungsspielraum für den Bürgermeister einer 6000-Einwohner-Stadt?

Man kann natürlich keine Bäume versetzen. Aber es gibt viele kleine Dinge, die man bewegen und mit denen man die Menschen spüren lassen kann, dass man für sie da ist und sich kümmert.

Zum Beispiel?

Man kann zum Beispiel aufnehmen, dass es im Ort sechs Imker gibt, die sich darüber beklagen, dass Straßenbäume bis auf den Stamm verschnitten werden. Solchen, tasächlich ungewollten Dingen kann man im Vorfeld oder spätestens dann begegnen, wenn man sie feststellt. Zugleich wird man dafür sensibilisiert, bei neuen Baumpflanzungen sowohl die Gestaltung der Stadt als auch Belange wie eben der Imker im Auge zu haben.

Was setzt dem Gestaltungsspielraum Schranken?

Zuallererst natürlich die Finanzen, aber auch überraschende Entscheidungen Dritter. So wurde der Austausch der Wasser- und Abwasserleitungen und die damit verbundene Erneuerung der August-Bebel-Straße erst Anfang dieses Jahres an uns herangetragen. Zu spät, um noch gestalterisch Einfluss nehmen zu können.

Damit spielen Sie vermutlich auch auf den alten Gasthof „Drei Rosen“ an, dessen Ruine am unteren Ende der Straße steht?

Hier steht noch die Entscheidung zum Abriss aus. Die Stadt hatte ihn beantragt, um das Gebäude mit Abrissgenehmigung verkaufen zu können. Der Abriss wurde abgelehnt, Rötha hat dem widersprochen. Jetzt warten wir auf einen Bescheid der Landesdirektion.

Sie hatten schon im Wahlkampf davon gesprochen „Drei Rosen“ in die Gestaltung des Marktplatzes einbeziehen zu wollen, die Verkehrsbeziehungen in dem Bereich zu ändern...

Wenn die Landesdirektion unseren Widerspruch zurückweist, müssen wir sehen, ob wir dagegen klagen. Ich werde das schon deshalb nicht empfehlen, weil dann wieder mehrere Jahre ins Land gehen werden, bis hier etwas zum Besseren gestaltet werden kann. Außerdem bekenne ich mich zu dem Gebäude und seinem historischen Standort.

Setzen sie nach wie vor auf bürgerschaftliches Engagement?

Ich freue mich über Bürgerinitiativen wie kürzlich in Mölbis, wo zum Frühjahrsputz aufgerufen wurde. In Rötha gab es das durch den Förderverein „Rötha – Gestern. Heute. Morgen“ mit einem Einsatz im Schlosspark ebenfalls. Nicht unterschätzen darf man in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Feuerwehren – besonders für das gemeinschaftliche Leben in unseren Dörfern.

Der Bau der Autobahn wird womöglich für einige Zeit zur Belastung für die Röthaer. Ist da Schutz notwendig?

Eine Sache wurde abgewendet: Es sollten große Mengen Erdreich durch die Stadt transportiert werden, einmal in Richtung Kahnsdorf und einmal in Richtung B 95/Espenhain. Damit wird jetzt gewartet, bis die Autobahnunterführung zwischen Espenhain und Rötha zur Verfügung steht. Unabhängig davon habe ich vor, mich mit dem Autobahnamt in Verbindung zu setzen und eine Informationsveranstaltung in Rötha zu organisieren.

Ihre Stadt kämpft gerade gegen die Eröffnung einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Ist das derzeit Ihr Hauptbetätigungsfeld?

Nein. Wir haben gesagt, was gesagt werden konnte. In unserer letzten Stellungnahme haben wir gegenüber dem Landratsamt auf den noch nicht angesprochenen Punkt des Lärmschutzes hingewiesen. Hier müsste aus meiner Sicht seitens der Behörde ein Lärmschutzgutachten in die Gesamtwürdigung einbezogen werden.

Wie weit wird Rötha in der Auseinandersetzung gehen?

Ich denke schon, dass  wir Rechtsmittel einlegen, sollte das Landratsamt das Einvernehmen zum Bauantrag an unserer Stelle erteilen. Wir sollten uns wehren und müssen sicher auch einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht stellen, weil ein Widerspruch allein keine aufschiebende Wirkung hat.

Glauben Sie, die Erstaufnahme verhindern zu können?

Nach reinem Bauordnungsrecht möglicherweise nicht. Ich hoffe allerdings immer noch auf ein politisches Einsehen. Denn wie schon gesagt, mit der Erstaufnahmeeinrichtung und weiteren 305 Flüchtlingen hätte die Kernstadt Rötha einen Ausländeranteil von 14 Prozent.

Von André Neumann

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