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Invest Region legt Zahlen vor: Landkreise profitieren bislang kaum von Ansiedlungen

Standortmarketing Invest Region legt Zahlen vor: Landkreise profitieren bislang kaum von Ansiedlungen

Weite Wege nehmen die Wirtschaftsförderer der Invest Region Leipzig in Kauf, um Investoren auf Leipzig und das Umland aufmerksam zu machen.

Die Ansiedlung eines Krebsbehandlungszentrums in Markranstädt wird mit einem Volumen von rund 230 Millionen Euro erwartet.

Quelle: Schenk Consulting

Landkreis Leipzig. Das Unterfangen, ansiedlungswillige Investoren für die Region zu gewinnen, ist eine Herausforderung. Zum jüngsten Kreistag wurde das Ergebnis einer Evaluation der Invest Region Leipzig (IRL) vorgelegt. Nachfragen von Kreisräten gab es nicht. Im Gegensatz zum jüngsten Kreistag in Nordsachsen, wo die Tätigkeit der Wirtschaftsförderer durchaus kritisch hinterfragt wurde.

Trotz vieler internationaler Kontakte stehen die Unternehmen nicht gerade Schlange. Laut Bericht, ausgearbeitet von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Halberstadt, seien in diesem Jahr bis August 18 Ansiedlungen unter Beteiligung der IRL zustande gekommen.

Die IRL – das Unternehmen zur Wirtschaftsförderung der Region – wurde 2012 aus der Taufe gehoben. Hinter den drei Buchstaben verbirgt sich die gemeinsame Gesellschaft der Stadt Leipzig, der Landkreise Leipzig und Nordsachsen sowie der hiesigen Industrie- und Handelskammer. Der Großteil der Interessenten lasse sich im Leipziger Stadtgebiet nieder, hieß es. Von vier Ansiedlungen konnte Nordsachsen in diesem Jahr profitieren. Lediglich eine größere Ansiedlung wird im Landkreis Leipzig der IRL mit zugeschrieben. Dabei handelt es sich um eine brasilianische Investorengruppe, die in Markranstädt eigenen Angaben zufolge für rund 230 Millionen Euro ein Krebsbehandlungszenturm errichten will.

Dass so ein großer Fisch ins Netz geht, ist allerdings die große Ausnahme. Oftmals werden kleinere Brötchen gebacken. Hinter den für 2016 genannten 18 Ansiedlungen stehen insgesamt 435 Arbeitsplätze, so die Hochschule in ihrer Bilanz. Um diese Zahl zu erreichen, seien bis August rund 250 Kontakte mit Investoren zustande gekommen. Zudem habe es 73 konkrete Standortanfragen gegeben. Im Jahr 2014 seien fünf Ansiedlungen mit 160 Jobs und im Jahr darauf sieben mit 525 Arbeitsplätzen realisiert worden.

Beackert werden Regionen rund um den Globus, um die Aufmerksamkeit auf die Boomtown Leipzig und ihr Umland zu lenken. Dabei richtet sich der Fokus jeweils auf bestimmte Länder. „Unsere Primärmärkte sehen wir in der Schweiz und den USA“, machte Michael Körner, Interims-Geschäftsführer der Invest Region, kürzlich auf einem Forum für regionale Wirtschaftsförderer in Borna deutlich. „Sekundärmärkte sind außerdem Polen und Schweden.“ Wie zäh das Standortmarketing ist, erklärte Körner anhand von Roadshows. „Drei haben wir in diesem Jahr in den USA durchgeführt. Bearbeitet wurden Kontakte in San Francisco, New York und Chicago. In Übersee treten wir dabei gegen Regionen wie Stuttgart oder München an, die ebenfalls um Investoren werben.“ Die Messlatte liege also ziemlich hoch. „Gezielt haben wir uns finanzielle Start ups herausgesucht, um uns vorzustellen.“ Die politische Situation nach der Präsidentenwahl spiele vielleicht auch Deutschland in die Karten. „Man merkt eine große Verunsicherung, wie es unter einem Präsidenten Trump wirtschaftlich weitergeht“, berichtete Körner, „aber auch Euphorie ist zu spüren.“ Weitere Roadshows fanden 2016 in Schweden und der Schweiz statt. Am Beispiel der Eidgenossen erläuterte Körner, dass die Investoren-Akquise der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gleicht: „In der Schweiz haben wir 3000 Mailings verschickt, tausend Telefonate geführt. Am Ende standen zwei Ansiedlungen, die die Region 2016 aus der Schweiz verbuchen kann.“ Intensive Kontakte habe es auch nach Polen gegeben. Dort sei es gelungen, einen Mitarbeiter für die Invest Region zu gewinnen, der beim Außenhandelsministerium in Warschau gearbeitet hat. „Solche Kontakte sind unheimlich wertvoll.“

Neu ins Visier wurden in jüngster Zeit Israel und die Türkei genommen. Aus diesen beiden Ländern habe es ebenfalls zwei Ansiedlungen in der Region gegeben. Auch die politische Situation in der Türkei müsse weiter aufmerksam verfolgt werden. „Um uns ins Gespräch zu bringen, ist noch im Dezember ein Seminar geplant“, kündigte Körner auch hier weitere Aktivitäten an. Das Info-Angebot richte sich an türkische Firmen und werde zusammen mit der Kosgeb, der Behörde zur Entwicklung und Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen in der Türkei, vorbereitet.

Die Invest Region verfügt dabei über ein jährliches Budget von rund 1,5 Millionen Euro. Neun feste Mitarbeiter sind bei der GmbH beschäftigt. Der Landkreis zahlt pro Jahr einen Zuschuss von 255 000 Euro.

Von Simone Prenzel

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