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Borna Iranische Christen flüchten nach Borna
Region Borna Iranische Christen flüchten nach Borna
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18:49 11.12.2012
Angekommen ist Familie Mashei in Borna, heimisch noch nicht.
Borna

Den Iran musste die Familie aber verlassen, weil sie zum Christentum konvertiert ist – im Land der Mullahs ist das eine problematische Angelegenheit. Die Wohnung in der Magdeborner Straße ist sauber. Es gibt Möbel und einen Fernseher, auch in der Küche scheint auf den ersten Blick nichts Wesentliches zu fehlen. Natürlich gibt es noch Lücken an den Wänden. Hier wohnt die junge Familie. Bis vor drei Wochen waren der 32-jährige Vater und seine gleichaltrige Frau noch im Asylbewerberheim in Thräna. Die Verständigung ist angesichts begrenzter Sprachkenntnisse nicht ganz einfach. Mutter Hima, gelernte Apothekerin, lässt aber keinen Zweifel daran, dass der Weg aus dem Iran des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad alternativlos war. Es war vor zwei Jahren, als die junge Frau durch eine Freundin mit dem Christentum in Berührung kam. Sie wurde bekehrt, ebenso ihr Mann. Was folgte, waren Besuche der Polizei und das Gefühl, im Iran nicht länger sicher zu sein. Seit dem Frühjahr ist die Familie deshalb in Deutschland. Zurück, sagt Hilma, gehe es nicht mehr, obwohl sie sich um die Familie in Teheran sorge. Seither leben die drei Iraner hier. Natürlich sind sie froh, das enge Zimmer mit drei Betten und drei Schränken im Thränaer Heim gegen die Wohnung in Borna-Ost eingetauscht zu haben. Zugleich habe sie aber mit den Problemen zu kämpfen, die den meisten Asylbewerbern im Landkreises Leipzig zu schaffen machen: dem sogenannten Gutschein-System. Die Gutscheine gibt es für Lebensmittel, und sie berechtigen nur zum Einkauf in bestimmten Supermärkten. Was im konkreten Fall dazu führt, dass die Familie nicht in den Netto-Markt gegenüber ihrer Wohnung gehen kann, sondern sich ins Kaufland am anderen Ende der Stadt bemühen muss. Und es schränkt ein, was ein ganz normales Einkaufsverhalten anbelangt. Weniger wegen des Betrages, der sich mit den Gutscheinen einlösen lässt. Wohl aber dadurch, dass sich dafür nicht einmal ein ganz kleines Spielzeug erwerben lässt. Nun ist es nicht so, dass die Tochter Nazami, die ihre guten Deutschkenntnisse dem täglichen Besuch der Kindertagesstätte „Regenbogenland“ verdanken dürfte, überhaupt keine Spielsachen hätte. Es gibt Puppen und eine Reihe von Plüschtieren. Ihr Kinderbett hat einen Himmel. Dennoch ist für ihre Eltern klar, dass die Blütenträume nicht in den Himmel schießen. Denn natürlich hat das kleine Mädchen, das den Besucher, der von den Eltern im Wohnzimmer mit Tee und Obst bewirtet wird, einen Weihnachtswunsch. Wird sie danach gefragt, flitzt sie in ihr Zimmer. Dort hängt: Disneys Rapunzel, eine wahre Prinzessin, wie sie im Film vorkommt. Eine solche Puppe zu kaufen, daran ist allerdings für die Eltern nicht zu denken. Weihnachten will die Familie in die Kirche gehen. Allerdings nicht in Borna. Aus sprachlichen Gründen. Sie wird am 24. Dezember nach Leipzig fahren, wo es in einer Gemeinde einen Übersetzer gibt, der den Weihnachtsgottesdienst ins Persische übersetzt.

Nikos Natsidis

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