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Borna Ja zur Banken-Hochzeit
Region Borna Ja zur Banken-Hochzeit
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16:35 19.05.2015
"Dic Cur Hic - Sag', warum du hier bist" steht über den Köpfen der VR-Bank-Vertreter in der Aula des Bornaer Gymnasiums. In diesem Moment stimmen sie der Fusion ihrer Genossenschaftsbank mit der Volksbank Leipzig zu. Quelle: Frank Prenzel

Neun Vertreter stimmten gegen die Banken-Hochzeit.

Seit einem halben Jahr wirbt der Vorstand der Bornaer Genossenschaftsbank bei den Mitgliedern für den Zusammenschluss. Zur entscheidenden Vertreterversammlung vorgestern Abend in der Aula des Bornaer Gymnasiums wurde noch einmal fast drei Stunden lang ein Argument nach dem anderen vorgetragen, ehe es kurz vor 22 Uhr zur Abstimmung kam. VR-Bank-Vorstand Andreas Woda zeigte sich danach erleichtert. Sein Wunsch sei ein Ergebnis von über 80 Prozent gewesen, das sei mit dem Votum klar erreicht worden.

Die VR Bank Leipziger Land, die 2005 aus den Genossenschaftsbanken Geithain und Borna hervorgegangen war, verschmilzt rückwirkend zum 1. Januar 2013 mit der Volksbank Leipzig. Das neue Geldinstitut wird unter dem Namen Leipziger Volksbank firmieren und seinen Sitz in der Schillerstraße der Messestadt haben. Es entsteht ein Geldhaus mit einer Bilanzsumme von 630 Millionen Euro, 65 000 Kunden, 26 000 Mitgliedern und etwa 200 Mitarbeitern. Die Vertreterversammlung der Volksbank Leipzig hatte gestern Abend im Neuen Rathaus über die Verschmelzung zu befinden (nach Redaktionsschluss).

VR-Bank-Vorstand Woda führte vor Augen, dass die Fusion, bei der das Vermögen der Bornaer Bank auf die Leipziger Bank übertragen wird, alternativlos sei. Am Himmel zögen dunkle Wolken auf, die Margendruck, Regulatorien, Wettbewerb und Demografie heißen. "Vor allem die Zinsentwicklung bereitet uns große Sorgen", sagte Woda. Das niedrige Zinsniveau drückt das Geschäft, laut Woda erfordert es eine starke Kreditgenossenschaft mit mehr Eigenkapital. Nur so könnten die Unternehmen der Region auch weiterhin mit frischem Geld versorgt werden. Die Fusion erschließe neue Möglichkeiten bei der Kreditvergabe. So verdoppele sich das Volumen auf maximal drei Millionen Euro pro Kreditnehmer, durch die neuen Strukturen könne auch der wichtige Kreditbereich der Landwirtschaft weiter entwickelt werden.

Auch wegen der demografischen Entwicklung im Leipziger Land suchten die Bornaer Bänker nach einem Partner. Viele Kommunen im Geschäftsgebiet verlören bis 2025 fast 20 Prozent ihrer Einwohner, sagte Woda. Das wirke sich wirtschaftlich aus. Bitter sei vor allem, dass junge Menschen wegziehen, vorrangig nach Leipzig.

"Weiter so, ist keine Option", beteuerte Woda. Die Bank müsste dann am Kunden und am Personal sparen, weil sich das niedrige Zinsniveau auf Dauer nicht ausgleichen lasse. Woda beteuerte aber: "Es ist keine Fusion unter Kostendruck, sondern eine Fusion voller Chancen."

Das Netz der Filialen soll erhalten bleiben. Den Kunden stehen dann zwischen Schkeuditz und Geithain 22 Filialen zur Verfügung. Allerdings werden sich etwa ein Prozent der Kunden der VR Bank Leipziger Land an eine neue Kontonummer gewöhnen müssen. Woda ging auch auf den Standort Borna ein. Die Gewerbesteuer für die Stadt werde niedriger sein, sagte er. Abstriche beim Sponsoring werde es aber nicht geben. In Borna stehe nach der eigentlichen Zusammenführung im November das zweitgrößte Beratungszentrum der neuen Bank "mit allen Funktionen, die der Kunde benötigt". Zehn Mitarbeiter verblieben in der Wyhrastadt.

Fusionsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Laut Woda werden durch Synergieeffekte 23,5 Stellen abgebaut, vor allem in der Zentralverwaltung. "Wir sind überzeugt, dass wir diese Reduzierung bis spätestens 2016 und ohne Kündigung umsetzen können" - durch Altersteilzeit und normaler Fluktuation. An der Spitze der neuen Bank werden anfangs alle Chefs der zwei Altbanken und damit vier Personen stehen. Erwin Kießling wird dann 2017 die passive Altersteilzeit antreten. Die Stellen der zehn Bereichsleiter wurden intern neu ausgeschrieben. Aus beiden Häusern haben sich 16 Mitarbeiter beworben.

Mit Paul Mielke, dem derzeit ältesten Genossenschaftsmitglied, meldete sich in der kurzen Diskussion eine kritische Stimme zu Wort. Er befürchtet, dass bei einer größeren Bank die Verbindung zu den Mitgliedern und Arbeitsplätze verloren gehen. Henry Graichen, Bürgermeister von Neukieritzsch, warb für die Zustimmung. "Einige kritische Dinge zum Standort Borna sah auch ich", sagte er. "Ich sehe aber auch die schleichenden Risiken für unsere Bank." Mit der Fusion könne sie die Wirtschaft und die Kunden besser bedienen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.06.2013

Prenzel, Frank

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