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Jetzt soll Stadtrat zum Krematorium im Espenhainer Gewerbegebiet entscheiden

Technischer Ausschuss Jetzt soll Stadtrat zum Krematorium im Espenhainer Gewerbegebiet entscheiden

Ein Internet-Bestatter will im Industrie- und Gewerbepark Espenhain ein Krematorium bauen. Das Vorhaben ist umstritten. Nachdem sich mehrere Ortschaftsräte und der Technische Ausschuss teils kontrovers mit dem Vorhaben eines Bestattungsunternehmens befasst haben, soll die Entscheidung jetzt dem Stadtrat übertragen werden.

Teile der Baugrube für ein Krematorium sind in der Nähe der alten Schaltwarte, dem Sitz der Firma Geiger Edelmetalle, bereits ausgehoben.

Quelle: André Neumann

Rötha/Espenhain/Mölbis. In Rötha hält die Debatte um den geplanten Bau eines Krematoriums im Industrie- und Gewerbegebiet Espenhain an. Nachdem sich mehrere Ortschaftsräte und der Technische Ausschuss teils kontrovers mit dem Vorhaben eines Bestattungsunternehmens befasst haben, soll die Entscheidung jetzt dem Stadtrat übertragen werden.

Wie berichtet will die Firma Segenius im Industrie- und Gewerbegebiet Espenhain auf einem zur Gemarkung Mölbis gehörenden Flurstück ein Krematorium errichten. Bei Segenius handelt es sich nach Darstellung von Geschäftsführer Jörn Gerischer um den größten Internet-Bestatter in Deutschland. Das Unternehmen bietet in erster Linie preiswerte Bestattungen an.

Nun läuft Bauantragsverfahren

Ursprünglich war das Unternehmen davon ausgegangen, dass im Gewerbegebiet mit gültigem Bebauungsplan lediglich eine genehmigungsfreie Bauanzeige nötig sei. Nachdem sich Widerstand gegen das Vorhaben regte, beantragte die Stadtverwaltung, ein regelrechtes Bauantragsverfahren einzuleiten. In dem Zuge muss sich die Stadt jetzt zu dem mittlerweile vorliegenden Bauantrag äußern.

Stadtratsmitglied Peter Brauße (Rötha-Land), der als selbstständiger Grabmacher in der Branche tätig ist, hatte ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes ins Spiel gebracht. Das hatte Anfang 2012 geurteilt, dass ein Krematorium mit Abschiedsraum in einem Gewerbegebiet nicht zulässig ist.

Die von Segenius geplante Anlage zur Einäscherung von Toten sieht einen derartigen Raum nicht vor. Die Anwesenheit von Angehörigen „ist bei uns nicht möglich“, sagte Gerischer auf der Sitzung des Technischen Ausschusses am Donnerstagabend in Espenhain. Damit trat er einem von Brauße geäußerten Argument gegen das Krematorium in Industriegebiet entgegen. Der Abgeordnete hatte betont, ein Krematorium sei eine Bestattungseinrichtung und gesagt: „Es kann nicht sein, dass meine Angehörigen bestattet werden und in der Nähe die Schrottpresse läuft.“ Und er nannte weitere Vorbehalte: Andere Investoren könnten sich mit Ansiedelungen auf angrenzenden Grundstücken schwer tun. Wanderer auf der Halde schauen direkt aufs Krematorium herunter.

Gerischer hielt dem entgegen, dass ein modernes Krematorium von einer anderen Industrieanlage nicht zu unterscheiden sei. Auch andere Krematorien würden sich schon in Gewerbegebieten befinden. Zudem schaffe man 20 Arbeitsplätze. Auf dem Areal in der Nähe der ehemaligen Kraftwerksschaltwarte, dem Sitz der Firma Geiger Edelmetalle, wurden bereits ein Entwässerungsgraben angelegt und Teile der Baugrube ausgehoben. Gerischer erklärte das damit, dass man zunächst vom einfachen Verfahren mit einer Bauanzeige ausgegangen war. Jetzt ruhen die Arbeiten.

Landratsamt hat das letzte Wort

Der Ortschaftsrat Espenhain hatte das Vorhaben abgelehnt, in Mölbis war kontrovers diskutiert worden. Ortsvorsteher Tobias Thieme deutete an, wenn die Prüfung ergebe, dass das Unternehmen ins Gewerbegebiet darf, „müssen wir uns emotional zurücknehmen“. Stadträtin Katja Wellmann gehört zu den Befürwortern, sie sagte mit Blick auf die Flächen im Gewerbegebiet: „Wir haben Platz und es werden Arbeitsplätze geschaffen.“

Nun soll der Stadtrat am 16. Juni über die Haltung der Stadt zu dem Vorhaben entscheiden. Das letzte Wort hat die Bauaufsichtsbehörde des Landratsamtes.

Von André Neumann

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