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Borna Jubiläumsfeiern: Warum Borna jünger wurde
Region Borna Jubiläumsfeiern: Warum Borna jünger wurde
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05:01 16.05.2018
Der Festumzug bei der 750-Jahr-Feier von Borna im Jahr 2001. Quelle: Andreas Döring
Borna

Die Stadt Borna hat ein ganz spezielles Alleinstellungsmerkmal. Sie ist im Laufe der Jahrzehnte jünger geworden. Wurde vor 80 Jahren das 800-jährige Bestehen der Stadt gefeiert, begingen die Stadtoberen und die Bürger 63 Jahre später, exakt 2001, das Jubiläum „750 Jahre Borna“. In den 30er-Jahren wie auch zu Beginn des neuen Jahrtausends gab es Jubiläumsfeiern, an die sich die Teilnehmer noch lange Jahre danach begeistert erinner(te)n.

Zum Jubiläum „750 Jahre Borna“ fand Ende August 2001 eine Festwoche statt. Das Wetter stimmte, und die Laune der Beteiligten war prächtig. Zum Programm gehörte auch ein Festumzug.

Das Wetter stimmte, und die Laune der Beteiligten war prächtig. Als Ende August 2001 die Festwoche anlässlich des Bornaer Stadtjubiläums stattfand, stimmte so ziemlich alles. Auf dem Markt war ein riesiges Festzelt aufgebaut, in dem nicht nur die Wildecker Herzbuben und Achim Menzel für vollbesetzte Bänke sorgten.

Es gab auch einen Festumzug, so wie schon im Jahr 1938, damals anlässlich der 800-Jahr-Feier. In beiden Fällen angeführt von den Rathauschefs. Während aber Bernd Schröter (Bürger für Borna) vor 17 Jahren im gediegenen dunklen Anzug durch die Bornaer Straßen lief, trug sein Amtsvorgänger Friedrich Munde eine SS-Uniform.

Museum bewahrt Dokumente zu Jubiläen auf

Es war bei vielen Gemeinsamkeiten nicht der einzige Unterschied, wie Museumsleiterin Gabriele Kämpfner sagt. Im Museum werden die schriftlichen Hinterlassenschaften der Bornaer Jubiläumsfeierlichkeiten aufbewahrt.

So wurde der 38er Festumzug mit einem Bild eröffnet, in dem deutsche Kaufleute als Erstbesiedler des heutigern Bornaer Stadtgebietes zu sehen waren. Bei der 750-Jahr-Feier mehr als sechs Jahrzehnte später waren es dann die Slawen, die den Festzug als Quasi-Urbornaer eröffneten.

Andererseits, macht Museumschefin Kämpfner klar, stimmt der Großteil dessen, was 1938 als lebende Geschichtsbilder durch die Stadt lief, mit dem überein, was auch die Verantwortlichen für die vorerst letzte Bornaer Stadtjubiläumsfeierlichkeit für wesentlich hielten.

Wobei sich eben die Frage stellt, wie es zu den beiden Jubiläen kam. Letztlich waren es durchaus handfeste Interessen, die zum Bornaer Festjahr 1938 führten, wie Gabriele Kämpfner und ihr Kollege Thomas Bergner vom Museum erklären.

Gewerbeverband regte Heimatfest an

Es war eine Zeit, in der Heimatfeste aller Art hoch im Kurs standen, und so ging die Initiative 1926 vom Bornaer Gewerbeverband und hier insbesondere von den örtlichen Gastwirten aus. Die regten ein Heimatfest an und waren auch bereit, sich daran zu beteiligen – mit einem Betrag von 500 Reichsmark.

Daraus wurde erst mehr als zehn Jahre später etwas – und zwar mit der Begründung, dass sich konkret nach dem Jahr 1137 deutsche Kaufleute in der Gegend des heutigen Königsplatzes niedergelassen hätten. Was dem heutigen Stand der Erkenntnis nach nicht völlig falsch ist, wie die Experten des Museums sagen.

Historiker führen die Ursprünge von Borna auf die Zeit nach dem Jahr 1100 zurück. Die Festlegung des Jubiläumsjahres 1938 war deshalb nicht grundverkehrt, und so gab es zahlreiche Veranstaltungen kultureller, aber auch sportlicher Art, für die auch der seinerzeitige Platz der Volksgemeinschaft der heutige Volksplatz genutzt wurde.

Dass das damalige Stadtjubiläum eine Veranstaltung in ihrer Zeit war und Hakenkreuzfahnen aufgezogen wurden, kann nicht verwundern. „Immerhin aber“, sagt Thomas Bergner, „war es ideologisch nicht so stark eingefärbt wie vergleichbare Veranstaltungen an anderen Orten“. Und es blieb den Zeitgenossen im Gedächtnis.

Anfragen nach einer 800-Jahr-Feier

Auch zu DDR-Zeiten noch, so dass den damaligen SED-Bürgermeister Rudolf Urban in den 80er-Jahren Anfragen wegen einer 800-Jahr-Feier von Borna erreichten, die nach der Lesart aus den 30er-Jahren 1988 fällig gewesen wäre. Urban ließ die Angelegenheit prüfen, und heraus kam die Botschaft, dass das Jahr 1251 als Gründungsdatum der Stadt anzunehmen sei, worauf das spätere Jubiläum 2001 basiert.

1251 ist das Jahr, in dem ein Burghard von Borna eine Schenkung bezeugt. Benannt als Schreiber aus Borna, aber eben nicht als der (Stadt-)Schreiber von Borna, wie Museumsleiterin Kämpfner betont. Deshalb lässt sich ein exaktes Gründungsdatum der Stadt nicht benennen – jedenfalls nicht wissenschaftlich belastbar, „weil im Mittelalter vieles nicht verschriftlicht wurde“. Es fehlt in vielen Fällen an Dokumenten und Urkunden, wie sie in späteren Zeiten üblich wurden.

Das Jahr 1251 bleibt deshalb der zeitlich-formale Ausgangspunkt der Bornaer Stadtgeschichte und damit auch für künftige Jubiläumsfeiern. Die nächste wäre dann anlässlich des 775-jährigen Bestehens der Stadt in acht Jahren fällig.

Von Nikos Natsidis

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