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Jubiläumsfest mit Sonderzug: Neukieritzsch feiert 175 Jahre Ortsgründung

Im September Jubiläumsfest mit Sonderzug: Neukieritzsch feiert 175 Jahre Ortsgründung

Am 19. September 1842 hielt am Vormittag der erste Zug am Haltepunkt Kieritzsch. Um den herum gründete sich in den folgenden Jahren die heutige Gemeinde. Deswegen feiern die Neukieritzscher im September 175-jähriges Bestehen.

So könnte es auch am 23. September wieder aussehen: Anlässlich des Festes 175 Jahre Neukieritzsch soll ein Sonderzug fahren.

Quelle: Olaf Becher

Neukieritzsch. Am 19. September 1842 zwischen acht und neun Uhr schlug die Geburtsstunde von Neukieritzsch. Der erste Eisenbahnzug erreichte den damaligen Haltepunkt Kieritzsch. Der lag inmitten von Feldern und wurde nun zur Keimzelle einer Ortsansiedlung.

175 Jahre später bereiten sich die Neukieritzscher darauf vor, das Jubiläum der Ortsgründung gebührend zu feiern. Den Hut für die Festvorbereitungen hat der Kulturverein auf, der sich aber auf viele Partner stützen kann. Vorsitzender Karsten Jacob nennt zuallererst die Geschichtswerkstatt und den Gewerbeverein, außerdem machen der Sportverein und die Feuerwehr mit und Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) bringe sich persönlich ein. „Das macht wieder mal Spaß“, sagt Jacob über die gemeinschaftliche Festvorbereitung, bei der viele an einem Strang ziehen.

Immerhin ist sogar von einer Festwoche die Rede. Auch wenn der große Bahnhof – und das im Wortsinn – sich auf das Wochenende 23./24. September beschränken wird. Doch der entscheidende Tag, der 19. September, soll nicht ausgelassen werden. Schließlich liegt der große Vorzug des Beginns der Neukieritzscher Geschichte ja gerade in der Tatsache, dass man ihn mindestens stundengenau festmachen kann. Deswegen wird am 19. September, der nun mal ein Dienstag ist, eine Festveranstaltung im Bürgerbegegnungszentrum stattfinden. Mit Festrede, Kultur und einer Ausstellung des Netzwerkes Industriekultur Dresden, welches laut Jacob „absolut firm in der Eisenbahngeschichte“ sei.

Das große Bahnhofs-, Ortsgründungs- und Straßenfest soll dann am darauffolgenden Wochenende über die Bühne gehen. Viele Aussteller, Vereine, Gewerbetreibende und Institutionen werden dann mit Ständen die Straße zwischen Bahnhof und Markt säumen. Auf dem Bahnhofsvorplatz wird ein kulturelles Programm geboten. „Mit Livemusik und Disco“, wie Karsten Jacob ankündigt. Auch der Park auf dem Gelände der landwirtschaftlichen Sozialversicherung darf mit genutzt werden.

Im Bahnhof selbst soll es am Festwochenende natürlich dampfen, qualmen und zischen. So wie damals. Der Nachbau der einstigen Saxonia, wird zwar nicht in Neukieritzsch halten, wie sich das einige Enthusiasten gewünscht hatten. Ein Sonderzug wird aber schon vorbereitet. Partner dafür ist der Verein Eisenbahnmuseum Leipzig, der in seinem Fuhrpark in Plagwitz eine betriebsfähige Dampflokomotive (52 8154-8) von 1943 hat. Geplant ist laut Jacob ein Zug, der von Leipzig über Neukieritzsch bis Altenburg fährt. Mit längerem Aufenthalt in Neukieritzsch. Mit Partnern in Altenburg werde darüber gesprochen, dass für die Fahrgäste auch dort während des Aufenthaltes ein kleines Kulturprogramm geboten werden kann. In der Ankunft des Zuges sieht der Kulturvereinsvorsitzende schon mit Blick auf den historischen Anlass einen Höhepunkt des Festes. Und er glaubt, dass viele Neukieritzscher ein Ticket lösen werden.

Um die volkstümliche Aufarbeitung des geschichtlichen Hintergrundes des Jubiläums kümmert sich die Neukieritzscher Geschichtswerkstatt. Die will am Sonntag zu einer historischen Ortsführung einladen und bereitet eine Ortschronik vor.

Eine ursprüngliche Idee, das Jubiläumsfest am Sonntag gleich mit der nächsten Auflage von „Neugierig in Neukieritzsch“ zu verbinden, wurde fallen gelassen. Einesteils, weil am 24. September die Bundestagswahl stattfindet, an der sich natürlich viele Neukieritzscher beteiligen sollen. Andererseits, weil der Aufwand ohnehin schon groß ist. „Das ist etwas anderes, als ein Konzert auf dem Markt zu veranstalten“, sagt Karsten Jacob, und ist erneut froh über die vielen Mitstreiter.

Gemeinde gewährt Kulturverein Darlehen

Der Kulturverein Neukieritzsch bekommt für die Organisation des Jubiläumsfestes von der Gemeinde ein Darlehen in Höhe von 40 000 Euro. Die Entscheidung darüber fiel im Gemeinderat mehrheitlich, war aber nicht ganz unumstritten, weil einige Abgeordnete offenbar ein finanzielles Risiko für die Gemeinde sahen. Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) versicherte, es bestehe keins. Das gesamte Fest werde rund 40 000 Euro kosten. Finanziert würden die aus Zuwendungen der Stiftung Lebendige Gemeinde, aus Spenden und Einnahmen sowie aus Fördermitteln. Um die beantragen zu können, müsse der Verein die gesamte Summe vorfinanzieren. Dafür benötige er das Darlehen.

Es bestehe auch kein Grund zur Sorge, dass der Verein die Abrechnung nicht stemmen könnte. Dessen Schatzmeister, sagte Hellriegel, sei gelernter Kämmerer. Finanzchef des Neukieritzscher Kulturverein ist immer noch Henry Graichen (CDU). Der Landrat des Landkreises Leipzig war zuvor erst Kämmerer, dann Bürgermeister der Gemeinde Neukieritzsch.

Kritisch zur Festvorbereitung äußerte sich Gemeinderat Andreas Bodenlos von der CDU-Fraktion. Der Großzössener Bäcker sei vom Gewerbeverein gefragt worden, ob er sich an der Festmeile beteilige. Doch Blechkuchen und Ofenbrot würden schon andere machen, habe man ihm gesagt und empfohlen: Er könne doch Stollen backen. „Ich bin die einzige in der Gemeinde ansässige Bäckerei, die noch selbst bäckt“, kommentierte er das öffentlich und wunderte sich, dass man ihn zuletzt anspreche und dann noch um eine Spende fürs Fest bitte. CDU-Chefin Silke Lorenz zeigte Verständnis für die Verstimmung: Einheimische Gewerbetreibende hätte man tatsächlich zuerst ansprechen sollen, sagte sie.

Von André Neumann

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