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Jugend soll das Gedenken lebendig halten

Jugend soll das Gedenken lebendig halten

Heute vor 61 Jahren wurde der Geithainer Eberhard von Cancrin im Zusammenhang mit dem Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 erschossen. Gestern hatte Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos) zu einer kleinen Gedenkfeier an jene Tafel eingeladen, die in der Bahnhofstraße an ihn erinnert.

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Gedenken an Eberhard von Cancrin und den Volksaufstand in der DDR gestern in Geithain. Bürgermeisterin Romy Bauer (l.) überreicht Florian Bruse und Elisabeth Möller je eine DVD mit dem Film von Freya Klier.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Die Ereignisse vom 17. Juni seien eine ganz wichtige Vorstufe, ein früher Vorbote für die Ereignisse der friedlichen Revolution 1989 gewesen, betonte die Stadtchefin. Was damals geschah, das gehöre nicht nur in die Gedenksteine, sondern auch in die Herzen, erklärte sie. "Ihr seid diejenigen, die das weitertragen können", appellierte sie an die anwesenden Schüler der Geithainer Paul-Guenther-Schule und des Internationalen Wirtschaftsgymnasiums Geithain.

Je einem Vertreter jeder Bildungseinrichtung überreichte die Bürgermeisterin eine DVD mit dem Film, den die Bürgerrechtlerin Freya Klier über die Ereignisse rund um den 17. Juni 1953 in Leipzig gedreht hat. Am Ende der Dokumentation unter dem Titel "Wir wollen freie Menschen sein!" wird eine Gedenktafel auf dem Leipziger Südfriedhof gezeigt, die auch den Namen Eberhard von Cancrins trägt. "Hier schließt sich der Kreis, dass das Gedenken lebendig gehalten wird", so Bauer. Die Hüter dieses lebendig Haltens sind für sie die Jugendlichen. "Das ist ein Vermächtnis, das ich weiterreichen möchte", erklärte sie und übergab Florian Bruse für die Paul-Guenther-Schule und Elisabeth Möller für das Wirtschaftsgymnasium je eine DVD. Etwa in einem Jahr könne man sich wieder treffen und sich darüber unterhalten, welche Position die Schüler zum damaligen Geschehen einnehmen, schlug sie vor.

 

 

Die Bürgermeisterin dankte Bernd Richter, dem Vorsitzenden des Geithainer Heimatvereins, der diesen Film ausfindig gemacht hatte. Er war bei dessen Uraufführung letztes Jahr in Leipzig dabei gewesen und hatte auch mit Freya Klier gesprochen. Diese sei gern bereit, an Schulen zu kommen und Projekttage zum Thema zu gestalten, informierte Richter. Die Geithainer Schulen könnten künftig jeweils die Ehrung des Geithainers Eberhard von Cancrin organisieren, hatte er, wie berichtet, bereits im Vorjahr vorgeschlagen. Dass junge Leute bei der gestrigen Gedenkveranstaltung dabei waren, ist aus seiner Sicht ein Anfang auf diesem Weg.

 

 

Die Ereignisse um den 17. Juni seien schon Thema im Geschichtsunterricht gewesen, bestätigte Gymnasiastin Elisabeth Möller. Sicher sei es gut zu wissen, was damals geschah. Die DVD soll bei den Zwölftklässlern in den Unterricht einbezogen werden, kündigte Marcel Gut, Geschichtslehrer am Internationalen Wirtschaftsgymnasium an.

Von der Paul-Guenther-Schule nahmen Schüler der 9a an der Gedenkveranstaltung teil. Mit der DVD könne man den regionalgeschichtlichen Aspekt der Ereignisse abdecken und den Schülern die Gedenktafel in der Stadt erklären, sagte Hardy Loßner, Gemeinschaftskundelehrer an der Ober- und Gemeinschaftsschule. Das Thema sei in Klasse neun Bestandteil des Geschichtsunterrichtes. An der Geithainer Schule haben grundsätzlich alle Schüler bis einschließlich Klasse zehn das Fach Geschichte. "Der Schüler muss aus der Geschichte lernen und für seine Zukunft Erfahrungen sammeln, um zu entscheiden, wie er sich in entsprechenden Situationen verhält", ergänzte Schulleiter Gunter Neuhaus das Thema im Gespräch mit unserer Zeitung.

 

 

Der Arbeiter Eberhard von Cancrin war einer der mindestens 55 Todesopfer des 17. Juni in der DDR. Er wurde am 18. Juni 1953 auf der Espenhainer Kippe von der sowjetischen Geheimpolizei erschossen. Die wahren Umstände seines Todes blieben für die Familie und die Öffentlichkeit lange verborgen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.06.2014
Inge Engelhardt

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