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Jugendknast steht Kopf: Breakdance und Parkour in Regis

Gesundheitsförderung mit Gorilla-Workshop Jugendknast steht Kopf: Breakdance und Parkour in Regis

Der Alltag hinter Gittern hatte am Montag Pause in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen. 70 der aktuell 235 Insassen testeten Trendsportarten und gesunder Ernährung bei einem Workshop, den zwei Häftlinge mit einer künstlerischen Arbeit gewonnen hatten. Veranstalter Gorilla Deutschland macht sich für Gesundheitsförderung stark .

Gorilla-Workshop zur Gesundheitsförderung gastiert in der Jugendstrafvollzugsanstalt: Breakdance-Coach Navid (vorn) von den Flying Steps probten mit den Teilnehmern einen Freeze (Stellung zwei, drei Sekunden halten) zum Abschluss ihrer Tanzkombination.

Quelle: Jens Paul Taubert

Regis-Breitingen. Sport steht bei den Häftlingen hoch im Kurs. Doch statt bei Kraftübungen und Fußball schwitzten am Montag 70 Insassen der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) Regis-Breitingen bei Trendsportarten. Zwischendurch gab es Müsli, Joghurt sowie kleingeschnittene Erdbeeren und Kiwi. Junge Leute in grünen Shirts mit aufgedruckten Gorilla-Köpfen hatten das Sagen. Unter ihrer Anleitung lief der Workshop mit Sporteinheiten und gesunder Ernährung, den zwei Gefangene mit einer künstlerischen Arbeit gewonnen hatten. Die Schlüsselgewalt lag natürlich bei den Justizbeamten. Von denen einer dennoch befand: „Ausnahmezustand.“ Eben kein normaler Alltag hinter Gittern.

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Sport steht bei den Häftlingen im Jugendknast Regis-Breitingen hoch im Kurs. Doch statt bei Kraftübungen und Fußball schwitzten am Montag 70 Insassen bei Trendsportarten: Frisbee, Skateboard, Breakdance und Parkour. Anleitung gaben Akteure des gemeinnützigen Unternehmens Gorilla Deutschland.

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Frisbee, Skateboard, Breakdance und Parkour sind die Freestyle-Sportarten, mit denen die Akteure des gemeinnützigen Unternehmens Gorilla Deutschland eigentlich zur Gesundheitsförderung in Schulen an sozialen Brennpunkten und Förderschulen gehen. Tobias Kupfer, unter dem Szenenamen „Albertross“ im Jahr 2000 Sieger beim Skateboard-Street-Weltcup in Prag, hat das Konzept aus der Schweiz adaptiert. „Wir haben seit 2014 echte Profis im Einsatz, die mit pädagogischem Geschick die jungen Leute für mehr Sporttreiben und gesundes Essen begeistern.“ Spätestens seit seiner Leukämie, 2010 mit Chemotherapie und Knochenmarkstransplantation überstanden, treibt den gebürtigen Leipziger um, etwas Nachhaltiges zu erreichen. „Damit die Erde nicht den Bach runtergeht“, sagte der 41-Jährige, der mit Frau und fünf Kindern auf einem Bauernhof in Wolfratshausen südlich von München lebt.

Gorilla hatte im Vorjahr erstmals einen Wettbewerb über die Gestaltung der Themen Sport und Ernährung ausgeschrieben. Der beste Beitrag war aus Regis-Breitingen gekommen. Auf Initiative von JSA-Mitarbeiterin und Kreativpädagogin Bianca Gröger hatten Omar (20) und Jonny (19) ein Heftchen mit Fotos und kurzen, flotten Sprüchen erstellt, in dem sie „drinnen und draußen“ verglichen: Joggen in der Drei-Meter-Zelle und im Wald, Kraftsport mit dem eigenen „Körpergewicht (bei dem einen oder anderen reicht das schon aus, hihi)“ und auf der Hantelbank, ein fast leeres Kühlfach hier beziehungsweise der mit Gemüse und Obst proppevolle Kühlschrank dort.

„Hätte ich nie gedacht, dass wir gewinnen“, meinte Jonny. Der Workshop mache Spaß, sei abwechslungsreich. „Die Coaches sind lässig.“ Warum er mehr als drei Jahre in Regis sitzt, sagte der 19-Jährige nicht. Hier aber hat er den Hauptschulabschluss, das Berufsvorbereitungsjahr und den Schweißerpass geschafft. In wenigen Wochen darf er wieder durch den Wald laufen, wann er will. „Ich würde gern mit Autos arbeiten, etwa Kfz-Mechaniker. Und weiter Sport treiben, als Hobby und Ablenkung.“ Ob es Parkour ist wie am Montag, weiß er aber noch nicht.

Auch für Omar wird sich demnächst das große Tor öffnen, vorzeitig. Er war zu drei Jahren verurteilt worden, ist jetzt reichlich zwei in Haft. Was er dann machen wolle? „Ich will Steuerzahler werden“, meinte er lachend. Mit den zwei Abschlüssen von Regis – Realschule und Lehre zur Fachkraft für Lagerlogistik – könnte ihm der Absprung gelingen. Auch wenn er „etwas Bammel vor der ersten Zeit draußen“ hat. Warum er sich beim Workshop für Parkour entschied, das möglichst effektive und schnelle Überwinden von Hindernissen nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers auf dem Weg von A nach B? „Früher bin ich viel vor der Polizei abgehauen. Da dachte ich, das könnte mir liegen“, entgegnete der 20-Jährige spitzbübisch. Der Rückwärtssalto glückte dem Leipziger jedenfalls prächtig. „Aber künftig muss ich nicht mehr vor der Polizei flüchten.“ Den Workshop hält er für eine coole Sache. „Aber ein Tag ändert wenig. Vielleicht sollte das einmal pro Woche angeboten werden.“

Womit er auf der Linie von Anstaltsleiter Uwe Hinz liegt. Der sagte, er hoffe, dass mit dem ungewöhnlichen Projekt ein paar Impulse für eine Freizeitgestaltung für die Insassen gesetzt würden. Was so einfach nicht sein dürfte. Den Wert des Workshops gab Gorilla mit 10 000 Euro an, Geld von Sponsoren, Förderern und Stiftungen. Das Unternehmen war mit 24 Leuten in der JSA, davon übten 15 Trainer mit den jungen Männern. Absolute Könner ihres Fachs. Beim Breakdance trieb Navid von Deutschlands wohl bester Truppe Flying Steps die Teilnehmer immer wieder an. Moses hat mit der King Size Crew mehrfach den hiesigen World-of-Dance-Wettbewerb gewonnen. Und Ninja fährt mit Rowdy Fam demächst zur WM nach Phoenix (USA). Und Guleed Yussuf ist ein Ass auf dem Longboard. Parkour-Coach Andy, der als Trainer in Regensburg arbeitet, lobte das Engagement der Häftlinge. „Da lässt sich keiner hängen. Das war besser als an jeder Schule bisher. Die Jungs hier haben total viel Energie. Wenn wir die mit dem Sport richtig kanalisieren, wäre das doch gut.“

Von Olaf Krenz

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