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Jugendkonferenz im Kreis Leipzig: Weg zum Arbeitsleben debattiert

Jugendkonferenz im Kreis Leipzig: Weg zum Arbeitsleben debattiert

Der Übergang von der Ausbildung ins Berufsleben stand im Mittelpunkt der 5. Jugendkonferenz im Landkreis. Unter dem Motto „Gut ausgebildet – (nicht) gebraucht?“ hörten die etwa 100 Teilnehmer im Markkleeberger Lindensaal drei Referate und kamen danach untereinander ins Gespräch.

Markkleeberg/Borna. Nach einer Fülle an Informationen zog Landrat Gerhard Gey (CDU) ein Fazit: Nach wie vor gebe es in der Region zu wenige Arbeitsplätze. Und dennoch gebe es für die Jugendlichen Chancen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt, eigenes Engagement vorausgesetzt. Angesicht der anhaltenden Abwanderung stünde aber auch die Frage im Raum, „ob wir in der richtigen Richtung ausbilden“. Aktuell sind 13,4 Prozent der 19279 Arbeitslosen im Landkreis Jugendliche, zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es 13,8 Prozent. Das verdeutlichten die Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Leipziger Land, Peter Krüger, und des Muldentaler Betriebes für Grundsicherung und Arbeitsförderung (BGA), Jörg Altmann. Es war die erste gemeinsame Jugendkonferenz der zwei Hartz-IV-Behörden. Die Vielzahl junger Arbeitsloser ist indes nur die eine Seite der Medaille. Denn trotz dieses vermeintlichen Potenzials suchen Unternehmen Fachkräfte. Der Geburtenknick – von 2004 bis 2009 hat sich die Zahl der Ausbildungsplatzbewerber praktisch halbiert – vergrößert ihr Problem. „Mittlerweile denken Unternehmen um, sie legen den Fokus darauf, den eigenen Nachwuchs auszubilden“, sagte Altmann, „auch Nachwuchs mit Defiziten“. „Arbeitgeber bezeichnen sich als Reparaturwerkstatt, um auszubügeln, was in Schule und Elternhaus versäumt wurde“, fügte Krüger an. Vor allem die Eltern müssten mit ins Boot, spielte er auf die Verantwortung gegenüber den Kindern an. Denn „die Motivation, einen Beruf zu erlernen, ist wenig ausgeprägt“, nannte Krüger eine Erfahrung seiner Behörde mit Schulabgängern. Oft sei zu hören, wir hartzen lieber. „Das ist erschreckend.“ Aus Sicht der Jugendlichen wiederum schlage Motivation in Resignation um, werde Wissen entwertet, „wenn nach erfolgreicher Ausbildung der Einstieg ins Berufsleben nicht gelingt. Nach der Lehre darf es keine Leere geben“, so Krüger. Die besten Chancen, in einem Beruf Fuß zu fassen, hätten Jugendliche mit einer betrieblichen Ausbildung, ergänzte Altmann, die schlechtesten Chancen besäßen jene mit einer geförderten Ausbildung, meist Lernbeeinträchtigte oder sozial Benachteiligte. Welche Maßstäbe ein Arbeitgeber anlegt, das verdeutlichte Lothar Steinert, der Geschäftsführer des Bornaer Großhändlers Lotter Metall. „Die Chancen, in ein Arbeitsverhältnis übernommen zu werden, beginnen mit dem Vorstellungsgespräch“, sagte er. Im Vier-Monats-Rhythmus würden die Lehrlinge die Fachbereiche durchlaufen, „manchmal wird schon hier eine Weiche für die spätere Übernahme gestellt“. Frühzeitige Spezialisierung, die Bereitschaft, Sonderaufgaben zu übernehmen und Kleinigkeiten im Tagesgeschäft wie Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit seien weitere Aspekte. Regelmäßig gebe es eine Leistungseinschätzung. Steinert: „Wir haben uns bewusst nicht auf Abiturienten oder Realschüler festgelegt, uns kommt es auf die Persönlichkeit an.“ Lotter Metall habe seit der Firmengründung 1991 genau 76 junge Leute ausgebildet und davon 58 übernommen. Frei werdende Stellen würden vorrangig mit eigenen Azubis besetzt. Steinert bestätigte, dass nach dem Füllhorn der 90er Jahre nicht mehr so viele Bewerber bereit stünden und deren Qualität nachgelassen habe. Unter anderem setze die Firma deshalb auf Schulpartnerschaften, um den Nachwuchs zu sichern.

Frank Prenzel

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