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Jugendstrafvollzug: Seehaus Leipzig entsteht am Nordufer des Hainer Sees

Grundsteinlegung Jugendstrafvollzug: Seehaus Leipzig entsteht am Nordufer des Hainer Sees

Mit zahlreichen Gästen und viel politischer Prominenz ist am Donnerstag am Nordufer des Hainer Sees der Grundstein für das Seehaus, eine Einrichtung des Jugendstrafvollzugs in freien Formen, gelegt worden. Der Seehaus-Verein wird sie dort voraussichtlich ab Sommer nächsten Jahres betreiben.

Seehaus-Leiter Steffen Hofmann (r.) und Max, Insasse des Seehauses, bringen die Erinnerungstafel auf dem Grundstein an.
 

Quelle: André Neumann

Rötha.  Am Nordufer des Hainer Sees ist am Donnerstag der Grundstein für das Seehaus Leipzig gelegt worden. Unter diesem Namen wird der Seehaus-Verein hier voraussichtlich ab Sommer nächsten Jahres einen Strafvollzug in freien Formen für Jugendstrafgefangene betreiben. Den gibt es in Sachsen seit genau fünf Jahren an einem Interimsstandort in Störmthal.

Welchen Stellenwert diese Form des Jugendstrafvollzugs in Sachsen hat, zeigte die Anwesenheit von Landespolitikern und Beamten von Rang. Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) verwies auf das sächsische Jugendstrafvollzugsgesetz, welches diese Form des Strafvollzugs ausdrücklich als eine Alternative vorsehe. „Ich freue mich, dass das Seehaus jetzt einen festen Standort gefunden hat“, sagte Gemkow den Anwesenden. Unter denen war auch die Vizepräsidentin des sächsischen Landtages Andrea Dombois. Die CDU-Politikerin gehört seit 2008 zum Beirat des Jugendgefängnisses in Regis-Breitingen und hat das Seehaus-Projekt „von Anfang an begleitet und für sehr gut befunden“, wie sie bei der Grundsteinlegung sagte.

Unter den Gästen war auch der Chef der Polizeidirektion Leipzig, Polizeipräsident Bernd Merbitz. Seehaus-Vorstand Tobias Merckle begrüßte ihn mit den Worten: „Zum Glück haben wir bisher nur Ihre Beratung benötigt, nicht Ihr Eingreifen.“

 Zu den Politikern unter den Gästen gehörten auch die Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) von Neukieritzsch, und Stephan Eichhorn (parteilos) von Rötha, sowie die Landtagsabgeordneten Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) aus dem Landkreis Leipzig und der rechtspolitische Sprecher der Fraktion „Die Linke“ Klaus Bartl.

Mehrere Redner erinnerten daran, dass das Vorhaben in den vergangenen Jahren auf starken Widerstand aus der Bevölkerung gestoßen ist. Der gipfelte im vorigen Jahr in zwei Bürgerentscheiden in Neukieritzsch und Espenhain. In denen hatte sich zwar eine Mehrheit gegen das Seehaus ausgesprochen. Jedoch kam das Ergebnis aus formalen Gründen wegen der Art der Fragestellung durch die Initiatoren nicht zum Tragen, so dass die Gemeinderäte der Kommunen zu entscheiden hatten. Die sprachen sich beide für das Seehaus aus.

In Neukieritzsch, daran wurde in einer Gesprächsrunde erinnert, hätte das Thema beinahe die Bürgermeisterwahl entschieden. Thomas Hellriegel, der sich ausdrücklich für das Seehaus ausgesprochen hatte, sagte am Donnerstag, er habe die Wahl damals nur wegen der Briefwahlstimmen gewonnen, die abgegeben worden waren, bevor der letzte Flyer der Seehausgegner veröffentlicht worden war. Derzeit, sagte Hellriegel, habe sich alles beruhigt, es gebe von Gegnern des Strafvollzugs in freien Formen am Hainer See keine Wortmeldungen. Dennoch rief Hellriegel die Seehaus-Betreiber auf: „Wir und Sie müssen das Miteinander anders gestalten, wir müssen offen miteinander umgehen und Kahnsdorf, Rötha und Espenhain einbeziehen.“ Tobias Merckle sagte im Zusammenhang mit dem damaligen Widerstand von Gegnern des Seehauses: „Ohne Sie wären wir nicht so bekannt geworden, hätten nicht so oft in der Zeitung gestanden.“

Als Seehausleiter Steffen Hofmann später gemeinsam mit zwei jugendlichen Strafgefangenen die Kupferhülse für den Grundstein mit aktuellen Dokumenten füllte, legten sie auch eines der Plakate mit hinein, auf denen im vorigen Jahr gefordert wurde: Kein Knast am Hainer See. Der Grundstein selbst ist kein Mauerstein für eines der Gebäude, es handelt sich um einen Findling aus der Umgebung. Mit seinen Spuren und Narben, die auf eine wechselvolle Vergangenheit hinweisen, sagte Hofmann, soll er sinnbildlich für die Jugendlichen im Seehaus stehen.

Strafvollzug in freien Formen

Der Seehaus-Verein verfolgt mit dem Strafvollzug in freien Formen das Modell, jugendliche Straftäter mit strengen Regeln und im Verband einer Familie zu erziehen.

Um 5.45 Uhr beginnt der Tagesablauf. Bis 22 Uhr sind die Jugendlichen in ein durchgeplantes Erziehungsprogramm eingebunden. Dazu gehören Hausputz, Schule, Arbeit, Berufsvorbereitung, Sport, gemeinnützige Arbeit, Täter-Opfer-Ausgleich, soziales Training und die Vermittlung christlicher Werte und Normen.

Im September 2011 kam der erste Jugendstrafgefangene aus dem Jugendgefängnis in Regis-Breitingen ins Seehaus nach Störmthal. Während sich anfangs viele Häftlinge darum bewarben, müsse jetzt die Haftanstalt dafür werben, sagt Anstaltsleiter Uwe Hinz. Denn mittlerweile habe sich herumgesprochen, „dass das kein Zuckerschlecken ist“.

Der Seehausverein will Mitte nächsten Jahres mit zwei Wohngruppen für bis zu 14 Jugendliche am Hainer See beginnen. Laut Bebauungsplan darf die Anlage auf bis zu 21 Plätze erweitert werden.

Der Freistaat Sachsen hat vorläufig bis 2019 Mittel für den Strafvollzug in freien Formen vorgesehen. Pro Jahr wird das Projekt laut Justizministerium mit bis zu einer Million Euro finanziert.

Von André Neumann

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