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Borna Junge Strafgefangene und Betreuer wohnen jetzt am Hainer See
Region Borna Junge Strafgefangene und Betreuer wohnen jetzt am Hainer See
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10:35 02.03.2018
Mitarbeiter und Gefangene mit Helfern aus Leonberg kurz vor dem Bezug des Seehauses am Hainer See vor einem der beiden Gebäude. Quelle: Verein
Neukieritzsch/Hainer See

In den vergangenen Tagen sind vier jugendliche Strafgefangene und die ersten Mitarbeiterfamilien in das neue Seehaus am Hainer See eingezogen. Damit endet für den Seehaus-Verein, der in Sachsen den Jugendstrafvollzug in freien Formen betreibt, die Übergangszeit im Lutherstift in Störmthal und die Suche nach einer dauerhaften Bleibe.

Start übergangsweise in Störmthal

Ursprünglich hatte der Verein, der seit 2003 seine erste Einrichtung für jugendliche Strafgefangene im Leonberg (Baden-Württemberg) betreibt, schon 2008 auf ein Domizil in Glauchau gehofft. Auch eine Ansiedelung am Bockwitzer See bei Borna scheiterte auf Grund öffentlichen Widerstandes.

Übergangsweise nahm der Seehaus-Verein deswegen 2011 seine Arbeit mit Strafgefangenen aus dem Gefängnis in Regis-Breitingen in Störmthal auf. Parallel dazu bemühte man sich um den jetzigen Standort am Nordufer des Hainer Sees. Trotz massiver Proteste, die in Kahnsdorf und Espenhain unter dem Slogan „kein Knast am Hainer See“ standen und trotz zweier Bürgerentscheide konnte der Verein am Hainer See bauen. Am 22. September 2016 fand die Grundsteinlegung statt.

Hier hoffen die Verantwortlichen jetzt auf eine ähnliche Entwicklung in der öffentlichen Meinung wie in Störmthal. Dort waren Skepsis und Ablehnung im Laufe der Jahre gewichen, seien aus vielen Gegnern Befürworter geworden, schildert Franz Steinert.

'Danke dafür, dass unsere Petition gegen das Seehaus damals nicht zum Erfolg führte. Nur so konnten wir die Entwicklung...

Gepostet von René Jalaß am Sonntag, 10. September 2017

Steinert ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und zugleich Hausvater der ersten Wohngemeinschaft am Hainer See und lebt mit seiner fünfköpfigen Familie in einem der beiden neuen Häuser das Konzept des Seehaus-Vereins: Eine Betreuerfamilie und bis zu sieben Gefangene leben gemeinsam in einem streng geregelten Tagesrhythmus in einem Familienverband.

Gespräche mit weiteren Kandidaten für das Projekt

Derzeit führen die Seehaus-Verantwortlichen in der Regiser Haftanstalt Gespräche mit weiteren Kandidaten für das Projekt, welches vom Freistaat Sachsen finanziert wird. Für die künftige zweite Wohngruppe steht bereits eine zweite Familie in den Startlöchern für den Umzug an den Hainer See. Außerdem sind schon zwei von drei weiteren Mitarbeiterfamilien eingezogen. Der Bebauungsplan lässt in Zukunft auch noch eine dritte Wohngruppe an diesem Standort zu, den der Verein „Seehaus Leipzig“ nennt.

Um einen guten Kontakt zur Bevölkerung und, wie Steinert sagt, ausdrücklich auch zu den Gegnern des Seehauses, bemüht sich der Verein, indem ein lokaler Beirat ins Leben gerufen werden soll. Der hat mit ersten Interessenten vor wenigen Tagen zum ersten Mal getagt. Weitere Mitstreiter werden gesucht, die die Vereinsarbeit begleiten sollen.

Seehaus-Insassen kochen erstmals mit der Lebenshilfe in Borna: Daniel, Nico und Patrick vom Seehaus (von links) kochen gemeinsam mit Claudia, Diana und René das Abendessen. Quelle: Julia Tonne

Öffentlich soll auch der Umzug an den Hainer See gefeiert und der Standort eingeweiht werden. Dazu lädt der Seehaus Verein für den 6. Mai ein. Zugleich wird um so genannte Mit-Gründer geworben. Diesem Kreis kann man mit einer Spende ab 1000 Euro beitreten. Finanzielle Unterstützung werde laut Steinert benötigt, weil der Freistaat zwar die laufende Arbeit finanziere, nicht aber den Bau des Seehauses.

Den Neubau der beiden markanten, farbigen Häuser am Nordufer des Hainer Sees haben die strafgefangenen jungen Männer zum Teil selbst mit ausgebaut. Sie malerten, tapezierten, verlegten Boden und bauten Türen mit ein. Jetzt werden für die beiden Gebäude mit jeweils mehr als 1000 Quadratmetern Nutzfläche Namen gesucht. Auch daran will Seehaus die Öffentlichkeit beteiligen.

Derzeit ist die Rede von Haus A mit Schule, Verwaltung und Wohnungen und dem Wohnhaus B. Steinert regt an, die Häuser könnten beispielsweise nach pädagogischen Vorreitern des Seehaus-Konzeptes benannt werden oder Namen in Anlehnung an die Geschichte des Sees und der Tagebaue bekommen. Gesucht werden eingängige und alltagstaugliche Namen (Vorschläge an: fsteinert@seehaus-ev.de).

Von André Neumann

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