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Borna Justizminister Gemkow eröffnet Suchttherapiestation im Jugendknast Regis
Region Borna Justizminister Gemkow eröffnet Suchttherapiestation im Jugendknast Regis
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20:00 27.10.2017
Strafgefangener Benny, 19 und crystalabhängig, bei der Kunsttherapie. Er will nicht genau erkannt werden. Quelle: Jens Paul Taubert
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Regis-Breitingen

Benny macht einen aufgeschlossenen Eindruck. Dabei sitzt er für ein Jahr in der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) Regis-Breitingen ein. Er kann sich einer Therapie wegen Drogenabhängigkeit unterziehen. Seit vier Monaten ist er im neuen Programm dabei, das Dr. Michael Späth leitet. Am Freitag hat dafür Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) mit Anstaltsleiter Uwe Hinz eine Suchttherapiestation eingeweiht.

Justizminister Sebastian Gemkow (v. r.) im Gespräch mit den Insassen Richard und Felix – unter großem Medieninteresse bei der Eröffnung der Suchttherapiestation in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen. Quelle: Jens Paul Taubert

Klar wolle er, sagt Benny, wenn seine Haft im Februar zu Ende ist, draußen eine eigene Wohnung beziehen und eine Ausbildung beginnen. „Ohne Crystal“, so der 19-Jährige. In den ersten Tagen der Therapie habe er den Entzug körperlich gespürt, dann sei es gegangen. Es habe vor allem Gespräche gegeben, einzeln und im Gruppenraum. In den letzten zwei Wochen haben er und die anderen die neue Station mit aufgebaut, Hafträume umgestaltet, Möbel zusammengebaut. Einen festen Wochenplan gab es vorher schon, nun könne der mit mehr Möglichkeiten gefüllt werden. Benny setzt sich an eine Staffelei: „Ich male auch mal ein Bild, aber die Kunsttherapie liegt mir nicht so. Ich bin eher für Sport.“

JSA-Leiter Uwe Hinz erklärt, dass die Zahl junger Straftäter, die Erfahrungen mit Suchtmitteln haben, weiter zunimmt. Zwei Drittel sollen es schon sein, davon viele „mit der verheerenden Droge Crystal Meth“. Darauf werde im nun zehn Jahre alten Regiser Gefängnis schon länger reagiert. „Es ist ein Netzwerk ge­wachsen mit vielen externen Helfern. In der Motivationsstation wurden die Ab­hängigen betreut. Mit der Suchttherapiestation können wir noch mehr tun.“ Hinz lobt seine Mitarbeiter, die „eine solche Insel im harten Vollzugsalltag schaffen“.

Eigentlich ist Drogentherapie nicht die Aufgabe des Justizvollzugs, sagt Minister Gemkow. „Aber es gibt Fälle, in denen man mit der Therapie nicht bis nach der Haftentlassung warten sollte.“ Sachsen sei mit zwei Suchtstationen bundesweit Vorreiter. Die erste gibt es seit 2014 im Erwachsenen-Gefängnis in Zeithain. In Regis-Breitingen wird wegen des Rückgangs der Häftlingszahl (zurzeit sind 225 von 347 Plätzen belegt) die freie Kapazität genutzt, so Gemkow. Klar sei aber, das nicht jedem Gefangenen mit Suchtproblemen eine solche stationäre Therapie ermöglicht werden kann.

Dr. Michael Späth, Psychotherapeut und Leiter der Suchttherapiestation in der JSA Regis-Breitingen. Quelle: Jens Paul Taubert

Die Station bietet elf Plätze. Es wurde extra Personal eingestellt: Psychotherapeut Späth, Kunstpädagogin Stephanie Marek und Sozialpädagoge Peter Ulrich. Eine Therapie dauert acht Monate, werktäglich von 8 bis 15.30 Uhr. Die Teilnehmer werden von den anderen Häftlingen strikt getrennt, auch bei Unterbringung und Hofgang. Es kursieren schließlich in jedem Gefängnis Drogen, so Späth. Der Kontakt soll vermieden werden. Fertig sei das Konzept nicht. „Wir müssen sehen, worauf die Jungen anspringen.“ In einigen Räumen (sogar ein „Kinderzimmer“), bisher Haftzellen, nun gestaltet und mit

Kunsttherapeutin Stephanie Marek. Quelle: Jens Paul Taubert

Teppichboden, geht es um Gefühle, Ängste, Entspannung, die eigene Biografie und Abhängigkeit. Marek hat Arbeiten in klassischer Malerei, mit Pappmaché, Ton und Speckstein vorbereitet. Sogar Filmprojekte will sie anbieten.

Von Olaf Krenz

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