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Justizminister dankt Regiserin mit großem Herzen für einsame Häftlinge

Jugendstrafvollzug Justizminister dankt Regiserin mit großem Herzen für einsame Häftlinge

Gaby Kretzschmar aus Regis-Breitingen ist eine Frau mit einem großen Herzen. Jetzt dankte ihr Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) für die Betreuung junger Strafgefangener.

Gaby Kretzschmar hat ein großes Herz. Für ihre Arbeit mit jugendlichen Straftätern hat ihr jetzt der Justizminister gedankt.

Quelle: André Neumann

Regis-Breitingen. So aufgeregt war Gaby Kretzschmar selten. Eine Einladung vom Justizministerium in Dresden und dann noch eine Dankesurkunde. Dass ihr die von Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) persönlich überreicht wurde, hatte die 54-Jährige erst gar nicht realisiert.

Der Dank galt ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Jungendstrafvollzugsanstalt in Regis-Breitingen. Dort kümmert sich Gaby Kretzschmar seit 2012 um jugendliche Häftlinge, um junge Männer, die ansonsten keinen Kontakt in die Außenwelt haben, nicht zu Eltern, Verwandten oder Freunden.

Damals hatte die Regiserin in der Zeitung gelesen, dass im Jugendknast ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht werden. Sie selbst arbeitete sich damals gerade aus eine tiefen Lebenskrise heraus. Nach der Scheidung von ihrem Mann hatte die aus Zeitz stammende Frau ein heftiges Alkoholproblem. Sie durchlitt das volle Programm, um vom Fusel wegzukommen, und lebt seither als trockene Alkoholikerin, leitet in Borna sogar eine Selbsthilfegruppe. Ihr großes Herz hat sich Gaby Kretzschmar über alle Schicksalsschläge hinweg erhalten.

Damit gelingt es ihr seit mehreren Jahren, jungen Männern den Haftalltag an einem oder zwei Tagen in der Woche zu erleichtern. Reden, zuhören, miteinander scherzen für höchstens zwei Stunden. Mehr ist es nicht. Und doch kann das im Leben eines jungen Mannes hinter Gittern, „der niemanden hat“, sehr viel sein, hat die alleinstehende Mutter eines erwachsenes Sohnes erlebt.

Kretzschmar betreut immer einen Klienten für dessen gesamte Haftzeit. Die Sozialarbeiterin stellt ihr den jungen Mann bei der ersten Begegnung vor. Wenn beide einverstanden sind, sehen sie sich fortan regelmäßig im Besucherraum des Gefängnisses. Manche, berichtet die 54-Jährige, brauchen länger, ehe sie sich in einem Gespräch öffnen. Es sei vorgekommen, dass ein junger Mann sich zu ihr setzte, dann aber kein Wort sagte. In solchen Fällen half eine Tasse Kaffee aus der Cafeteria im Besucherraum; den kaufe sie von ihrer Aufwandsentschädigung.

„Das sind Menschen, mit denen keiner mehr etwas zu tun haben will. Aber die brauchen doch auch jemanden“, sagt die Frau und fügt hinzu: „Es geht um Menschlichkeit.“ Fünf, sechs junge Männer habe sie schon betreut. Der erste war A., 24 Jahre alt, hatte für Diebstahl und Drogensachen anderthalb Jahre bekommen, erinnert sich Gaby Kretzschmar, die als Sekretärin im Kulturpark Deutzen arbeitet. Kurz vor seiner Entlassung muss A. dann wohl etwas genommen haben, deswegen fand das letzte Gespräch mit einer Trennscheibe zwischen Klient und Betreuerin statt. Trotzdem holte sie ihn am letzten Tag am Gefängnis ab. Sie fuhr mit ihm in die Stadt, die er sich – ohne genau zu wissen, wohin er sollte – als Wohnort ausgesucht hatte, begleitete ihn aufs Meldeamt und besorgte ihm für die erste Nacht eine Pension. Später hörte sie noch einmal von ihm, er berichtete von einer Freundin mit zwei Kindern und, dass es ihm gut geht.

Es gibt auch andere Fälle. Einer, erzählt sie, habe sich gar nicht mehr von ihr verabschiedet und sich auch hinterher nie wieder gemeldet. „Da hatte ich kein gutes Gefühl“, zumal der junge Mann schon vorher davon gesprochen haben soll, dass er nach der Entlassung wieder kiffen und trinken wolle.

Doch Gaby Kretzschmar will bei den Begegnungen mit den Häftlingen keinen belehren. „Jeder ist für sich selbst verantwortlich“, ist sie überzeugt, „muss seinen Weg finden.“ Sie reiche dafür die Hand, gebe Hilfestellung, mische sich aber nicht ein. Dafür spricht sie gelegentlich auch über ihre eigene Vergangenheit, erzählt, dass sie mit drei Promille Alkohol Auto gefahren ist, dass sie darauf keinesfalls stolz ist, und auch, dass es nicht nur Willen, sondern auch viel, viel Kraft braucht, um dem Sumpf zu entkommen. Wenn sie dann spürt, wie die jungen Männer ihr zuhören, darüber nachdenken und Fragen stellen, dann hat sie mit ihrem großen Herzen schon viel erreicht. „Das“, sagt sie, „macht mich dann auch stolz.“

Um so mehr natürlich die Anerkennung, die ihr nun zuteil wurde. Wozu auch gehört, dass Gefängnisleiter Uwe Hinz, mit dem sie zuvor noch nie persönlich zu tun hatte, ihretwegen mit ins Justizministerium fuhr. „Die ehrenamtlichen Mitarbeiter zeigen bei ihrer Arbeit ein großes Engagement und sind für die Gefangenen für die Zeit des Vollzuges und manchmal sogar die Zeit danach eine nicht wegzudenkende Unterstützung“, würdigt Hinz das Wirken der derzeit 37 Ehrenamtlichen. Gaby Kretzschmar gehört zu den elf, die sich ganz regelmäßig einbringen.

Von André Neumann

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