Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Kabarettistischer Neujahrswunsch: Wagt mehr Anarchie
Region Borna Kabarettistischer Neujahrswunsch: Wagt mehr Anarchie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 04.01.2017
Kabarettist Jens Neutag klärt die Bornaer am Silvesterabend über das Deutschland-Syndrom auf. Quelle: André Neumann
Anzeige
Borna

Schnäppchen ist die Steigerungsform von schnapp, danach kommt: übergeschnappt. Und was hat nun die zügellose Schnäppchenjägerei der Deutschen mit Hallenbadkultur, mit bürokratischer Überregulierung und mit Sicherheitswahn zu tun. Es sind allesamt Symptome des Deutschland-Syndroms.

Mit dieser Erkenntnis sorgte der Kabarettist Jens Neutag im ausverkauften Stadtkulturhaus dafür, dass reichlich 200 Bornaer gut gelaunt und mit Spuren von Lachtränen im Gesicht in die Silvesternacht starteten.

Munter plaudernd wechselte er zwischen Politik und Alltag hin und her und hatte sogar einen Einstieg parat, der den Auftritt in Borna wirklich zum Silvesterprogramm machte. „Wer möchte 2016 nochmal erleben“, fragte Neutag, worauf sich erwartungsgemäß niemand meldete und er folgerte: „Fort mit diesem Jahr“. Schließlich hatte 2016 schon mit der Neujahrsnacht in Köln einen katastrophalen Start. Später erlitt Deutschland mit dem „Manga-Püppchen“ eine Pleite beim ESC (Eurovision Song Contest) und mit Panamapapers und Flüchtlingspolitik wurde es nicht besser.

Womit der 44-Jährige, der seit 1994 auf der Bühne steht und seit 2002 fast ausschließlich solistisch unterwegs ist, sich selbst das Stichwort gab und erst einmal trefflich über Horst Seehofer herfallen konnte. Die Gags über den Bayern kamen ganz gut an. Nur wenige Lacher fand dagegen ein geistreicher Seitenhieb gegen die AfD, und auch Helene Fischer wollte sich die an diesem Abend versammelten Zuhörer offenbar nicht madig machen lassen.

Der Rest war für die meisten zum Brüllen: Die Abrechnung eines vom Raucherhusten geschüttelten Alt-Sozis mit der nach Willy Brandt weichgespülten SPD. Die Jagd nach einem um drei Cent billigeren Sprit, für den der Deutsche bis zur Krankenhausreife hektisch durch die Gegend fährt. Die Regelungswut der Deutschen, die beim Bau anfängt und mit Gesetzestexten über das Ende einer Dienstreise beim Tod des reisenden Angestellten noch lange nicht aufhört. Und natürlich die Kanzlerin, die nichts macht und nichts sagt und die wir trotzdem immer wieder wählen. Was Neutag auf die berühmte Raute schiebt, die für ihn so etwas wie ein hypnotisierendes Ritual ist. Wir Deutschen können nicht anders, sagt der Westfale und gibt seinem Bornaer Publikum trotzdem einen Rat mit ins neue Jahr: Wagt mehr Anarchie, lernt mal wieder, gegen Regeln zu verstoßen.

Von André Neumann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Bauarbeiten am Haltepunkt im Böhlener Stadtteil Großdeuben laufen bereits auf Hochtouren. Nach wie vor setzt sich Anwohner Gerald Rattunde dafür ein, dass der Bahnhof gleich barrierefrei umgebaut wird. Da eine Unterschriftenliste keinen Erfolg brachte, hat sich Rattunde nun an den Petitionsausschuss des Landtags gewandt.

01.01.2017

Seit mehreren Jahren unterstützen sogenannte Grüne Damen die Schwestern auf den Stationen der Sana Klinik in Borna. Margitta Penke aus Colditz ist eine von ihnen. Sie hilft Patienten vor allem mit Zeit, hört zu und unterhält sich. Wer aber denkt, es dreht sich alles nur um Krankheiten, der irrt. Nicht selten wird in den Zimmern gelacht.

31.12.2016

Seit einem halben Jahr mehren sich in Groitzsch die Gerüchte um einen prominenten Neuzugang: Marc Terenzi, Sänger, Schauspieler, Model, Stripper und Ex-Mann von Soulsängerin Sarah Connor. Der Liebe wegen soll es den 38-Jährigen hin und wieder an die Schnauder verschlagen. Eine Spurensuche (Montage: LVZ).

31.12.2016
Anzeige