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Kaninchen von Seuche bedroht: Im Kreis Leipzig besteht keine Meldepflicht

Tierseuche Kaninchen von Seuche bedroht: Im Kreis Leipzig besteht keine Meldepflicht

1984 in China entdeckt, breitete sich die Kaninchenseuche bis heute in 40 Ländern über alle Kontinente aus. Tier-Forscher stellten nun einen deutlichen Anstieg erkrankter Tiere gegenüber dem Vorjahr fest. Schon bald könnte ein neuer Impfstoff zugelassen werden. Die Züchter im Landkreis Leipzig sind sensibilisiert – Fälle der nicht meldungspflichtigen Krankheit sind hier aber nicht bekannt.

Immer mehr Kaninchen erkranken in Sachsen an der neuen Variante der Chinaseuche.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Eine neue Variante der Chinaseuche bedroht zunehmend Kaninchen in Sachsen und im gesamten Bundesgebiet. Sie sorge für eine Reduzierung der Zuchtbestände, warnen Tierforscher des Friedrich-Löffler-Instituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems (FLI). Das aggressive Rabbit Haermorrhagic Disease Virus in der zweiten Variante (RHDV-2) hätte sich aus Frankreich kommend seit 2015 in Deutschland ausgebreitet. „Bis Anfang August wurden am FLI für 2016 allein fünf Fälle in Sachsen diagnostiziert“, 275 bundesweit, sagte Elke Reinking, Biologin am Institut. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr. 2015 wurden bundesweit 148 Fälle gemeldet, davon zwei in Sachsen.

Neue Variante des RHD-Virus bedroht auch Jungtiere

Erkrankte Tiere haben Krämpfe, Lähmungen, einen blutigen Nasenausfluss, sind kurzatmig, wirken teilnahmslos, fressen nicht. Während das ursprüngliche Virus bei Erkrankung spätestens nach drei Tagen Inkubationszeit zu hohem Fieber führt, nach weiteren zwölf bis 36 Stunden oft zum Tod, unterscheidet sich die neue Variante durch eine schnellere Erkrankung, einen längeren Verlauf und eine erhöhte Empfänglichkeit bei Jungtieren. Übertragen wird die Seuche über direkten Kontakt mit einem infiziertem Tier, dessen Urin und Kot, verunreinigtes Wasser, Futter, Kleidung, Schuhe, Hände, Käfige oder durch Insekten. Neuerdings können daran auch Hasen erkranken. Eine Ansteckungsgefahr für andere Tiere oder Menschen besteht nicht.

Tierseuche ist nicht anzeige- oder meldepflichtig

Die tatsächliche Zahl der Krankheitsfälle könnte deutlich höher liegen, als vom FLI belegt, „denn Fall bedeutet hier nicht einzelnes Tier, sondern betroffene Haltung“, sagte Reinking. Mehrere Tiere einer Zucht könnten betroffen sein. Zudem ist die Krankheit in Deutschland nicht meldepflichtig und erfolgt die Einsendung von Proben tödlich erkrankter Tiere freiwillig. „RHD gehört weder zu den melde-, noch anzeigepflichtigen Tierseuchen, so dass es keine repräsentativen Zahlen dazu gibt“, sagte Norman Ständer vom Veterinäramt des Landkreises Leipzig. Der Grund: schärfere gesetzliche Bestimmungen – eine Impfpflicht oder die Einstufung als Seuche – wurden bislang nicht auf den Weg gebracht, da sie weder eine volkswirtschaftliche Bedeutung habe, noch eine Gefahr für den Menschen darstelle, so der Experte.

Auch galt RHD wegen vorhandener Impfpräparate bislang als kontrollierbar, so Reinking. 2016 sind dem Sachgebietsleiter Tierseuchenbekämpfung für den Landkreis keine Fälle gemeldet worden, „was jedoch nicht heißt, dass es keine gab.“ Der vom FLI festgestellte Anstieg könne aber auch damit zusammenhängen, dass dieses Jahr möglicherweise mehr freiwillige Proben eingeschickt wurden. Generell sei aber weiterhin „wie jedes Jahr auch immer noch die herkömmliche Variante der RHD verbreitet“, sagte Doreen Kalusok vom Landesverband Sächsischer Rassekaninchenzüchter.

Borna-Geithainer Züchter: Impfung ist hoher Kostenfaktor

„Die Seuche ist Thema bei uns im Verein. Man hört jeden Tag davon, dass immer wieder Tiere andern Ortes betroffen sind“, sagte René Kinne, Mitglied des Kreisvorstands der Rassekaninchenzüchter Borna-Geithain. Bislang sind die Züchter seines Kreisverbands von der Krankheit verschont geblieben. „Aber wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass das Virus an uns spurlos vorüberziehen wird.“ Das Problem: zwar gebe es für RHDV-1 einen Impfstoff in Deutschland, nicht jedoch für RHDV-2. Ein bereits in Frankreich erhältliches Impfpräparat sei hierzulande nicht zugelassen, könne aus dem Ausland zwar bezogen werden – allerdings nur mit einer zuvor beantragten Ausnahmeregelung. „Das Impfen ist zudem gerade bei vielen Kaninchen ein erheblicher Kostenfaktor. Der Tierarzt kostet, ebenso soll zwei- bis dreimal geimpft werden“, sagte Kinne. Viele Halter würden das Geld dafür nicht in die Hand nehmen. Auch sei eine Kontrolle schwierig, da Impfungen nur bei der Teilnahme an Zuchtschauen nachgewiesen werden müssten.

Ministerium rät zu verstärkter Desinfektion

Für den Landesverband Sachsen gelte diese Regelung des Impfnachweises bei solchen Veranstaltungen, bestätigte eine Sprecherin. „Gebe es eine Impfpflicht, würden viele Züchter das Handtuch werfen“, so Kinne. Seinen Züchtern rät er derzeit davon ab, mit ihren Kaninchen zu befreundeten Züchtern zu gehen, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Das Sächsische Staatsministerium für Verbraucherschutz empfiehlt die Desinfektion von Händen, Kleidung und Käfigen sowie Quarantänestationen einzurichten. Daneben raten FLI, Landratsamt sowie Rassekaninchenzüchtervereine Züchtern zur zweimaligen Immunisierung mit den herkömmlichen Impfstoffen. „Die Infektion selbst wird dadurch nicht verhindert. Sie schützt aber überwiegend vor schweren klinischen Verläufen“, sagte Ständer. Bereits Ende Oktober könnte laut FLI ein neuer Impfstoff gegen RHDV-2 EU-weit zugelassen werden.

Von Oliver Tim Becker

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