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"Karat ist mein Lebensinhalt"

"Karat ist mein Lebensinhalt"

Die Fans freuen sich riesig auf ein Wiedersehen mit ihren Idolen: Die Ostrock-Legende Karat wird am Freitag im Pegauer Volkshaus gastieren. Unsere Zeitung unterhielt sich im Vorfeld mit Sänger Claudius Dreilich, der auch in anderen Branchen hätte Fuß fassen können .

Pegau. ..

Frage: Herr Dreilich, musste es ausgerechnet die Musik sein? Gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe herrscht immer größerer Fachkräftemangel. Goldige Aussichten also für einen gelernten Hotelfachkaufmann wie Sie es sind.

Claudius Dreilich: Als ich 1987 mit meiner Mutter aus der DDR auswanderte, wusste ich nicht, was ich beruflich machen sollte. Ich war gerade mit der Schule fertig und hatte keine Lust auf ein Studium. In Saarbrücken, wo die Schwester meiner Mutter wohnte, bot sich nun mal die Gastronomie an, ohne dass ich mir darüber wirklich groß Gedanken gemacht hätte. Allerdings ist man schon als kleiner Karat vom Musikfieber derart infiziert, dass mein Weg schon vorgezeichnet war, ohne dass ich dies beeinflussen wollte oder konnte.

Und trotzdem hat's gleich noch für eine zusätzliche Lehre als Koch gereicht?

Warum denn nicht. Das hat Spaß gemacht. Was nicht so witzig ist, sind die Kilos, auf die ich nunmehr umso besser aufpassen muss.

Sie haben Probleme mit den Kilos?

Allerdings, aber dafür gibt es ja Fitness-Studios und meinen Hund Bruno, mit dem ich fast täglich Runden drehe. Ich habe nun mal von meinem Vater Veranlagungen vererbt bekommen, die nicht wegdiskutiert werden können.

Die da wären?

Ich muss wirklich aufpassen, dass ich buchstäblich in Form bleibe.

Viele hätten da jetzt eher an Aussehen und Stimme gedacht.

Ehrlich?!

Was gab den Ausschlag dafür, dass Sie in der Band die Nachfolge Ihres verstorbenen Vaters antraten?

Gleich schon mal vorneweg: Das Geld war's nicht. Ich fühlte mich dem Wunsch der Band verpflichtet, ohne jedoch gleich zuzusagen.

Waren Sie vom Angebot überrascht?

Vollkommen. Daraufhin erbat ich mir auch genügend Bedenkzeit. Ich tingelte also fünf Monate lang durch die Welt und traf Freunde. Leider konnte mir niemand so richtig einen Rat geben. Schließlich traf ich in Berlin unseren Drummer Michael Schwandt. Der sagte mir, dass es die Band-Mitglieder verstehen würden, wenn ich "Nein" sage. Doch wenn ich den Job nicht machen würde, käme ein anderer, der Schwanenkönig singt. Daraufhin wollte ich es wenigstens probieren.

Kam das Angebot für Sie tatsächlich so ganz aus der Kalten?

Anders kann man es nicht beschreiben.

Warum gab's überhaupt die Idee, Sie zum Nachfolger Ihres Vaters zu wählen?

Ich stand ab und an mit meinem Vater auf der Bühne - ohne mich zu blamieren. Man wusste also, dass es funktionieren könnte. Aber als Frontmann zu agieren, ist dann doch noch mal was anderes. Nachdem ich schließlich "Ja" sagte, haben wir wie die Irren ein halbes Jahr lang geprobt. Mein erstes Konzert war unvergleichlich. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie die Fans mich in die große Karat-Gemeinde aufnahmen.

Welche Rolle spielt die Musik in Ihrem Leben?

Musik war für mich schon immer wichtig. Einerseits spielte ich als Kind schon Klavier und Geige, habe mir Gitarre selbst beigebracht. Andererseits habe ich nebenbei schon Texte geschrieben - nur so für mich. Karat war zudem schon immer mein Lebensinhalt. Da kommt man als Sohn von Herbert Dreilich gar nicht dran vorbei.

Welche Musik gönnen Sie sich im Privaten?

Pink Floyd finde ich super, ebenso die Musik von John Lennon. Im Auto laufen derzeit viele Demos von Karat, weil die Vorbereitungen fürs neue Album laufen, das im kommenden April pünktlich zum 40-jährigen Bühnenjubiläum erscheint. Da muss man ein Gefühl dafür entwickeln, was auf der Bühne gehen könnte und was nicht.

Was liegt denn da noch so im Handschuhfach an Silberlingen herum?

Momentan Hubert von Goisern. Megageil, kann ich da nur sagen. Ich stehe voll auf Humpa-Polka-Rock und find's schade, dass es beispielsweise LaBrassBanda mit "Nackert" im vergangenen Jahr im deutschen Vorentscheid zum Grand Prix nicht schafften.

Was ist Ihr Lieblingsalbum von Karat?

Mit Abstand der "Der blaue Planet". Es ist das Album, was mich und mit mir wahrscheinlich eine ganze Generation am meisten prägte. Es hatte nicht mal den Hauch banaler Texte - ein Anspruch, den Karat im Deutschsprachigen in meinen Augen fast einzigartig machte.

Interview: Christian Wendt

 

 

Karten für das Konzert - Beginn 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr - unter www.volkshaus-pegau.de oder in der Bibliothek. Tickets im Vorverkauf 35 Euro, an der Abendkasse 40 Euro. Es gibt auch Sitzplätze.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2014
Christian Wendt

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