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Karnevalumzug mit plötzlichen Nachwehen

Karnevalumzug mit plötzlichen Nachwehen

Fast zwei Wochen nach dem 50. Pegauer Karnevalsumzug bekommt das Großereignis plötzlich leichte Nachwehen. So übt der Pegauer Rentner Anton Bauer öffentlich Kritik hinsichtlich der Absperrungen im Zentrum, dem Vorgehen des Sicherheitspersonals sowie der Rolle der Stadtverwaltung.

Pegau. Pikant: Er war zum Zeitpunkt des Umzugs gar nicht in der Stadt. PKK-Präsident Heiko Günther verweist auf gültige Genehmigungen aus dem Landratsamt sowie eine reibungslose Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst und dem städtischen Ordnungsamt.

 

 

Gegenüber unserer Zeitung spricht Anton Bauer von "willkürlicher Totalsperrung" und Nötigung, die Stadt sei "schlichtweg geschlossen" und Bürgerrechte "mit Füßen getreten" worden. Seinen Worten zufolge, haben die Ordner "Fußgänger massiv daran gehindert, ihres Weges zu gehen, sich auf öffentlichen Straßen und Wegen aufzuhalten und frei zu bewegen. Selbst Platzverbote wurden ausgesprochen und teilweise maßten sie sich an, Ausweise kontrollieren zu wollen." Seine Schwiegertochter habe das so erlebt.

Als Spielverderber, Störenfried oder gar Karnevalsfeind will sich Anton Bauer nicht verstanden wissen. "Ich bin durchaus Karnevalist", sagt der 70-Jährige und verweist auf seine Mainzer Wurzeln. Auch habe er Verständnis für das Brauchtum in der sächsischen Kleinstadt. "Aber nicht dafür, dass Personen der Zutritt in die Innenstadt verwehrt wird, nur weil sie von A nach B wollen, und dass die Stadt die komplette öffentliche Ordnung und Sicherheit an einen Verein überträgt." Heute sei es der Karnevalverein, morgen die Oldtimerfreunde, demnächst der Schützenverein oder die Blablös. "Eine Stadt ist doch nicht zu verpachten", polemisiert der Pegauer weiter. Nach einer entsprechenden Anfrage an das Ordnungsamt und einer für ihn unbefriedigenden Antwort drohte er dem Amtsleiter sogar mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde.

PKK-Präsident Heiko Günther kann die Anschuldigungen des Pegauers nicht nachvollziehen. Unserer Zeitung legt er eine Genehmigung aus dem Landratsamt vor, wonach der Verein alle Straßen der Umzugsstrecke für den Zeitraum der Veranstaltung sperren dürfe. Ordner, Warnposten und weiteres Sicherheitspersonal, insgesamt waren 30 Personen im Einsatz, haben für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen und müssen die Straßensperrungen durchsetzen. "Die Stadt stellt uns für diesen Tag die Wege zur Verfügung", so Heiko Günther weiter. "Und das Landratsamt erteilt uns die Genehmigung zur Sperrung und nicht der Stadt."

Hinsichtlich der Eintrittsgelder vertritt der Karnevalist ebenfalls eine klare Meinung. "Wir haben absolut nichts zu verbergen, können mit jedem offen darüber reden." Der Jubiläumsumzug schlug mit weit über 10 000 Euro zu Buche, unter anderem für Gema- und andere Gebühren, Kapellen, Versicherungen und die Reinigung als größten Posten. "Wenn wir pro Erwachsenen drei Euro verlangen, ist das nicht zu viel. Man muss auch sehen, mit wie vielen Pfannkuchen und Kamellen die Zuschauer wieder nach Hause gehen."

Mit dem Sicherheitsdienst Leipziger Löwen als auch mit dem städtischen Ordnungsamt pflegt der Karnevalsklub seit Jahren eine gute Zusammenarbeit, betont der Präsident. "Am Morgen des 1. März wurden die Sicherheitsleute extra von mir, unserem Umzugsminister Udo Lippold und Volker Klemm eingewiesen." Von Handgreiflichkeiten oder Nötigungen der Security gegenüber Passanten ist ihnen nichts bekannt, auch die Leipziger Löwen verneinen derartige Vorkommnisse. Ferner hätten keine willkürlichen Ausweiskontrollen stattgefunden, wie es Anton Bauer aus zweiter Hand weiß, da er zum Zeitpunkt des Umzugs nicht in der Stadt weilte. Heiko Günther: "Wer an der Umzugsstrecke wohnt und mit dem Auto durchwollte, weil er gerade vom Einkaufen oder von der Arbeit kam, hat dem Ordner kurz seinen Ausweis gezeigt - und fertig."

Der Pegauer Bürgermeister Peter Bringer steht voll und ganz hinter dem Karnevalsklub, spricht ihm jede Kompetenz bei der Organisation und Durchführung des Umzugs zu. "Wir sind froh, so einen aktiven Verein in der Stadt zu haben, der die Kinder und Jugendlichen beschäftigt." Das kostet alles viel Geld, und daher seien die Eintrittsgelder aus seiner Sicht völlig gerechtfertigt.

Eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Ordnungsamtsleiter sei nicht im Rathaus eingegangen, so das Stadtoberhaupt weiter zu unserer Zeitung.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.03.2014
Haase

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