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Borna Katharina-Luther-Haus in Lippendorf erinnert auch an Heuersdorfer Taborkirche
Region Borna Katharina-Luther-Haus in Lippendorf erinnert auch an Heuersdorfer Taborkirche
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00:22 28.10.2017
Pfarrer a.D Thomas Krieger vor dem sanierten Kirchgemeindehaus in Lippendorf mit den drei Glocken der früheren Lippendorfer Kirche. Das „Katharina-Luther-Haus“ wird am Sonntag eingeweiht. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Lippendorf

Thomas Krieger trägt in diesen Tagen ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Der Lobstädter Pfarrer a.D. vollendet sein letztes großes Werk im Dienst seiner Gemeinde, die er über 30 Jahre betreute: Am Sonntag wird das sanierte Pfarrhaus in Lippendorf mit einem Gottesdienst eingeweiht. Krieger, der Anfang des Jahres in den Ruhestand gegangen war, hatte die Bauleitung übernommen. „Es war mir eine Herzensangelegenheit, und ich wollte das für die Lippendorfer noch tun“, sagt der Pfarrer.

Doch es sind nicht nur die Lippendorfer, die ihr dörfliches Kleinod zurückerhalten. Das war nach der Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg das letzte verbliebene religiöse Zentrum im Ort. Seitdem stand das Gebäude weitgehend leer. Zwar wurde vor Jahren das Dach saniert, der Rest aber war ziemlich heruntergekommen. Einmal im Jahr fand noch ein Gottesdienst statt. Krieger erinnert sich noch an den letzten Gottesdienst, den er vor einem Jahr hier hielt.

Zugleich wird das sanierte Kirchgemeindehaus eine Erinnerungsstätte für ehemalige Heuersdorfer sein. Auch die dortige Gemeinde betreute Thomas Krieger als Seelsorger bis zur Devastierung des Ortes vor knapp zehn Jahren. Und während sich der Umzug der Emmauskirche nach Borna gerade zum zehnten Mal jährte, zieht der Geist der im Juni 2010 abgerissenen Taborkirche in Lippendorf ein. Ganz besonders in Gestalt der drei farbigen Bleiglasfenster des einstigen Altarraumes, die Krieger in den Andachtsraum des Gemeindehauses einbauen lies. Mit dem auferstandenen Christus in der Mitte. Dafür wurden ein Blindfester aufgebrochen und eine Tür teilweise zugemauert.

Das mittlere der drei Fenster aus dem Altarraum der ehemaligen Heuersdorfer Taborkirche. Quelle: André Neumann

Es wird noch mehr an Heuersdorf und die Taborkirche erinnern. Über der Tür zur Heimatstube, die künftig auch der Heimatverein nutzen wird, ließ Krieger ein Stuckornament anbringen, welches einst das Portal der Taborkirche zierte. Zudem werden unter anderem ein historisches Gesangbuch, einige andere Bücher und die Turmbekrönung der abgerissenen Kirche ausgestellt. Dafür stellt das Museum Borna zwei Vitrinen zur Verfügung und trennt sich von Leihgaben.

Der Einweihungstermin wurde nicht zufällig auf den Sonntag zwei Tage vor dem Reformationstag gelegt. Gehört doch der Ort mit zur Geschichte der großen kirchlichen Umwälzung vor 500 Jahren. Hier wurde nach vorherrschender Meinung Katharina von Bora, die spätere Frau Martin Luthers, geboren. Später kehrte sie, wenn auch selten, in die Gegend zurück, denn im benachbarten Zöllsdorf kaufte Luther seiner Frau ein gut als Witwensitz, von dessen Einnahmen sie leben sollte.

Eine Gedenktafel, die daran erinnert, bekommt wieder ihren Platz im Gemeindehaus. Dessen Flur wird außerdem zum ständigen Domizil der Ausstellung „Das weibliche Gesicht der Reformation“, die bisher in der Katharina-von-Bora-Kirche in Neukieritzsch zu sehen war.

Als „Katharina-Luther-Haus“ wird das Pfarrhaus aber nicht nur Erinnerungsstätte sein, es bekommt auch zentrale Bedeutung im Kirchenbezirk Leipziger Land. Hier werden nicht nur die Kirchenbücher der Gemeinde Lobstädt-Neukieritzsch aufbewahrt (und allein das sind schon sehr viele), hier wird auch das Archiv für Material aus den bisherigen Supturen Wurzen und Grimma eingerichtet. Außerdem sollen auch wieder regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden, was allerdings nicht mehr in der Hand von Thomas Krieger liegt, sondern von Borna aus organisiert werden müsse, wie er sagt.

Um das Programm für den Einweihungsgottesdienst hat sich der ehemalige Lobstädter Pfarrer freilich noch gekümmert. Drin wird der ehrenamtliche Kantor Dirk Zelle den Orgelprospekt spielen, der im Andachtsraum einen neuen Platz bekommt. Draußen werden die im freien Gestühl hängenden drei Glocken aus der ehemaligen Lippendorfer Kirche erklingen – wie eh und je von Hand geläutet.

Von André Neumann

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