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Borna Kein Geld, keine Lobby
Region Borna Kein Geld, keine Lobby
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16:06 16.09.2010
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. 2011 soll die Förderung auf spärliche 12 000 Euro schrumpfen und 2012 schließlich ganz wegfallen. Besonders hart trifft diese Sensenpolitik das Frauenforum Südraum Leipzig in Pegau und den Wurzener Zuversicht-Verein.

Seit neun Jahren organisiert das Frauenforum Südraum Leipzig jeden Herbst eine Informationsmesse für Frauen aus der Region. Unternehmen, Vereine, Behörden und Institutionen klären dort über verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung im familiären und beruflichen Bereich auf. „Und zwar die Frauen, die nicht immer für jede Information oder jeden Antrag nach Leipzig fahren können", erklärt Frauenforum-Chefin Diana Lieder das Anliegen. Darüber hinaus schließen sich Workshops und Seminare an, um die Frauen zum Aktivwerden zu motivieren. „Im Schnitt erreichen wir um die 300 Interessenten. Wenn es möglich ist, lockern wir die Veranstaltung durch eine kleine Modenschau oder musikalische Beiträge auf", so Lieder weiter. Die Einnahmen aus dem Kaffee- und Kuchenverkauf kommen dem Frauenhaus Borna zu Gute. „Mit dieser Einrichtung fühlen wir uns sehr verbunden und unterstützen sie, wo wir nur können. Es wäre schade, wenn wir dieses Engagement im nächsten Jahr einstellen müssen."

Während am 31. Oktober, im Rathaussaal Pegau, die neunte Frauenmesse über die Bühne geht, wird es eine zehnte Auflage vermutlich nicht geben. Der Entwurf zum sächsischen Doppelhaushalt 2010/2011 sieht jetzt vor, die finanzielle Unterstützung für Gleichstellungsprojekte im kommenden Jahr um 93 Prozent zu kürzen und 2012 völlig einzustellen. Für die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Köpping ein Ding der Unmöglichkeit: „So unterstützt der Freistaat Sachsen also ehrenamtliches Engagement für Frauen im ländlichen Raum – er schafft es ab." 800 bis 900 Euro stellte der Freistaat Sachsen jährlich für die Messe zur Verfügung.

Akut gefährdet sind neben dem Frauenforum Südraum Leipzig auch der Zuversicht-Verein aus Wurzen sowie die Vereine MonaliesA und Frauenkultur in Leipzig. Die Aufzählung ließe sich laut Ines Weigelt, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Leipzig, beliebig fortsetzen. Von der Landkarte verschwinden dann Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen gegen häusliche Gewalt, Girls- und Boys-Days zur geschlechtersensiblen Berufsorientierung, Veranstaltungen zum Welttag des Mannes oder zum Internationalen Frauentag, Unterstützungsangebote für Alleinstehende oder die Gleichstellungswochen zu verschiedenen Themen. Auch kleinere Projekte bei Fraueneinrichtungen wie das Frühstückstreffen für Frauen, das FrauenTechnikZentrum Leipzig oder der Wegweiser-Verein in Markkleeberg bekämen die Kürzungen deutlich zu spüren.

Ines Weigelt und Petra Köpping kritisieren den harten Sparkurs der sächsischen Regierung mit Nachdruck. „Der Region Leipzig gehen 82 000 Euro für die Gleichstellungsarbeit verloren. Im Gegensatz dazu verfügt die Regierung über große Ausgabenreste", so die SPD-Frau gegenüber unserer Zeitung. „Allein die frei verfügbaren Landesmittel belaufen sich auf 700 Millionen Euro."

Doch Ines Weigelt macht sich wenig Hoffnung: „Wer heutzutage am lautesten schreit, wird vielleicht noch gehört. Aber es gibt schon genügend andere, die ganz laut schreien." Hinsichtlich der jahrelang aufgebauten Gleichstellungsarbeit blickt sie jetzt in eine düstere Zukunft: „Wie das bei einem Netzwerk so ist: Wenn ein Steinchen davon ins Rollen kommt, bricht bald der ganze Berg zusammen."

Eine alternative Finanzierung für die Pegauer Frauenmesse sieht Diana Lieder indes nicht. „Für private Sponsoren sind wir zu uninteressant. Wir haben auch keine großen Firmen im Hintergrund und keine Lobby. Die Stadt hebt sowieso schon die Hände." Als deutliches Zeichen für den harten Sparkurs wird es dieses Jahr erstmals keine Workshops und Seminare im Anschluss an die Informationsmesse mehr geben. Diese findet am 31. Oktober im Rathaussaal Pegau statt und steht unter der Frage: „Dürfen Frauen auf der faulen Haut liegen?"

Kathrin Haase

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