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Kein Interesse an Olympiade-Tripp

Kein Interesse an Olympiade-Tripp

Falls jemand aus der Borna-Geithainer Region die Athleten in London hautnah erlebt, dann hat er zumindest nicht den Weg über ein örtliches Reisebüro gesucht. Ein Rundruf in mehreren Reisebüros zwischen Böhlen und Geithain brachte jedenfalls zutage, dass kein einziger Tripp zu den Olympischen Spielen in der britischen Metropole verkauft wurde.

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Borna/Geithain. „Es gibt Angebote, aber wir hatten keine Anfrage", gibt Anja Möckel zu Protokoll. Die Leiterin des Reiselandes im Bornaer Kaufland macht dafür drei Gründe aus. „Die Olympischen Spiele fallen in die Sommerzeit, da fahren die Leute mit der Familie lieber in den Urlaub." Wer sich für die Wettkämpfe interessiert, sitze wohl lieber vorm Fernseher, vermutet sie des Weiteren. Immerhin fahren die TV-Sender groß auf: Allein ARD und ZDF lassen ihre Zuschauer täglich 15 Stunden an den Spielen teilhaben. Schließlich, so Möckel, sei das auch eine Kostenfrage. „Das ist wie bei einer Messe, alles ist teurer." Das bestätigt Martina Sakel von Tinas Reisebüro und untermauert es mit Zahlen aus dem Dertour-Sportkatalog, „der wie ein Telefonbuch daher kommt". Wer sich zum Beispiel für eine Busreise von Köln aus mit zwei London-Übernachtungen plus Frühstück entscheidet, ist mit 600 Euro dabei. Die Eintrittskarten für einen Wettkampf, die mit geordert werden können, liegen laut Sakel zwischen 80 und 200 Euro. Auch die Eröffnungsfeier konnte gebucht werden: Kategorie C 240 Euro, Kategorie B 1287 Euro und Kategorie A satte 2034 Euro – pro Person, versteht sich. „Das ist zu teuer", sagt Sakel, die Reisebüros in Borna, Groitzsch und Zeitz betreibt und dort „keinerlei Nachfrage" hatte. Nicht einmal von Freaks, wie sie sagt. Hinzu komme, dass bei Dertour keine einzige Olympia-Busreise von Ostdeutschland aus starte. Sportveranstaltungen würden übrigens generell recht mager nachgefragt, sagt Sakel, egal ob Fußball oder Formel 1. Fehlanzeige auch in der Geithainer Reiseagentur von Johannes Kratz: An Olympia-Reisen in die britische Hauptstadt besteht kein Interesse. „Ich denke, viele wollen nicht ins Olympia-Chaos geraten", vermutet Agentur-Inhaber Johannes Kratz. „London und die Olympischen Spiele spielten für Reise-Interessenten, die uns aufsuchten, keine Rolle. Wir hatten da keinerlei Anfragen oder Buchungsaufträge", sagt auch Brigitte Brzoska vom Frohburger Reisebüro. Dagegen sei ansonsten die Reiselust der Leute ungebrochen, blieben Kreuzfahrten weiterhin der Renner. „Aber die Olympiade schauen sich die Leute hierzulande wohl lieber am Fernseher an", kann sich die Reisebüro-Chefin vorstellen. Null Interesse ebenso beim Reisebüro Borna. Inhaberin Eva-Maria Gerhardt bestätigt, wie schon Martina Sakel, dass Sportereignisse ganz selten nachgefragt werden. „England und London sind beliebte Reiseziele, gerade für junge Leute", weiß Inhaberin Gabriele Richter von Gute Laune Reisen in Rötha. Zum Beispiel würden Großeltern ihren Enkeln gern eine gemeinsame London-Reise zur Jugendweihe schenken. Da komme die Metropole an der Themse noch vor Rom. „Aber in Verbindung mit den Olympischen Spielen hatten wir null Anfragen. Dabei liegt London praktisch um die Ecke", sagt sie und verrät, dass bei ihr zumindest Autorennen, etwa in Monaco und auf dem Nürburgring, nachgefragt würden. Bei Petra’s Reisetip in Neukieritzsch haben immerhin ein halbes Dutzend Leute während der Zeit der Spiele London-Flug und Übernachtungen gebucht. „Ob die aber eine Sportveranstaltung besuchen, weiß ich nicht", erläutert Inhaberin Petra Borschke. „Sie wollten nicht zu den Olympischen Spielen, aber nach London, wenn die Olympischen Spiele sind." Das klingt nach Abenteuer. Und auch Borschke weiß um die anziehenden Preise. Die meisten hier „haben es ja nicht so dick", der Aufwand für einen London-Tripp käme einem Sommerurlaub gleich. „Das überlegen sich die Leute", zumal bei dem üppigen TV-Angebot. Und dann gibt es ja noch das Internet. Gut möglich, dass Sportfans günstige Angebote im Online-Dschungel suchten und fanden – und vielleicht auch gebucht haben.

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