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Kein Nulltarif mehr: Neukieritzscher Sportler müssen zahlen – anderswo längst üblich

Unterstützung der Vereine Kein Nulltarif mehr: Neukieritzscher Sportler müssen zahlen – anderswo längst üblich

In Neukieritzsch gibt es Ärger zwischen Kommune und Sportverein. 51 000 Euro sollen die Sportler pro Jahr für die Sportstättennutzung, etwa die Halle „Parkarena“, zahlen, vorher war alles kostenlos. Auch in Machern brodelte es bis vor wenigen Tagen. Unterstützung von Vereinen ist für viele Kommunen ein wichtiges, aber teils schwieriges Thema.

Hochkarätige Veranstaltungen wie die Sachsenmeisterschaften im Tischtennis finden im Sportpark Tresenwald statt, doch die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Sportverein ist schwierig.

Quelle: Andreas Röse

Landkreis Leipzig. Neukieritzsch gehörte bisher zu den reichsten Kommunen im Landkreis. Grund war die hohe Gewerbesteuer-Einnahme zum Beispiel durch das Kraftwerk Lippendorf und den Dow-Chemiebetrieb auf Neukieritzscher Flur. Doch nach langer Zeit ohne Geldnöte hat die Gemeinde nun akute Schwierigkeiten, muss Steuern in Millionenhöhe zurückzahlen und wird wohl künftig auch weniger einnehmen. Das merken die Vereine, die bisher paradiesische Verhältnisse genossen.

Sie durften alle kommunalen Einrichtungen kostenlos nutzen. Egal ob Sportplatz, Vereinsraum oder moderne Sporthalle „Parkarena“ – die Vereine zahlten weder Miete noch Betriebskosten. Das ist jetzt vorbei, ab diesem Jahr müssen sie ein Viertel der Betriebskosten übernehmen. Plötzlich und hart trifft das die Sportfreunde Neukieritzsch, ein erfolgreicher Verein mit 945 Mitgliedern. 51 000 Euro pro Jahr müssen die Sportler nun an die Gemeinde zahlen – und sind derzeit mächtig unter Druck. Es gibt Austrittsdrohungen, der Vereinsfrieden sei in Gefahr, heißt es. Der Vorstand grübelt, wie er so schnell die Kosten umlegen soll.

Allerdings: In den meisten Kommunen ist es völlig normal, dass sich Vereine an den Kosten beteiligen. Vielerorts ist man froh, wenn die Stadt den Ehrenamtlichen überhaupt hier und da unter die Arme greift. Vereinsförderung ist ein schwieriges Thema – denn es ist eine freiwillige Aufgabe. Für Schule, Kindergarten und Winterdienst müssen die Städte und Gemeinde zahlen, das steht im Gesetz, es sind Pflichtaufgaben. Geld für Vereine dürfen sie geben.

„Sport ist so wichtig, in jeder Rede wird es betont – aber wenn das Geld knapp wird, trifft es oft die Vereine“ – Andrea Heinze, Geschäftsführerin des Kreissportbundes

Einen guten Überblick, wie das im Landkreis funktioniert, hat Andrea Heinze, Geschäftsführerin des Kreissportbundes. Mit 336 Vereinen und mehr als 40 000 Mitgliedern gilt er als größte gemeinnützige Bürgerorganisation der Region. „Sport ist so wichtig! Jeder stellt das fest, in jeder Rede wird es betont – aber wenn das Geld in den Kommunen knapp wird, schaut man zuerst, wo man bei den freiwilligen Aufgaben sparen kann, und da trifft es oft die Vereine. Das ist sehr schlecht“, sagt sie. Die Kommunen müssten eine Menge schultern, gute Sportplätze und Hallen kosten viel. „Und es wird immer komplizierter, die Städte und Gemeinden bekommen immer mehr Aufgaben aufgebürdet“, so Heinze.

Die Vereine seien bereit, über Mitgliedsbeiträge ihren Anteil zu zahlen, „die Frage ist aber die Höhe“. Aktuell in Neukieritzsch sei das für den örtlichen Sportverein plötzlich eine Menge Geld. Wenn deshalb Mitglieder den Verein verlassen, sei das mehr als ärgerlich. Ihrer Meinung nach ist es wesentlich, die Probleme in einem vernünftigen Miteinander zu lösen. Generell komme es immer darauf an, „wie die Stadt zum Sport steht. Es gibt Kommunen, wo das sehr gut funktioniert, und andere, wo es nicht ganz so gut läuft“, formuliert die KSB-Geschäftsführerin diplomatisch.

Probleme gibt es in Machern. „Es ist in unserer Gemeinde nicht so, dass der Sport ganz oben steht“, sagt Gabriele Möhring, Präsidentin des SV Tresenwald mit 806 Sportlern. Seit Jahren fordere der Verein, dass Machern wie andere Kommunen eine klare Sportförderrichtlinie und auch eine Sportstättennutzungsordnung erarbeitet. Schon eine ganze Weile gibt es zum Beispiel Knatsch wegen des großen und teueren Sportparks, wo die Reparaturen immer dringender werden. Doch die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung läuft offenbar nicht ganz rund. Die Sportler würden nicht mal Einsicht in die Kostenpläne ihrer Sportstätten erhalten. Der SV Tresenwald zahlt einen bestimmten Pauschalbetrag dafür.

Aktueller Ärger: Die Macherner Bürgermeisterin Doreen Lieder (parteilos) hatte ohne Vorwarnung die Nutzungsvereinbarung mit dem Verein per 30. Juni 2017 gekündigt. Als Grund wurde angegeben, dass die Gemeinde jetzt die geforderten Richtlinie und Nutzungsordnung erarbeiten will und deshalb alles neu vergeben werden muss. Der Verein hing danach erst mal in der Luft. Erst vor wenigen Tagen gab die Bürgermeisterin dem öffentlichen Druck nach und zog die Kündigung zurück. Vereinschefin Möhring setzt trotz vieler Querelen auf eine Zusammenarbeit, um den Sportverein voranzubringen: „Wir sind nach wie vor an einem guten Miteinander interessiert, bemühen uns um das Gespräch und wollen auch unser Scherflein dazu beitragen, aber mit unseren Forderungen nicht zurückgehen.“

Die Schwierigkeiten in Machern sind nicht typisch für den Landkreis. Viele Kommunen haben klare Regelungen und auch Vergünstigungen für Kinder und Jugendliche, zum Beispiel die Kreisstadt Borna. „Unsere Sportvereine nutzen die kommunalen Sportobjekte für Trainingseinheiten im Nachwuchsbereich grundsätzlich kostenfrei“, sagt Stadt-Sprecher Hans-Robert Scheibe. Auch für Veranstaltungen können Vereine eine kostenlose Nutzung beantragen – dabei wird jeder Einzelfall geprüft: „Häufig werden auch hier die Anträge bewilligt“. Finanziell unterstütze Borna soziale Vereine mit 7000 Euro und Sportvereine mit 8000 Euro pro Jahr. Auch dies läuft per Antrag und wird vom Sozialausschuss des Stadtrates entschieden.

„Wir unterstützten das, soweit wir können, auch mit Hilfe von Fördermitteln – weil die Vereinsarbeit so wichtig ist“ – Maik Kunze, Groitzscher Bürgermeister (CDU)

In Grimma, mit knapp 30 000 Einwohnern die größte Stadt des Landkreises, können Kinder und Jugendliche ebenfalls Sportstätten kostenlos nutzen. Jeder fünfte Grimmaer ist im Sportverein aktiv, die Hälfte davon ist unter 18 Jahre. Bundesliga-Kader und große Traditionsvereine bieten über 60 verschiedene Sportarten für alle Altersklassen an. Schon zweimal erhielt die Stadt den Titel „Sportfreundliche Kommune“.

Außer dem Sport gibt es eine vielfältige und bunte Vereinslandschaft. „Es sind mehr als 270 Vereine, Klubs und Organisationen, die in Grimma das Gemeinwohl mitgestalten“, so Jana Kutscher, Amtsleiterin für Schulen, Soziales und Kultur. „Insbesondere im kulturellen, sportlichen und sozialen Bereich, aber auch auf dem Gebiet der Landschaftspflege und des Brauchtums haben sich die sehr aktiven und engagiert arbeitenden Vereine das Ansehen der Stadt erworben.“ Jährlich rund 10 000 Euro für die Vereinsförderung kommt aus dem „Erbe der Johanna Schmidt“. Die Grimmaer Lehrerin lebte von 1911 bis 1994 und bestimmte ihre Heimatstadt als Alleinerbin. Der Nachlass setzte sich aus einer Eigentumswohnung, Bargeld und einer größeren Menge Schmuck zusammen.

Aber auch kleinere Städte wie Groitzsch helfen ihren Vereinen nach Kräften. Mehr als 30 Gemeinschaften werden pro Jahr unterstützt mit Summen zwischen 250 Euro und mehreren tausend Euro, sagt Bürgermeister Maik Kunze (CDU). Doch diese Zahlen seien nicht alles. Nicht ohne Stolz berichtet er, dass die Sportstätten – nach dem Hochwasser 2013 flossen viele Fördermittel – wieder in einem Top-Zustand sind. Wichtig sei die Kommunikation. Einmal im Jahr lädt die Stadt alle Vereinsvorsitzenden ein. Dann wird besprochen, was ansteht, wo Geld und Hilfe benötigt werden, Baumaßnahmen nötig sind. „Wir unterstützen das, soweit wir können, auch mit Hilfe von Fördermitteln – weil die Vereinsarbeit so wichtig ist“, meint der Stadtchef.

Von Claudia Carell

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