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Kein Schnellschuss

Kein Schnellschuss

Die Bürger bekommen es im nächsten Amtsblatt schriftlich: Die geplante Eingliederung von Rötha nach Böhlen kann nicht zum 1. Januar 2013 erfolgen. Beide Kommunen brauchen mehr Zeit, um an einem Leitbild für eine neue Einheitsgemeinde zu arbeiten, informierte Röthas Bürgermeister Ditmar Haym (parteilos) in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend.

Rötha/Böhlen.   Die gut besuchte Einwohnerversammlung im Vormonat im Volkshaus hatte es gezeigt: Das Thema schürt Zukunftsängste, die nicht mit einem Schnellschuss abzubauen sind. Außerdem gibt es ein paar Dinge, die im Vorfeld einer Eingemeindung geklärt werden müssen. Diesen Auftrag der Bürger habe er aus der Versammlung mitgenommen, sagt Haym, der sich in dieser brisanten Angelegenheit einiges anhören muss. Der Mölbiser verkaufe Rötha, werfen ihm seine Kritiker vor. Ein Vorwurf, den er nicht gelten lässt. Er werde sich bei der Erarbeitung des Leitbildes für die avisierte Einheitsgemeinde für den Doppelnamen Böhlen-Rötha einsetzen, erklärte er gestern auf Anfrage der LVZ. Ein Punkt, der dem Vernehmen nach den meisten Röthaern wichtig ist. Sie identifizieren sich mit ihrer Stadt, die eine fast 1000-jährige Geschichte vorweisen kann. Neben dem Namen sollte auch über die Investitionen der nächsten Jahre gesprochen werden, sagt Haym. In der Kürze der Zeit, die bis zum Jahresende bleiben würde, seien die offenen Fragen nicht alle zu klären. Auch von der Böhlener Seite sei das Zeit-Argument gekommen. Schließlich ging es bei den bisherigen Gesprächen für die Eingliederung auch um das leidige Geld. Rötha hat wie berichtet finanzielle Schwierigkeiten. Die Schulden belaufen sich auf rund 3,3 Millionen Euro, die sich aus der nicht gezahlten Kreisumlage und weiteren offenen Verbindlichkeiten summieren. Diese Schuldenlast führte in Böhlen verständlicherweise zur Diskussionen und war laut Bürgermeisterin Maria Gangloff (Die Linke) „die einzige Problematik, die wir haben". In der Einwohnerversammlung hatte sie deutlich gemacht, dass es nicht ohne Einschnitte für beide Orte gehen werde und die Schuldenlast im Falle der Eingliederung dann gemeinsam zu tragen sei. Vorerst bleibt alles wie es ist. Das Thema Eingliederung werde aber weiter bearbeitet. „Wir werden uns mit Böhlen in Verbindung setzen, um die weitere Verfahrensweise zu klären", so Haym gestern. Wichtige Beschlüsse in der Stadtratssitzung waren vorgestern nicht möglich. Das Parlament war nicht beschlussfähig, weil mehrere Stadträte unentschuldigt fehlten. Das habe es in seiner Amtszeit noch nicht gegeben, bedauerte Haym. Der Haushaltsplan 2012, der beschlossen werden sollte, steht nun auf der Tagesordnung einer für den 6. September einberufenen Eilsitzung des Stadtrats. Ebenso weitere Themen, die vorgestern hätten behandelt werden sollen.

Saskia Grätz

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