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Kein Zug nach nirgendwo: Kükelhans feiern zehn Jahre Wohnen im Ex-Bahnhofsgebäude

Im Groitzscher Ortsteil Großstolpen Kein Zug nach nirgendwo: Kükelhans feiern zehn Jahre Wohnen im Ex-Bahnhofsgebäude

Vor zehn Jahren erhielt das ehemalige Bahnhofsgebäude am Haltepunkt Großstolpen eine neue Bestimmung. Nach 238 Tagen Umbau zog die Familie von Mike Kükelhan hier ein. Jetzt feiert sie das noch einmal mit Angehörigen, Freunden und vielen Bauhelfern von damals.

Birgit, Jessica und Mike Kükelhan (v.l.) wohnen heute im Bahnhof von Großstolpen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Groitzsch/Grossstolpen. Demnächst liegt das Großstolpener Heim der Familie von Mike Kükelhan wieder an einer Verkehrsstrecke. Der neue Radweg von Groitzsch nach Pödelwitz wird nur wenige Meter am Haus vorbeiführen. In den letzten Jahren war es dort ruhig. Früher allerdings waren Züge auf dieser Trasse gefahren: Kükelhans sind im ehemaligen Bahnhofsgebäude des Groitzscher Ortsteils zu Hause. Heute feiern sie eine Zehn-Jahres-Party nach dem Umbau und dem Einzug im Juli 2007. Zwei Wohnungen gibt es: Mike, Ehefrau Birgit und Tochter Jessica leben in der einen, seine Mutter Ingrid Kükelhan in der anderen.

„Zur Feier haben wir natürlich unsere Angehörigen und den aktuellen Freundeskreis, aber auch die Bauhelfer von damals eingeladen“, sagt Fleischermeister Kükelhan. „Rund 20 Leute hatten uns, neben den Firmen, unterstützt. Ohne sie hätten wir das nie so geschafft. Immerhin sind wir nach 238 Tagen Umbauzeit eingezogen.“ Passend zum „Bahnhof“, der ja nur ein Haltepunkt war, wollen sich die Gastgeber mit Speis und Trank an die DDR-Zeiten der Mitropa (Bewirtungsfirma der Bahn) anlehnen. „Bockwurst und Soljanka waren die Renner, manchmal gab es auch nichts. Wir wissen noch nicht genau, wofür wir uns entscheiden“, schmunzelt der fast 45-Jährige, der einst von hier mit dem Zug zur Schule nach Groitzsch gefahren war.

Den Traum vom Eigenheimbau in seinem Geburtsort Großstolpen hatte die Familie aufgeben müssen, weil das erhoffte Neubaugebiet nicht zustande kam. Der Tipp eines Bekannten lenkte 2001 das Interesse aufs Bahnhofsgebäude, das seit Stilllegung der Strecke 1999 ohne bisherige Funktion, wenn auch noch im Obergeschoss bewohnt war. Trotzdem verfiel es nach und nach, was die Familie aus ihrer Wohnung in der Nähe sehen konnte. Nach langem Hin und Her konnte sie dann im November 2006 den Kaufvertrag beim Notar unterzeichnen. Gleich darauf begannen die Umbauarbeiten.

Das Bahnhofsgebäude am früheren Haltepunkt Großstolpen im Herbst 2006

Das Bahnhofsgebäude am früheren Haltepunkt Großstolpen im Herbst 2006.

Quelle: privat
Das Bahnhofsgebäude am früheren Haltepunkt Großstolpen im Herbst 2006

Das Bahnhofsgebäude am früheren Haltepunkt Großstolpen im Herbst 2006.

Quelle: privat

Das Hauptmauerwerk war stabil. Dennoch war das 1958 errichtete Haus heruntergewirtschaftet. Drinnen musste viel entkernt und abgerissen werden. „Da waren wohl im Boden schon lange Rohre kaputt“, sagt Birgit Kükelhan-Käßer. Vor allem in den Schalter- und Personalräumen, heute Wohnzimmer, musste reichlich ausgeschachtet werden: „Es sah aus, als graben wir für einen Pool.“ Fenster und Türen wurden versetzt und ebenso erneuert wie Elektrik, Sanitär und, und, und. Wichtig war ein behindertegerechter Ausbau, Jessica (jetzt 29) sitzt im Rollstuhl. „Unsere Eltern waren ganz stark engagiert und viele, viele Freunde ebenfalls“, ist die 47-jährige Mutter dankbar. Sie hat die Umbauphase und die weitere Entwicklung, die Einzugs- und andere Feiern, einschließlich der Hochzeit 2010, mit massenhaft Fotos auf einer Internetseite verewigt.

Von der früheren Ausstattung hat so manches Stück „überlebt“. Eine Bahnhofsdeckenlampe wurde aufgear­beitet und ziert wie neu das Gästezimmer. Eine Schranke hängt im Carport. Viele alte Dokumente werden aufbewahrt. Und vor kaum zwei Monaten hatte die Familie Besucher, die als Kinder hier aufgewachsen waren. „Sie überreichten uns einen Mietvertrag und Bilder von 1958“, sagt Birgit. Die Mutter der Gäste war bereits 2011 dagewesen: „Die 90-Jährige hat sich die Wohnung, ihren früheren Arbeitsplatz, mit großer Freude angesehen.“

Nach dem Hausumbau wurden die Terrasse überdacht, ein großer Carport, ein Teich und ein Whirlpool geschaffen. Immer waren die Eltern Erika und Werner Käßner, die selbst ein großes Gehöft und Landwirtschaft haben sowie Dieter und Ingrid Kükelhan, aber auch Freunde aktiv. Natürlich wird auch regelmäßig gefeiert, reihum, sagt Birgit, die beruflich einen Verkaufswaqen vom Fleischereibetrieb Landhan, wo auch ihr Mann arbeitet, durch die Region lenkt.

Dass es künftig am Radweg Groitzsch–Pödelwitz auf Höhe des ehemaligen Haltepunktes Großstolpen einen Mitropa-Imbiss gibt, sei allerdings nur ein Gerücht, stellt das Ehepaar lachend klar.

www.bahnhof-grossstolpen.de

Von Olaf Krenz

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