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Borna Keine Probleme mit Asylbewerbern bei der Leipziger Tafel in Borna
Region Borna Keine Probleme mit Asylbewerbern bei der Leipziger Tafel in Borna
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00:30 03.03.2018
Tafel-Chef Werner Wehmer und Mitarbeiterin Monika Kraft in der Lebensmittelausgabe in Borna. Quelle: Nikos Natsidis
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Landkreis Leipzig

Altenburger Straße in Borna am Dienstag gegen 9.30 Uhr: Vor einem Hauseingang stehen frierende Gestalten mit Beuteln. Sie gehören zur Kundschaft der Leipziger Tafel, die immer am Dienstagvormittag Lebensmittel an Bedürftige verteilt, die von Supermärkten, aber auch von anderen Firmen gespendet werden. Dass es vor der Lebensmittelausgabe ein großes Durcheinander oder gar Gedrängel gibt, lässt sich nicht behaupten. Das bestätigt auch Werner Wehmer, der Geschäftsführer der Leipziger Tafel. Probleme, wie es sie bei der Essener Tafel gibt, „haben wir nicht“. Die Verantwortlichen hatten in der vorigen Woche die Lebensmittelausgabe speziell an Asylbewerber ausgesetzt, weil deren Anteil drei Viertel der Tafel-Kunden ausmachten und viele von ihnen die deutschen Lebensmittelempfänger durch ihr teilweise aggressives Auftreten abschreckten.

+++ EIL+++ Nach Krisensitzung bei der Essener Tafel: Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel bleibt vorerst bestehen. Nun soll ein Runder Tisch einberufen werden.

Gepostet von WAZ Essen am Dienstag, 27. Februar 2018

Ein Drittel der Bornaer Tafel-Kunden sind Migranten

Dabei sei es keineswegs so, dass es nicht auch bei der Leipziger Tafel, die neben ihren drei Ausgabestellen in der Großstadt sowie in Borna auch Lebensmittel in Markranstädt, Markkleeberg und Schkeuditz verteilt, bisweilen unangenehme Szenen gibt. Für die sorgen allerdings eher nicht Asylbewerber, wie Wehmer sagt. Deren Anteil unter der Kundschaft in Borna, vor Wochenfrist 98 Erwachsene und 67 Kinder, liegt bei einem Drittel.

Während die Leipziger Tafel den Tisch für Bedürftige in Borna bereits seit mehr als zwölf Jahren deckt, gibt es die Tafel Muldental in Grimma am Prophetenberg erst seit kurzem. Sie versorgt in der Nachfolge der Arbeiterwohlfahrt Collm/Muldental dreimal in der Woche Bedürftige. Hier hat sich die Lage entspannt, seit die Kundschaft mitbekommen hat, dass es für jeden genug gibt, auch wenn er nicht zu den ersten in der Ausgabestelle gehört, sagt Christian Kamprad, seines Zeichens Geschäftsführer des Bildungs- und Sozialwerkes Muldental, das zu den Einrichtungen gehört, die hinter der Muldentaler Tafel stehen.

Wer sich nicht benimmt, bekommt Hausverbot

Bei der Leipziger Tafel kommt es bisweilen vor, „dass unsere Mitarbeiter als faule Schweine beschimpft werden“, so Tafel-Chef Wehmer. Von einheimischen Tafel-Kunden. Dafür gebe es nur eine Konsequenz – und zwar ohne Rücksicht auf die Herkunft des Motzers. Wer sich derart aufführt, darf die Lebensmittelausgabe nicht mehr betreten. Das bedeutet allerdings nicht, dass er auf diese Weise nicht doch an Lebensmittel aus den Tafelspenden herankommt. Wehmer: „Er kann sie sich mitbringen lassen.“ Einschränkungen an Tafel-Stellen für Migranten sind in Sachsen bislang nicht bekannt.

Voraussetzung, um sich bei der Tafel einmal in der Wochen gegen einen Obolus von zwei Euro für Erwachsene und einem Euro für Kinder abholen zu dürfen, ist ein Hartz-IV-Bescheid oder der Nachweis, Wohngeld zu beziehen. Insgesamt 15 000 Personen sind auf diese Weise Kunden der Leipziger Tafel. Und sie kommen regelmäßig, wenn auch mit gewissen Schwankungen, wie Monika Kraft, ehrenamtliche Helferin bei der Essensausgabe in Borna, sagt. „Wenn es gerade Geld gegeben hat, haben wir etwas weniger Kunden.“ Weil die dann erst einmal selbst einkaufen. Ein Akt, der weit über den Erwerb von Lebensmitteln hinausgeht. Tafel-Frau Kraft: „Das ist für viele auch eine Frage der Würde.“

Tafek respektiert Sonderwünsche von Ausländern

Die Lebensmittelspenden stammen von Supermärkten, wie Geschäftsführer Wehmer sagt, darunter auch von Märkten aus Borna. Zu den Spendern gehört auch Porsche. Das Unternehmen stellt Geld zum Erwerb von Lebensmitteln zur Verfügung. Auch Amazon gehört zu den Spendern. Deshalb können an diesem Dienstagmorgen auch Flaschen mit Ketchup eines namhaften amerikanischen Herstellers ausgegeben werden.

Die Tafel respektiert auch Sonderwünsche, wie sie tatsächlich von Asylbewerbern kommen. Die essen in der Regel bekanntlich aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch. „Sie bekommen dann vegetarische Lebensmittel“. Falafel vegetarisch zum Beispiel, sagt Bärbel Kettner. Sie arbeitet seit elf Jahren bei der Tafel. Wobei sie mitbekommen hat, dass längst nicht jeder Asylbewerber auch streng wie ein Moslem lebt und speist. „Manche sagen dann, dass sie konvertiert sind“ – und greifen auch zu einer ordentlichen Wurstpackung.

Von Nikos Natsidis

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