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Borna Kirchen-Studie in Kohren-Sahlis vorgestellt: Debatte über Tradition und Versöhnung
Region Borna Kirchen-Studie in Kohren-Sahlis vorgestellt: Debatte über Tradition und Versöhnung
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16:44 16.02.2018
Quelle: Andreas Dšring
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Landkreis Leipzig

Die Kirche auf dem Land befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Eine These, „das Binsenweisheit und reformatorische Grundeinsicht zugleich ist“, formulierte es am Donnerstag Dirk Mütze. Der Studienleiter der Evangelischen Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis stellte in seinem Haus eine ethnografische Studie vor, die beispielhaft an drei Dörfern der Kirchenbezirke Leipziger Land und Leisnig-Oschatz hinterfragt, wie Kirche heute gesehen wird. Nicht von Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern, sondern von den Einwohnern, Christen und Nicht-Christen.

Über Monate führte Juliane Stückrad, promovierte Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin aus Jena, dafür intensive Gespräche – in Orten, in denen nur ein Drittel oder weniger Menschen eingetragene Mitglieder einer Kirchgemeinde sind. Sie stieß auf viele Menschen, „die sind randvoll, haben einen ungeheueren Gesprächsbedarf“. Allerdings zählten die meisten zur Generation 50 plus. Kirche, so Stückrads Fazit, habe noch immer ein großes Potenzial als Begegnungsfeld für unterschiedlichste Menschen. Es brauche aber dringend „Visionen, damit man nicht das Gefühl hat, man verwaltet den Mangel, führt nur Rückzugsgefechte.“

Einen „ehrlichen Einblick in die Realitäten im ländlichen Raum“ nannte Arnold Liebers, mehrere Jahre Pfarrer in Bad Lausick und jetzt Superintendent in Leisnig, die Studie. „Ich würde die Logiken, die sie beschreiben, unterstreichen“, bestätigte Joachim Wilzki von der Ehrenamtsakademie der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen. Allerdings rieb er sich an Stückrads Begriff Vision: Nach seiner Erfahrung verlaufe die Geschichte auf dem Land in Zyklen. Wilzki nannte als Aufgabe von Kirche „eine stellvertretende Versöhnung“, die weit über das Religiöse hinausreichen würde bis in das soziale Miteinander dörflicher Gemeinschaften.

„Es gibt eine Sehnsucht nach Tradition. Aber: Was interessiert die Jüngeren? Das bewegt mich. Wir können viele Antworten gar nicht mehr geben, ich merke das an meinen eigenen Kindern“, sagte Harald Bieling, Geschäftsführer der Diakonie Leipziger Land. Manja Erler, Referentin im Landeskirchenamt, stellte dagegen fest, dass es einen Generationsbruch gebe: „Es wäre gut, könnten Kirche und Dorf gemeinsam neue Routinen, neue Traditionen entwickeln.“ Markus Schuffenhauer, Vikar in Liebschützberg und damit in unmittelbarer Nachbarschaft der drei Studien-Dörfer, verwies auf eine höchst ambivalente Thesen-Diskussion zum Reformationsfest: Die Aussagen, dass Kirche für alle da sei, habe ebenso wenig Beifall gefunden wie jene, dass eine Kirchgemeinde untergehe, die nur auf ihren eigenen Kirchturm sehe.

Die Studie „Verantwortung, Tradition, Entfremdung“ ist gegen Erstattung der Versandkosten über die Evangelische Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis zu beziehen. Telefonnummer 034344/61861, E-Mail: info@hvhs-kohren-sahlis.de

Von Ekkehard Schulreich

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