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Kirchenvertreter laufen Sturm gegen Krematorium im Industriegebiet Espenhain

Stadtrat Rötha entscheidet Kirchenvertreter laufen Sturm gegen Krematorium im Industriegebiet Espenhain

Darf im Gewerbegebiet Espenhain ein Krematorium gebaut werden? Dem Stadtrat Rötha steht Donnerstagabend eine schwierige Entscheidung bevor. Die Rechtslage ist uneinheitlich, die moralischen Bedenken sind groß. Vor allem Kirchenvertreter laufen Sturm.

Der Internet-Bestatter Segenius will im Industrie- und Gewerbegebiet Espenhain ein Krematorium bauen. Teile der Baugrube nahe der alten Schaltwarte sind bereits ausgehoben.

Quelle: André Neumann

Rötha. Vor der Abstimmung Donnerstagabend im Stadtrat Rötha zum Bau eines Krematoriums im Industrie- und Gewerbepark Espenhain mehren sich die Stimmen, die das Vorhaben ablehnen. Vor allem Kirchenvertreter laufen Sturm gegen die Vorstellung, menschliche Leichen könnten in der Nähe einer Schrottpresse eingeäschert werden. Dagegen lässt das Landratsamt, welches den Bauantrag abschließend beurteilen muss, auf Anfrage schon vorab wissen, dass es das Vorhaben für genehmigungsfähig hält.

Das Internet-Bestattungsunternehmen Segenius mit Sitz in Leipzig möchte in Espenhain ein Krematorium errichten. Der Bauantrag ist Donnerstagabend Thema im Stadtrat von Rötha. Die Verwaltung wird voraussichtlich empfehlen, das Einvernehmen der Stadt zum Bauvorhaben nicht zu erteilen. Das letzte Wort hat das Landratsamt. Dessen Sprecherin Brigitte Laux teilte der LVZ auf Anfrage mit: „Bauplanungsrechtlich ist die Errichtung eines Krematoriums erlaubt, aktuell wird noch die Einhaltung der Emissionen geprüft.“

Diese nüchterne Betrachtung löst vor allem bei Kirchenvertretern heftigen Widerspruch aus. Pfarrer Stephan Vorwergk von der Kirchgemeinde Mölbis, zu der auch Espenhain gehört, stellt die Frage, ob die kreisliche Baubehörde das „Handbuch des Friedhofs- und Bestattungsrechts“ kenne. Für Vorwergk ist das Verbrennen eines Toten Teil des Vorganges der Beerdigung. „Das ist eine Sache, die in meinen Augen nicht neben eine Schrottpresse gehört“. Auch das Verbrennen eines Verstorbenen, fordert der Pfarrer, „sollte in Würde geschehen“. Dazu wäre es eine gute Lösung, ein Krematorium an oder neben einem Friedhof zu bauen.

Eine Ansicht, die der Lobstädter Pfarrer Thomas Krieger teilt. Ein Krematorium im Gewerbegebiet würde auch er nicht „für würdig genug“ befinden. „Damit würde der Tod zu einem Industrieprodukt, das sollte er nicht sein“, sagt Krieger.

Neben diesen emotionalen und kulturellen Sichten hat sich Kirchenjurist Thomas Schlichting, Oberkirchenrat im für die hiesigen Gemeinden zuständigen Regionalkirchenamt Leipzig, auch rechtlich mit der Situation befasst. Ein Krematorium im Industrie- und Gewerbegebiet, stellt er fest, „ist spätestens seit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 2. Februar 2012 definitiv unzulässig“. Baurechtlich gelte ein Krematorium als Anlage für kulturelle Zwecke. Diese seien in Gewerbegebieten nur ausnahmsweise zulässig, ein Grund für eine Ausnahme sei „hier nicht ersichtlich“.

Auf das von Schlichting zitierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes (Aktenzeichen BVerwG 4 C 14.10) berufen sich allerdings genauso das Bestattungsunternehmen Segenius selbst sowie das Landratsamt. In dem Urteil ging es um die Baugenehmigung für ein Krematorium mit Abschiedsraum in einem Gewerbegebiet in Nordrhein-Westfalen. Die Bundesverwaltungsrichter hatten die Baugenehmigung kassiert. Mit einem Krematorium ohne Abschiedsraum hatten sie sich nicht befasst. Das tat zwei Jahre früher unter anderem das Verwaltungsgericht Osnabrück. Dort vertraten die Richter im April 2010 die Auffassung, dass auch ein Krematorium ohne Abschiedsraum nicht in einem Gewerbegebiet zulässig sei.

Von André Neumann

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