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Kirchgemeinde plant Baumbestattungen auf Bornas Friedhof

Gestiegene Nachfrage Kirchgemeinde plant Baumbestattungen auf Bornas Friedhof

Zu DDR-Zeiten verfielen die Architektur und die gärtnerischen Anlagen des Bornaer Friedhofs. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat die Kirchgemeinde rund eine Million Euro in die Sanierung und den Erhalt des vier Hektar großen Areal investiert und versucht, sich neuen Bedürfnissen zu stellen: Baumbestattungen könnten eine Option für die Zukunft sein.

Die sanierte Trauerkapelle auf dem Friedhof in Borna. Markant ist der aus Sandstein bestehende Rundbogen über dem Eingang.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Die Linden sind noch jung, markieren aber schon eindrucksvoll die Allee zur Kapelle. In diesen Tagen taucht Herbstlaub den Bornaer Friedhof an der Leipziger Straße in grüne, gelbe und orangefarbene Töne. Hinterbliebene pflanzen Heiden, Torfmyrte und Hornveilchen und sorgen so auch im Winter für einen Blütenteppich auf den Grabstellen. Mit einem Laubsauger pusten Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung die Wege frei. An einer der meistbefahrenen Straßen Bornas präsentiert sich eine mit dem Tode liebäugelnde, beeindruckende Landschaftsarchitektur. "Die Bornaer können stolz auf ihren Friedhof sein", sagte Matthias Weismann, Superintendent im Kirchenbezirk Leipziger Land.

Allerdings hat der Bornaer Friedhof im jüngeren Teil seiner 140-jährigen Geschichte auch andere Zeiten erlebt. Trotz unzähliger freiwilliger Arbeitseinsätze war es beispielsweise nicht gelungen, den Verfall von Architektur und gärtnerischen Anlagen in der DDR zu verhindern. Weismann erinnerte an die grüne Einfriedung des vier Hektar großen Areals. In den Büschen hätte sich Unrat angehäuft. Der bauliche Zustand von Kapelle und Trauerhalle glich selbst einem Trauerspiel. Als der Friedhof nach der Wende in die Hände eines privaten Pächters gegeben wurde, änderte sich die Situation nicht wesentlich. Deshalb übernahm Mitte der 90er-Jahre die Kirchgemeinde wieder die Regie.

Seitdem sind den Angaben zufolge rund eine Million Euro investiert worden. Über mehrere Jahre hätten die Arbeiten an der von außen sichtbaren, 1100 Meter langen Friedhofsmauer aus roten Klinkern gedauert, die jetzt fertig geworden ist. Eine Herausforderung sei die Restaurierung der Kapelle gewesen. Die Sandsteinarbeiten im Rundbogen des Eingangsportals hätten besonderes handwerkliches Geschick erfordert und bedeuteten heute noch einen hohen Aufwand in der Unterhaltung. Besonders stolz sei die Kirchgemeinde jedoch auf die Anlage des gesamten Wegenetzes auf dem vier Hektar umfassenden Areal. An der naturbelassenen Konzeption festzuhalten, hat bisweilen sogar Kritiker auf den Plan gerufen. "Als die alten Linden neuen Bäumen weichen mussten, hat es harsche Kritik gegeben", so Weismann. Aber die neuen Bäume wurzelten und auch für die Anfang 2000 gestohlene Glocke wurde ein größerer und elektrisch zu betreibender Ersatz gefunden.

Der Unterhalt des Friedhofes ist trotz seines guten Zustandes für die Kirchgemeinde ein Kraftakt. Wie Weismann sagte, stünden aus Gebühren jährlich 50.000 Euro zur Verfügung. Die Kommune unterstütze die Arbeit mit 10 000 Euro im Jahr. Einen großen Teil der laufenden Kosten, unter anderem für die drei Mitarbeiter, erwirtschaftet der Friedhof jedoch mit Bestattungen. In diesem Segment sieht er sich einem härter werdenden Wettbewerb ausgesetzt. Einem aktuellen Trend zufolge würden private Unternehmen mit Beisetzungen in der Natur in das Geschäft einsteigen. "Wir versuchen, uns den Bedürfnissen zu stellen", sagte Weismann. Bereits vor Jahren habe sich der Friedhof gemeinschaftlichen Urnengräbern geöffnet. Das habe die Grab- und Reviergestaltung verändert. Die unüberschaubaren Urnenhaine sind schon wieder out. Heute werden Grabanlagen für zehn Urnen eingerichtet, Stehlen und Plastiken auf den Hügeln verkünden die Namen der Verstorbenen.

"Wir halten an dem christlichen Gedanken fest, dass keiner namentlich verloren geht", so der Superintendent. Weil der Friedhof aufgrund des Anstieges von Urnenbegräbnissen ausreichend Platz bietet, könnte in naher Zukunft auch die Baumbestattung eine Option werden. Dazu hat die Kirchgemeinde ein Revier innerhalb des Friedhofes im Visier. Die wild gewachsenen Bäume könnten durch Neupflanzungen ergänzt werden. Noch sehen die Richtlinien der Landeskirche keine Baumbestattungen vor. "Aber in diesem Thema ist Bewegung drin", sagte Weismann, für den das eine Option für die Zukunft ist. Die gut ausgebaute Infrastruktur des Friedhofes biete gegenüber fernab gelegener Friedwälder einen Standortvorteil. "Mal sehen, wie das angenommen wird."

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