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Borna Klaus Weller hat goldene Hände und das Oldtimerfieber in Espenhain angefacht
Region Borna Klaus Weller hat goldene Hände und das Oldtimerfieber in Espenhain angefacht
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00:36 30.04.2018
Klaus Weller kriegt es hin: Auch aus diesem über 50 Jahre alten Wartburg macht er wieder ein Schmuckstück. Quelle: André Neumann
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Rötha/Espenhain

Prüfend fährt die Hand von Klaus Weller über das frisch polierte Blech. Die Arbeit ist gelungen. Aus dem vom Rost zerfressenen Teil ist unter den geschickten Händen des 73-Jährigen wieder der Kotflügel eines Wartburg 312 Camping geworden. Der wurde 1965 in der DDR gebaut und war schon damals eine echte Rarität und nahezu ein Luxus-Auto. Etwa zu der Zeit hatte der Espenhainer sich auch seinen ersten eigenen Wartburg aus einem Unfallwagen aufgebaut.

Weller hat immer schon mit Autos zu tun gehabt. Erst fuhr er mit zwei Lastwagen der eigenen Spedition für den Winterdienst und für den Straßenbau. Als in der DDR die Enteignungswelle über kleine Privatbetriebe rollte, gaben ihm die staatlichen Firmen keine Aufträge mehr und er musste 1979 als Fuhrunternehmer aufgeben. Es gelang ihm aber, ein Jahr später im heimischen Hof eine private Wartburg-Werkstatt zu eröffnen. Zehn Jahre später war auch damit Schluss: „1990 ließ niemand mehr ein DDR-Auto machen“, erinnert sich der Kraftfahrzeugmeister.

Der es aber wieder schaffte, im Geschäft zu bleiben und auf der Herbstmesse in Leipzig einen Vertrag als Ford-Händler bekam. Drei Jahre später eröffnete er das Autohaus in der Hainer Straße.

Das trägt noch immer seinen Namen, obwohl er es schon 2009 verkaufte. Was auch mit einer schweren Krankheit zu tun hatte. Doch Klaus Weller rappelte sich auch davon auf, zog Arbeitshose und Schlosserjacke wieder an und tat, was er offenbar am liebsten tut: alte Autos reparieren. In seiner Werkstatt setzt er für Oldtimerfreunde aus dem Kohren-Sahliser Verein, dem er selbst seit vielen Jahren angehört, alte Karossen instand. Manchmal hilft er auch Gleichgesinnten aus anderen Vereinen, die er auf Oldtimertreffen kennen lernt, zu denen er an fast jedem Wochenende fährt.

Dabei bleibt Weller seinen Marken treu. Seine eigenen vier fahrbereiten Schmuckstücke sind je zwei Wartburg und zwei Ford-Fabrikate, die im Autohaus stehen. Der älteste ist ein 81 Jahre alter Ford Eifel Sport Roadster. Der hat noch einen Holzrahmen und war ziemlich hinüber, als Weller ihn bekam. Sieben Jahre lang arbeitete Weller an dem offenen Wagen, baute ihn nahezu komplett neu auf. Auch heute steht manches Liebhaberstück ein gutes halbes Jahr lang in seiner Werkstatt. Originalteile gibt es nicht mehr für alles und wenn, dann sind sie sehr teuer. Deswegen baut Klaus Weller vieles selbst, schneidet und formt Bleche, schweißt, schleift, poliert, fügt zahllose Einzelteile zusammen. Viele hat er sammeln und aufbewahren können, als er nach der Eröffnung des neuen Autohauses in seiner angestammten Werkstatt plötzlich viel Platz hatte. Damals fuhr er selbst auch noch immer Wartburg. Solange, bis die Herstellervertreter ihm bei den Händlertreffen sagten, dass sie die Autos hier nicht mehr sehen möchten

Etwa um die Zeit der Eröffnung holte Weller zum ersten Mal Oldtimerfreunde nach Espenhain. Das war die Geburtsstunde des Maifestes mit Oldtimertreffen, das seitdem jährlich am 1. Mai hunderte, zuletzt häufig bis zu 2000 Menschen anlockte. „Keiner weiß mehr genau, wie lange es das Fest schon gibt“, sagt der Espenhainer. Mehr als 20 Jahre seien es auf jeden Fall. Und schon beim ersten Mal bekamen die Espenhainer rund 40 Oldi-Autos zu sehen. Er schloss sich dann bald dem Oldtimerverein Kohren-Sahlis an, der seither das Treffen organisiert. Im vorigen Jahr waren es rund 200 Autos und Motorräder, die Besucher bewundern konnten. Wenn das Wetter passt, rechnen die Veranstalter am Montag mit einer ähnlichen Anzahl.

Maifest und Oldischau

Oldtimertreffen am 1. Mai: Ab 10 Uhr sind betagte Autos und Motorräder in Espenhain auf dem Sportplatz zu bewundern. 13 Uhr beginnt die rund zweistündige Ausfahrt mit Zwischenstopp an der Neuholländermühle in Wyhra gegen 13.30 Uhr.

Maifest: Das bunte Treiben beginnt 10 Uhr mit Animation für Kinder und Preiskegeln. Ab 12 Uhr erklingt Blasmusik. Nachmittags unterhalten dann Marktfrau Regine und Kleingärtner Udo die Besucher mit humoristischen Programmen. Auch Schausteller und Gewerbetreibende sind mit von der Partie.

Von André Neumann

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