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Kleines Großschkorlopp und die Käsetradition

Kleines Großschkorlopp und die Käsetradition

Großschkorlopp. Viele Dörfer prägen die Elsterregion. Allein Groitzsch hat 29 Ortsteile. Die Stadt Pegau zählt seit der Eingemeindung von Kitzen 14 Dörfer.

Einige davon möchte die LVZ in ihrer Dorfrundgang-Serie vorstellen. Heute: Großschkorlopp.

Verkehrte Welt im nördlichsten der Pegauer Ortsteile: Kleinschkorlopp ist in Wahrheit "der Große", zählt 160 Einwohner, hat eine Feuerwehr, ein Gemeindezentrum und das Lützowdenkmal. Großschkorlopp wirkt dagegen wie ein Winzling - mit gerade mal 63 Bürgern und ein paar Höfen rechts und links der Schkeitbarer Straße. 1951 wurden beide Dörfer vereinigt und im Januar 1994 nach Kitzen eingemeindet. "Die Kennzeichnung Groß- und Kleinschkorlopp kann darauf hindeuten, dass sich neben einer ursprünglichen slawischen Siedlung eine germanische bildete", schreibt Reinhard Schimmrich in seiner Chronik. "In solchen Fällen war es üblich, dass die germanische Siedlung das Attribut Groß- erhielt."

Falk Fritzsche kennt alle beiden Seiten wie seine Westentasche: geboren und aufgewachsen ist der 48-Jährige in Kleinschkorlopp, heimisch geworden und eine Familie gegründet hat er dagegen in Großschkorlopp. "Wir sind hier eine richtig starke Gemeinschaft", schwärmt er über den Zusammenhalt im Ort. "Nachbarschaft wird bei uns noch groß geschrieben, da hilft jeder jedem. Bei runden Geburtstagen oder Familienfeiern gratuliert das halbe Dorf und auch sonst besuchen wir uns gerne und feiern gemeinsam." Beim Lützowfest etwa sind die Großschkorlopper jedes Jahr mit von der Partie und stellen ihre eigene Fußballmannschaft auf die Beine. "Da wird nicht extra trainiert", lacht Fritzsche, der sich ebenfalls das Trikot überzieht. "Die meisten sind schon älter und haben einen Bauch wie ich. Wenn wir einmal den Platz hoch- und runterrennen, bleibt uns die Luft weg... Aber das ist der Gaudi wert, es geht um den Spaß."

Eine schöne Tradition sind auch die gemütlichen Silvesterabende auf dem Dorfplatz. "Das machen wir, seit unsere Kinder klein waren", erzählt Falk Fritzsche. Gegen 18, 19 Uhr treffen sich die Familien ganz ungezwungen auf einen Glühwein oder Sekt, sie reden und lachen miteinander, zünden Wunderkerzen und ihr Feuerwerk an und verabschieden fröhlich das alte Jahr. Noch vor Mitternacht geht jeder wieder seiner Wege. Am nächsten Morgen trifft sich die gleiche Mannschaft zum Aufräumen und Anstoßen auf das neue Jahr. Von jung bis alt ist alles dabei.

Das Leben im Dorf hat seinen eigenen Rhythmus, es verläuft ruhig und unkompliziert und funktioniert auch ohne Gasthof, Supermarkt oder kulturelle Zerstreuung. Eine Umzugsfirma und Schlosserei sowie der Schweinezuchtbetrieb Schröter sind die einzigen Gewerbebetriebe hier. Bis zur Wende blühten noch die Käseproduktion und der Kartoffelschälbetrieb. Die beiden Käsereien Schwiebus und Weitsch arbeiteten vis á vis und tauschten jeden Abend über die Dorfstraße hinweg ihren Arbeitsalltag aus, ganz ohne Konkurrenzdruck. Viele Jahrzehnte produzierten die beiden Familienbetriebe den beliebten Stangenkäse, der im Raum Leipzig und Halle großen Absatz fand. Noch heute ist der milde Sauermilchkäse von Weitsch im Supermarktregal zu finden - hergestellt in der Leipziger Käserei Lehmann, in der Andreas Weitsch als Produktionsleiter arbeitet: "Angefangen hat alles 1854 als Familienbetrieb in Großschkorlopp. Bis 1995 haben wir dort produziert. Ich bin heute in fünfter Generation in der Käseherstellung tätig."

Die Zeiten der beiden Dorfkäsereien sind längst vorüber wie auch des Kartoffelschälbetriebs oder der blühenden Landwirtschaft. Anna Obst, die 1947 als Flüchtlingskind aus der Nähe von Prag nach Großschkorlopp kam, kann sich noch gut an die Stall- und Feldarbeit erinnern. Sieben Jahre war sie bei einem Bauern angestellt, danach über 30 Jahre in der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft). "Früh halb drei sind mein Mann und ich in den Stall, um die Tiere zu füttern. Das nützte nichts, wir mussten gehen. Unsere fünf Kinder waren zu Hause und mussten sich früh alleine versorgen. Das war eben so. Mit dem Fahrrad sind sie in die Schule nach Kitzen gefahren." Heute genießt die Rentnerin ihr ruhiges Leben in einer gemütlichen Wohnung. Die Kinder und Enkel wohnen alle in der Nähe und besuchen sie oft. Darüber hinaus unterhält Anna Obst gute Kontakte zu ihrer Nachbarin, besucht mit ihr die Weihnachtsfeiern und den Fasching für Rentner. "Ich bin zufrieden mit meinem Leben", sagt die 81-Jährige strahlend.

Heimisch geworden in Großschkorlopp ist auch Wolfgang Klinger, 1. Beigeordneter des Landrates. "Ich stamme aus Lützen", erzählt er unserer Zeitung, "habe aber hierher eingeheiratet und lebe jetzt seit 40 Jahren in Großschkorlopp." Das Leben auf dem Land genießt er sehr, schätzt vor allem die dörfliche Ruhe und gute Nachbarschaft. "Wenn mir mal ein Stück Butter fehlt, vereinfacht gesagt, kann ich beim Nachbarn klingeln, und der hilft mir aus. Ganz unkompliziert. Ich könnte mir nicht vorstellen, in der Stadt zu wohnen, obwohl ich die Stadt sehr mag. Ich möchte das urbane Leben schon genießen und Veranstaltungen besuchen, aber mich dann bitte wieder hierher zurückziehen."

Günther und Ruth Kühn (76) wohnen nur ein paar Meter weiter in der Straße. Der 82-Jährige ist der älteste Einwohner von Großschkorlopp und kennt jeden Stein und jeden Strauch in seinem Heimatdorf. Gern erinnert er sich an die Gaststätte mit dem Saal, in der immer die Pfingstfeste stattfanden, oder an seine Arbeit auf dem Hof. "Wir hatten Kühe, Schweine und 30 Hektar Feld mit Kartoffeln, Rüben, Fenchel und Getreide. In den 60er Jahren mussten wir es an die LPG abgeben." Die Arbeit war hart und entbehrungsreich. "Einen Sonntag gab es bei uns nicht. Von wegen bis 8 Uhr im Bett liegen bleiben. Wir mussten raus!" Ein Leben in der Stadt kam für den gebürtigen Großschkorlopper und seine Frau, die aus Großdalzig stammt, dennoch nie in Frage. "Um Himmels willen, nie und nimmer."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.03.2013

Kathrin Haase

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