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Kleingärtner haben Angst vor nassen Füßen

Kleingärtner haben Angst vor nassen Füßen

"Land unter" heißt es immer wieder bei den Bornaer Kleingärtnern. Ob Hochwasser oder ansteigendes Grundwasser, ständig, so das Gefühl der Laubenpieper, haben sie nasse Füße.

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Im Winter steigt das Grundwasser durch die Schneeschmelze, im Sommer reicht ein heftiger Regenguss.

Quelle: Anja Macheleid

Borna. Im Sommer ist es ein Regenguss, der einen kleinen Fluss wie die Wyhra über die Ufer schwappen lässt. Und im Winter ist es die Schneeschmelze. Das kühle Nass kommt aber auch verstärkt von unten. Denn nach Stilllegung vieler Tagebaue steigt der Grundwasserspiegel, was besonders in Borna-West zum Problem zahlreicher Gärtner und Anwohner wird.

So sitzt der Frust bei den Kleingärtnern nach wie vor sehr tief. Zumal von einer trockenen Lösung weit und breit nichts zu sehen ist. Im Gegenteil. Rolf Steinert vom Regionalverband der Kleingärtner Borna/Geithain/Rochlitz und Umgebung vermutet in den nächsten Jahren eine Verschärfung der eh schon patschnassen Situation: "Ich rechne in Zukunft noch öfter mit Hochwasser. Wenn die Bundesautobahn 72, die über Borna führen soll, erst einmal in Betrieb ist, werden zur Entwässerung der Straße riesige Rohre in die Wyhra führen. Davor habe ich echt Angst."

Seit der großen Jahrhundertflut 2002 mussten etliche Gärten in den Anlagen "An der Brücke", "Naturfreunde 1950" und "Wyhraaue" geräumt werden, weil eine Trockenlegung einfach nicht mehr möglich war. Die Schäden durch Hochwasser nach 2002 schätzt Steinert auf etwa 200000 Euro, für die seinen Angaben zufolge keiner haftet. Die Gärten seien Privateigentum der Pächter und die Versicherungen dafür einfach zu teuer. So habe kaum ein Besitzer solch eine abgeschlossen. Die Kleingärtner, so Steinert, fühlten sich mit dem Wasser allein gelassen. "Ich weiß nicht, wer hier verantwortlich ist. So hundertprozentig wohl niemand. Wir werden ständig mit unseren Anliegen von Stelle zu Stelle geschickt."

Die Kompetenzverteilung in Sachen Hochwasserschutz ist tatsächlich wenig transparent und kann beim Laien schnell zu Ratlosigkeit führen. Den Angaben der Landestalsperrenverwaltung zufolge ist seit dem großen Jahrhunderthochwasser 2002 im Freistaat Sachsen aber viel für die Verbesserung und den Ausbau des vorhandenen Schutzes getan worden. Insgesamt wurde der Hochwasserrückhalteraum in den sächsischen Talsperren, Speichern und Rückhaltebecken um 26 Millionen Kubikmeter erhöht, das sind knapp 18 Prozent der Kapazität, die bis dahin an Wasser aufgenommen werden konnte. Sogenannte Hochwasserschutzkonzepte und Gefahrenkarten wurden erstellt, die die Auswirkungen von Hochwasser im Freistaat zeigen. Des Weiteren gibt es seither ein Landeshochwasserzentrum (LHWZ), das die Gewässer in den einzelnen Regionen beobachtet, überwacht und Alarm schlägt, wenn nasse Gefahr droht. Das LHWZ arbeitet eng mit der Landestalsperrenverwaltung zusammen, die wiederum für bauliche Maßnahmen wie Deichanlegung und -pflege, Gewässerverbreitung und Schutzmauerbau zuständig ist. Kommt es zur unmittelbaren Gefahr durch Hochwasser, ist aber auch der Einsatz der Kommune, in der das Gewässer fließt, gefragt. Die regionale Flussmeisterei ist gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr für die Hochwasserabwehr, den Schutz der Bürger und die Überwachung vor Ort verantwortlich. Die enge Vernetzung der Kompetenzzentren soll im Falle eines Hochwassers für ein möglichst effektives Agieren gegen die Fluten helfen. Doch fällt es schwer in diesem Netz, den richtigen Ansprechpartner für bestimmte Anliegen ausfindig zu machen, was wohl auch das Problem der Kleingärtner ist.

Von den Hochwasserschutzmaßnahmen an der Wyhra haben die Kleingärtner rund um Steinert nicht viel mitbekommen: "Hier vor Ort wurde nach 2002 nichts gemacht." Die Bornaer stehen also immer noch mit nassen Füssen in ihren Gärten, wenn sie nicht schon längst wie in Großzössen geräumt werden mussten. Und sollten sich die Befürchtungen von Steinert bewahrheiten, dass in Zukunft noch öfter mit Hochwasser zu rechnen ist, werden wohl weitere Gärten dem steigenden Nass weichen müssen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.05.2013

Anja Macheleid

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