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Knastrevue: Eine Show hinter Gittern

Knastrevue: Eine Show hinter Gittern

Instrumente spielen, Steine bearbeiten, Tanzen, Theater spielen - Häftlinge in der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen haben vielfältige Möglichkeiten, den tristen Alltag mit Kunst und Kultur aufzuhellen.

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Teil der Tanznummern in der Knastrevue: Noch musste Frontmann Andreas W. seine Mithäftlinge in der Probe ein wenig dirigieren, ehe dieses Bild klappte.

Quelle: André Neumann

Regis-Breitingen. Neuestes Projekt für knapp 20 junge Männer ist die Knastrevue.

 

 

Elf Monate hat Andreas Winkler von seinen zwei Jahren und sechs Monaten noch abzusitzen. Der muskulöse junge Mann ist 20 Jahre alt. "In meiner Jugend", sagt er "habe ich mit Kumpels Breakdance getanzt". Dass er es noch kann, beweist Andreas W., wie er gern genannt werden will, auf der Bühne im Kultursaal, wo er mit einem halben Dutzend Mithäftlingen in der Akrobatik- und Tanzgruppe für die Knastrevue probt. Eine Etage weiter oben sitzen andere Häftlinge derweil in einem Unterrichtsraum und spielen vor zwei Kameras ihren eigenen Alltag. Akrobatiknummern, Videosequenzen, zu denen Gedichte gesprochen werden, Gesang und Musik der Anstalts-Band werden in der Knastrevue zu einer Geschichte über das Leben hinter Gittern verwoben.

Die Idee dazu hatte Maike Martin, Lehrerin für Englisch und Informatik an der Anstaltsschule. Sie hatte an der Schule ihrer Tochter ein Musical gesehen, das ihr so gut gefiel, dass sie die künstlerische Leiterin Kristin Kuhnert fragte, ob sie so etwas auch im Knast machen würde. Die 32-jährige Leipzigerin ist Musicaldarstellerin und arbeitet freischaffend als Theaterpädagogin. In einem Gefängnis hatte sie zuvor noch nie gearbeitet, und sie wurde auch gewarnt: Mit unverholenen Blicken und der einen oder anderen anzüglichen Bemerkung hatte die gut aussehende Frau hier zu rechnen. Sie ließ sich nicht abschrecken und suchte einen Stoff, der sich - gezwungenermaßen - auch ohne Frauen umsetzen lässt: eben den Knastalltag.

Seit dem 22. Januar arbeitet Kristin Kuhnert mit 18 Gefangenen. "Leider nur einmal die Woche", wie Andreas Winkler bedauert, für den neben dem Spaß am Tanz und an der Akrobatik auch die Möglichkeit, dem Haft-Alltag zu entfliehen, ein Grund ist, bei der Knastrevue mitzumachen. Dies Gelegenheit wollte auch Ramon Henze (20) ergreifen. Seine Zeit im Knast endet erst in knapp anderthalb Jahren. "Man kann es nicht ändern", sagt er schulterzuckend und erzählt, dass er Sport mag, mit dem er so viel wie möglich Ablenkung sucht: Beim Fußball, Tischtennis und in der Laufgruppe macht er mit. Dienstags geht er jetzt statt zum Volleyball zur Revue-Probe. Auch Tom Krause, ebenfalls 20, sitzt noch mehr als ein Jahr. In der Freiheit hatte er mal "ein bisschen Turniertanz gemacht", sagt er. Das Tanztraining für die Revue mache ihm Spaß und er hoffe, damit sein Selbstbewusstsein zu stärken.

Die Choreografie haben sich die Jungs weitgehend selbst ausgedacht, die Tanznummern schauten sie sich von dem Film "Step up Miami Heat" ab, den Kristin Kuhnert ihnen mitbrachte. Zu den Videoclips lesen die Darsteller Gedichte, entweder von Rilke oder selbst geschriebene. Dreimal werden die Häftlinge das Stück aufführen.

iKnastrevue, öffentliche Aufführung in der JSA Regis-Breitingen am 12. Juli, 19 Uhr; Anmeldung bis 5. Juli unter 034343/5551101

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.05.2013

Neumann, André

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