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Kohle-Abbau: Mibrag baggert weiter um Pödelwitz

Genehmigung einholen Kohle-Abbau: Mibrag baggert weiter um Pödelwitz

Seit Jahren leben die Einwohner von Pödelwitz an der Kante zum Tagebau Schleenhain. Das Bergbauunternehmen Mibrag schielt auf die Kohle unter dem Ort. Obwohl der Abbau noch nicht bewilligt ist, haben viele Pödelwitzer das Angebot zur freiwilligen Umsiedlung nach Groitzsch angenommen. Vor den Verweigerern hat Mibrag jetzt offenbart, dass in fünf Jahren der Bagger anrollen könnte.

Bäuerliche Höfe prägen Pödelwitz. Der aufsteigende Wasserdampf aus den Kühltürmen des Kraftwerkes Lippendorf hängt über dem Ort. Für die Kohle, die unter dem Dorf lagert, sollen die Häuser weichen.

Quelle: Andreas Döring

Groitzsch/Pödelwitz.  Das Bergbauunternehmen Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) will Nägel mit Köpfen machen. Mit der Fortschreibung des Rahmenbetriebsplanes für den Tagebau Schleenhain sollen die rechtlichen Voraussetzungen für den weiteren Kohleabbau im Südraum Leipzig geschaffen werden. Dabei will sich die Mibrag grünes Licht für den Abbau der Kohle unter Pödelwitz und Obertitz – zwei Ortsteile von Groitzsch – holen. „Ziel des Unternehmens ist es, Planungssicherheit für die Tagebauentwicklung zu schaffen und damit die Versorgung des Kraftwerkes Lippendorf bis in das Jahr 2040 zu sichern“, sagte Bernd-Uwe Haase, kaufmännischer Geschäftsführer. Er rechne mit einem über fünf Jahre dauernden Genehmigungsverfahren. Aber: „Die Mibrag informiert frühzeitig und setzt auf den Dialog mit den Menschen vor Ort.“

Ob es diesen angestrebten Austausch während der Versammlung mit Pödelwitzern und Mibrag am Mittwochabend in der Barbarastube des Kulturhauses Großstolpen gegeben hat, blieb unter Verschluss. Einladungen wurden persönlich – nicht übertragbar – ausgesprochen, Medienvertreter ausgeschlossen. Dass die frühzeitige Information der Mibrag jedoch nicht auf fruchtbaren Boden fällt, machten die Anwälte von zwei Pödelwitzer Familien bereits im Vorfeld deutlich. In einem Schreiben an die Mibrag stellten sie klar, dass sich die von ihnen vertretenen Eigentümer „gegen eine Absiedlung und Devastierung stellen werden“. Deshalb forderte Rechtsanwältin Roda Verheyen das Unternehmen auf, „die weiteren Umsiedlungsmaßnahmen im Ortsteil Pödelwitz zu unterlassen sowie Ihre Planungen im Hinblick auf die Inanspruchnahme des Feldes Pödelwitz 1 einzustellen“.

Obwohl das Bergbauunternehmen bislang keine Genehmigung für den Abbau der Braunkohle unter Pödelwitz – Mibrag-Angaben zufolge lagern hier 25 Millionen Tonnen – nachweisen kann, schwelt seit Jahren ein Interessenskonflikt zwischen einigen Einwohnern des Dorfes und dem Kohleförderer. In der Vergangenheit rückte der Tagebau Schleenhain dem Ort zwar nahe, aber rüttelte nicht an ihm. Haase zufolge sei das Interesse des Unternehmens erst geweckt worden, nachdem zahlreiche Einwohner den Wunsch nach einer freiwilligen Umsiedlung ins nahe gelegene Groitzsch thematisierten. Die Mibrag nahm den ausgestreckten Arm. Über einen Umsiedlungsvertrag mit Groitzsch wurde der Pödelwitzer Bogen aus der Taufe gehoben, in dem bereits zahlreiche Ex-Pödelwitzer bauten.

Der Plan, dem Kohleabbau ein verlassenes Dorf zu opfern, ging jedoch bislang nicht auf. Inzwischen ist Pödelwitz zwar ausgeblutet, aber nicht verlassen. Drei Gewerbetreibende und sechs Familien haben sich – so der Stand der Mibrag – auf den Deal noch nicht eingelassen. Zu ihnen gehört Jens Hausner, Mitglied der Bürgerinitiative Pro Pödelwitz. Über seine Anwälte lässt er mitteilen, dass er sich nicht enteignen lassen werde. Denn für den Abbau der Kohle unter Pödelwitz gebe es weder einen zwingenden Grund wie die Versorgungssicherheit der Republik noch eine rechtliche Handhabe. Heuersdorf habe weichen müssen, damit der Nachschub für Lippendorf gesichert sei. „Eine ähnliche oder auch nur annähernde Darlegung der Ressourcen beziehungsweise markttechnischen Notwendigkeit fehlt für das Feld Pödelwitz gänzlich“, so die Argumentation.

Für die Mibrag, die jährlich rund 20 Millionen Tonnen Braunkohle abbaut, ist die Zielrichtung klar. Haase verteidigt wirtschaftliche Interessen und Planungssicherheit für die Tagebaue. Während Pödelwitz bereits auf der Abraumkante liegt, ist Obertitz das Zünglein an der Waage für die Wirtschaftlichkeit der Förderung im Groitzscher Dreieck. Der Ort liegt mitten im Abbaufeld.

Eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung, die laut Mibrag alle „aus Sicht des Braunkohlentagebaus zu bewertenden Schutzgüter wie Menschen, Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaft und Kulturgüter umfasst“, ist der Auftakt im Genehmigungsverfahren. Bei einem sogenannten Scoping-Termin im Mai will das Unternehmen im Sächsischen Oberbergamt über das Vorhaben informieren. Ob die Planungen der Mibrag bestätigt werden, darüber wagte Haase keine Prognose. „Das Ergebnis ist offen“, so der Geschäftsführer.

Von Birgit Schöppenthau

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