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Kohleexporte vom Tagebau Schleenhainversetzen Pödelwitzer in Angst

Kohleexporte vom Tagebau Schleenhainversetzen Pödelwitzer in Angst

Im Zehn-Minuten-Takt passieren schwere Laster die Zufahrt zum Tagebaurestloch Peres westlich vom Industrie-Park Lippendorf. Ohne Fracht schlängeln sie sich am gewaltigen Kohleförderband vorbei, das den Brennstoff ins Kraftwerk Lippendorf liefert.

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Ein LKW auf der Straße, die zum sogenannten Kohlemisch- und -stapelplatz der Mibrag führt. In Profen soll die Kohle auf Waggons verladen werden.

Quelle: Andreas Doering

Lippendorf/Pödelwitz. Die Fahrzeuge von Speditionen unter anderem aus den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen docken am Kohlemisch- und -stapelplatz an. Aus der Ferne ist schwer auszumachen, was geladen und unter der Lkw-Plane abtransportiert wird. Aber schließlich ist hier nur Kohle zu holen und auch die von schwarzem Staub gefärbten Straßenränder an der S 71 lassen vermuten, dass Schleenhainer Kohle aus dem mitteldeutschen Revier hinausrollt.

Wie viel Braunkohle per Lkw hier abgezweigt und an wen diese weiterverkauft wird, darüber macht die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft nur zurückhaltend Angaben. Sylvia Werner, Sprecherin des Unternehmens, räumt zwar ein, dass Südzucker in Zeitz und Romonta im Mansfelder Land über Straßentransporte regelmäßig mit Braunkohle versorgt werden. Über weitere Abnehmer will sie sich aber nicht äußern. "Wir müssen als Unternehmen unsere Kunden schützen", sagt Werner. Wovor? "Vor Spekulationen." Wer in welche Richtung spekuliert, darauf könne sie nicht weiter eingehen.

Dabei ist die Mibrag-Mutter, das tschechische Energieunternehmen EPH, längst dabei, den dortigen Markt als attraktive Option oder sogar als Rettungsanker für den mitteldeutschen Kohleförderer, der eigene Kraftwerke in Mumsdorf und Wählitz vom Netz nehmen musste, zu erschließen. Im neuen Hauptbetriebsplan für Profen, der vom 1. April 2015 bis 31. März 2017 gelten soll, sind die tschechischen Kraftwerke Komorany und Opatovice als Abnehmer für sächsische Kohle aufgeführt. Die zu erwartenden Lieferungen wären beileibe nicht die ersten Exporte gen Osten. Laut Werner habe es bereits 2012 eine Ausnahmesituation im Kraftwerk Opatovice gegeben. Der Versorger von 60 000 Haushalten und öffentlichen Einrichtungen sei nicht mehr beliefert worden. "Da sind wir eingesprungen", so Werner. "Aber unsere Gesellschafter sind bemüht, eine Ersatzlösung für Kohlelieferungen aus den Tagebauen der Mibrag nach Tschechien zu finden." Auch ganz ohne Druck von außen sind Transporte über weite Strecken für die Mibrag eine Option. Vor mehr als einem Jahr informierte das Unternehmen bereitwillig über den Neuerwerb des Helmstedter Reviers. Eigenen Angaben zufolge soll das Kraftwerk Buschhaus ab 2017 mit Braunkohle aus dem mitteldeutschen Revier versorgt werden.

Die Geheimniskrämerei der Mibrag schürt Angst unter den Einwohnern von Pödelwitz. "Mit jedem Kohletransport wächst die Gefahr, dass Pödelwitz fällt", sagt Jens Hausner, Sprecher der Initiative Pro Pödelwitz. Das über 700 Jahre alte Bauerndorf liegt am Rand des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain. Obwohl derzeit keine Genehmigung für die Abbagerung von Pödelwitz vorliegt, hinterlässt das Dorf bereits einen gespenstischen Eindruck. Höfe stehen leer, Häuser sind unbewohnt. Wie Hausner bestätigt, macht die Mibrag den Bewohnern bereits Angebote zur Umsiedlung. "Begründung sind Lärm und Dreck durch den naheliegenden Tagebau", so Hausner. Aber seiner Auffassung nach sollen damit Tatsachen geschaffen werden. Unter Pödelwitz liege Kohle, auf die das Bergbauunternehmen scharf sei. Dabei seien die Vorkommen längst nicht mehr ausschließlich notwendig, um den Betrieb des Braunkohlekraftwerkes Lippendorf bis 2040 abzusichern. "Mit dieser Begründung war Heuersdorf geopfert worden", argumentiert Hausner. Ein weiteres Opfer durch Pödelwitz dürfe es nicht geben.

Der Abbau der Kohle in Schleenhain über den Bedarf von Lippendorf hinaus hat für den Grünen-Landtagsabgeordneten Gerd Lippold auch ein taktisches Kalkül. Seiner Auffassung nach würden sinkende Fördermengen einen späteren Genehmigungsantrag für den Abbau der Kohle unter Pödelwitz enorm schwächen. "Wie viel Kohle nach Tschechien geht, das werden wir noch herausfinden", sagt er. Aber die Richtung der Transporte sei nicht ausschlaggebend. Die Mibrag müsse sich lediglich darauf beschränken, nur so viel zu fördern, wie in Lippendorf benötigt werde. "Dann stünde Pödelwitz nicht zur Debatte", so Lippold weiter. Er sieht dennoch wachsende Begehrlichkeiten nach dem hiesigen Brennstoff. Denn die tschechische Regierung habe Enteignungen gegen den Willen der Betroffenen längst einen Riegel vorgeschoben. "Sachsen könnte in Zukunft noch viel schneller und rigoroser abgebaggert werden, um in Tschechien Schlote rauchen zu lassen und Strom nach Polen zu liefern, wenn dort überalterte Kraftwerke außer Betrieb gehen", prophezeit er. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2015
Schöppenthau, Birgit

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