Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Kommunen im Neuseenland in Sorge – LMBV verkauft Flächen meistbietend
Region Borna Kommunen im Neuseenland in Sorge – LMBV verkauft Flächen meistbietend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 13.07.2017
Hainer und Kahnsdorfer See aus der Vogelperspektive: Wichtige Abstimmungen zur Entwicklung der Seen wurden in der Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland getroffen. Hier gab es keine Probleme mit dem Erwerb von Flächen von der LMBV.
Anzeige
Landkreis Leipzig

Licht und Schatten bei der Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland: Mit Joachim Schruth sitzt jetzt erstmals ein Vertreter der anerkannten Naturschutzverbände in der Runde. Vor Probleme stellt die Kommunen dafür ein Sinneswandel beim Bergbauverwalter LMBV. Das bundeseigene Unternehmen geht dazu über, Flächen an den Seen öffentlich auszuschreiben.

In der jüngsten Zusammenkunft wurde Joachim Schruth vom Landesverband Sachsen des Naturschutzbundes Deutschlands (Nabu) einstimmig als ständiger Vertreter der Naturschutzverbände in die Steuerungsgruppe gewählt. Deren Sprecher, Landrat Henry Graichen (CDU), hatte die Naturschutzverbände der Region zur Mitarbeit eingeladen. Dem Gremium stehe mit Joachim Schruth nun ein kompetenter Fachberater zu allen Fragen des Umwelt- und Naturschutzes zur Verfügung: „Mit Herrn Schruth gewinnt die Steuerungsgruppe einen erfahrenen Fachmann für die besonderen Herausforderungen von Natur- und Artenschutz bei der Entwicklung des Neuseenlandes. Wir freuen uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit“, so Graichen weiter

Joachim Schruth gehört jetzt als ständiger Vertreter der Naturschutzverbände der Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland an. Quelle: André Kempner

Schruth ist Abteilungsleiter Naturschutzrecht beim Landesverband Sachsen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Er ist außerdem Fraktionsvorsitzender für Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Markkleeberg. Als Kreisrat im Landkreis Leipzig arbeitet er als Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft, Kreisentwicklung und Umweltschutz. Schruth engagiere sich darüber hinaus ehrenamtlich als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Naturschutzinstitutes Leipzig, hieß es weiter.

In der Steuerungsgruppe stimmen sich seit über zehn Jahren Vertreter von Behörden und Ämtern über konkrete Projekte zur Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes ab, teilte die Pressestelle des Landkreises Leipzig weiter mit. Mitglieder sind Vertreter der Landkreise Leipzig und Nordsachsen, der Stadt Leipzig und des Grünen Rings, mehrerer kommunaler Zweckverbände, des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen und der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Auch Landestalsperrenverwaltung, Landesdirektion, Industrie- und Handelskammer sowie Sächsisches Wirtschaftsministerium sitzen mit am Tisch.

Wie Henry Graichen auf Nachfrage noch ergänzte, stimme man sich vier Mal im Jahr zu wichtigen Schwerpunkten der Entwicklung ab. „Dabei geht es aktuell zum Beispiel um die Bootsnutzung auf den Leipziger Stadtgewässern, den Bau des Harthkanals zwischen Cospudener und Zwenkauer See sowie um ein Kommunikationskonzept in Verantwortung des Grünen Ringes.“ Weiteres Thema sei die Beseitigung von Störstellen an der Pleiße. Eine Maßnahme, die wiederum als Vorbedingung für die sogenannte Wasserschlange gilt, einen schiffbaren Kanal von der Pleiße in den Markkleeberger See.

Erst kürzlich ist ein weiteres Konfliktfeld in den Fokus gerückt. Während es bisher unstrittig war, dass der Bergbausanierer LMBV aus seinen Flächen kein zusätzliches Kapital schlägt, deutet sich hier eine aus Graichens Sicht eine Besorgnis erregende Trendwende an. „Offenbar ist die LMBV dazu übergegangen, Entwicklungsflächen in ehemaligen Tagebaugebieten öffentlich auszuschreiben und meistbietend zu verkaufen“, äußerte Graichen, dem das Problem bereits als Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westachsen zu Ohren kam. So hatte der Bürgermeister der nordsächsischen Gemeinde Löbnitz, Axel Wohlschläger (CDU), unlängst berichtet, dass ihn die LMBV offiziell über die Absicht informiert habe, Flächen öffentlich auszuschreiben. Ausgenommen davon seien nur Areale, auf denen sogenannte Paragraf-4-Maßnahmen erfolgen, also zum Beispiel Parkplätze oder Wege gebaut werden sollen.

„Am Hainer See zum Beispiel hat es derartige Probleme in der Vergangenheit nie gegeben“, äußerte Graichen, der die Frage auch als langjähriger Gemeindechef von Neukieritzsch aus eigener Erfahrung beurteilen kann. Die Kommune habe die benötigten Flächen immer zum Bodenrichtwert von der LMBV erhalten. „Auch die Entwicklungsflächen für Kahnsdorf-Nord wechselten völlig unkritisch den Besitzer.“ Hierbei handelt es sich um ein 18-Areal, auf dem perspektivisch Eigenheime, Handel und Gewerbe sowie ein Reiterhof geplant sind.

Dass sich beim bundeseigenen Bergbauverwalter ein Sinneswandel vollzieht, der den Kommunen möglicherweise das Leben schwer macht, sollte auf der jüngsten Zusammenkunft der Steuerungsgruppe eine Rolle spielen. Allerdings fehlte in der Abstimmungsrunde gerade der Adressat für kritische Nachfragen: die LMBV. Weitere Gespräche seien deshalb nötig, erklärte Graichen.

Von Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei einer Rassekaninchenschau präsentierten die Zuchtfreunde des Deutzener Vereins S 91 ihre größten Erfolge. Am Rande der Schau, bei der die Kindergartenkinder mit den Tieren auf Tuchfühlung gehen konnten, wurde gefachsimpelt über alte und gegenwärtige Zeiten.

12.07.2017

In Borna und Böhlen wehen Fahnen für den Frieden. Die beiden Städte im Landkreis Leipzig beteiligen sich gemeinsam mit 240 Kommunen bundesweit an der Aktion Bürgermeister für den Frieden.

12.07.2017

Seit einem Jahr wartet die Bürgerinitiative Pro Pödelwitz auf Akteneinsicht zu Tagebau-Betriebsplänen. Ihr Antrag beim Sächsischen Oberbergamt ist bis heute weder abgelehnt noch positiv beschieden worden. Dort heißt es, dass der freie Zugang zu Umweltinformationen gesetzlichen Einschränkungen unterliege.

12.07.2017
Anzeige