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Borna Kommunen müssen Vorsorge für den Ernstfall treffen
Region Borna Kommunen müssen Vorsorge für den Ernstfall treffen
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10:37 14.06.2018
Ein großflächiger und anhaltender Stromausfall hätte große Konsequenzen. Wie kann man sich darauf vorbereiten? Quelle: Andreas Döring
Landkreis

Ob Borna, Neukieritzsch, Markkleeberg oder Grimma: Sämtliche Kommunen haben Hausaufgaben vom Landkreis Leipzig bekommen, genauer: vom Sachgebiet Brand- und Katastrophenschutz. Thema: Wie sind die Städte und Gemeinden auf einen Blackout, also einen langanhaltenden und gleichzeitig flächendeckenden Stromausfall vorbereitet? Dazu werden nähere Betrachtungen und gemeinsame Abstimmungen mit weiteren Protagonisten, wie zum Beispiel Tankstellen, Supermärkten, Pflegeheimen und Wasserversorgern erforderlich. Denn eines macht Sachgebietsleiter Jürgen Jubisch klar: „Das Szenario ist realistisch.“

Friederike hat einen kleinen Vorgeschmack gegeben

Erst Anfang des Jahres hatte Sturm Friederike eindrucksvoll bewiesen, wie die Stromversorgung stundenlang lahmgelegt werden kann. Damals ging in Borna nichts mehr: keine Heizung (vom Kamin abgesehen), kein Kühlschrank, kein Licht. Das öffentliche Leben war genauso lahmgelegt wie der Alltag zu Hause. „Und dabei reden wir noch nicht einmal von einem Blackout“, betont Yuka Mahn, Sachbearbeiterin für kritische Infrastrukturen. Die Informationen, die der Landkreis derzeit sammelt, betreffen sämtliche Bereiche des Lebens: Kliniken genauso wie Stadtwerke, Rathäuser genauso wie Banken, die heimische Tiefkühltruhe genauso wie den Einkaufsladen. „Kurzfristig können sich die Leute selbst behelfen, doch ein langfristiger Stromausfall ist mit riesigen Einschränkungen verbunden“, sagt Jubisch. Schon deshalb müsse der Landkreis wissen, wie der jetzige Status quo sei, wo nachgebessert werden müsse und auch Eigenvorsorge erforderlich sei.

Kommunen sind in der Pflicht

Zunächst einmal sind die Kommunen aufgefordert worden, Auskünfte über Notstromaggregate, Turnhallen und Einrichtungen auf ihrer Gemarkung zu geben. „Uns geht es darum zu wissen, wo sogenannte Leuchttürme eingerichtet werden könnten“, erklärt Mahn. Heißt: Wenn beispielsweise Eltern keine Möglichkeit haben, Säuglingsnahrung zuzubereiten, wenn eine Verletzung (durch Erste Hilfe) behandelt werden muss, aber kein Fall für die Aufnahme in den überlaufenen, notstromversorgten Krankenhäusern darstellt, brauchen sie eine Anlaufstelle, wo sie Hilfe finden. Sprich: einen Ort, wo die Stromversorgung über externe Geräte so lange wie möglich aufrecht erhalten wird. Der Landkreis, betont Jubisch, könne zwar bei einem Blackout koordinieren, doch die Kommunen seien in der Pflicht, selbstständig zu agieren.

Die Stadt Groitzsch schaffte einen mobilen Stromerzeuger für die Feuerwehr an. Quelle: Alfers & Sohn Nutzfahrzeuge GmbH, Cloppenburg

Schwerpunktobjekte müssen vorgehalten werden

Die Leuchttürme bezeichnet Mahn auch als Schwerpunktobjekte, wo die Bewohner zudem mit Informationen auf dem Laufenden gehalten werden sollen und auch ein Arzt vor Ort sein kann. Denkbar seien unter anderem die Rathäuser selbst, Gerätehäuser der Feuerwehren oder Turnhallen. Hier könnten, wenn gar nichts mehr ginge, auch Lebensmittel, Wasser sowie Decken ausgegeben werden. Denn dass alles rationiert werden müsse, sei in Anbetracht eines solchen Szenarios nicht unwahrscheinlich. Schließlich würden auch Geldautomaten und Supermarktkassen nicht mehr funktionieren.

Versorgung mit ausreichend Kraftstoff

Ein zentrales Thema, das sowohl bei Kommunen als auch bei Landkreis, Kliniken und Feuerwehr eine herausragende Rolle spielt, ist die Versorgung mit Kraftstoffen. Für den Krisenverwaltungsstab, Polizei, Feuerwehren und Rettungsfahrzeuge muss zwangsläufig ausreichend Treibstoff zur Verfügung stehen. An der Stelle kommen nun die Tankstellen ins Spiel, mit denen der Landkreis zwecks erforderlicher Zuarbeiten den Kontakt aufgenommen hat. Wie viel Liter passen maximal in die Benzintanks, wie schnell und woher kann Nachschub geordert werden, wie kommt der Treibstoff ohne Pumpen (die ja per Strom angetrieben werden) überhaupt in die Fahrzeuge. „All das sind Fragen, die einer Antwort bedürfen“, macht Jubisch deutlich. Nur so könne der Landkreis gezielt im Fall der Fälle reagieren.

Ver- und Entsorger haben Schwerpunkte benannt

In bereits stattgefundenen Gesprächen mit Ver- und Entsorgern wurden Schwerpunkte erfasst. Beispielsweise: Wie könnten sie einschreiten, wenn die Trinkwasserversorgung ins Stocken kommt oder wenn die Abwasserbeseitigung nicht mehr funktioniert? Eines macht Jubisch deutlich: Tritt ein Blackout ein, greift jedes Puzzleteil auf ein anderes über, alles ist eng miteinander verwoben. Entsprechend Zeit braucht der Landkreis, um wirklich alle Beteiligten ins Boot zu holen und alle Informationen zu sammeln und anschließend auszuwerten. „Das ist ein Prozess, der sich noch weit ins nächste Jahr ziehen wird“, erklärt Mahn. Erst wenn alle Daten vorlägen, sei es möglich die Fäden zusammenzuführen und eine abschließende Aufbereitung in Form eines Maßnahmenplanes zu erstellen. Ziel sei schließlich der Umgang mit einem solchen Szenario ohne Menschenleben zu gefährden.

Vorsorge

Im Januar merkten in Borna viele Bewohner schnell, woran es zu Hause mangelt. Als Sturm Friederike sozusagen den Stromschalter ausknipste, saßen zahlreiche Bornaer im Dunkeln und Kalten. Bei etlichen fehlte es an Kerzen, Feuerzeugen und Brennholz für den Kamin. Dabei ist ein Stromausfall über längere Zeit nach Ansicht des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe durchaus realistisch. Aus dem Grund hat das Amt die Broschüre „Stromausfall. Vorsorge und Selbsthilfe“ herausgebracht (zu finden unter der Internetseite /www.bbk.bund.de). Darin gibt es zahlreiche Tipps für Haushalte, um die Eigenversorgung zu gewährleisten und wenigstens ein paar Tage zu überbrücken.

An erster Stelle stehen ausreichende Vorräte von Trinkwasser, Lebensmitteln (die nicht auf Kühlschrank oder Gefriertruhe angewiesen sind) und Hygieneartikeln. Dicht gefolgt von Kerzen (samt Feuerzeugen), Taschenlampen inklusive Batterien und Campingkocher, bei dem Gaskartuschen nicht fehlen dürfen. Über ein batteriebetriebenes Radio bleiben die Einwohner zudem auf dem Laufenden, wenn es neue Informationen gibt. Darüber hinaus sollte jeder auch Reserven an Bargeld zu Hause haben, denn wenn der Strom weg ist, funktioniert kein Geldautomat. Dennoch braucht es etwas Geld, um sich beispielsweise mit Lebensmitteln versorgen zu können. Denn trotz eines Blackouts kann in dem einen oder anderen Supermarkt der Verkauf sichergestellt werden. Ein Rat, den das Amt außerdem gibt: Wer die Möglichkeit hat, sollte sich ein mobiles Notstromgerät anschaffen – und einen Vorrat an Benzin oder Diesel anlegen.

www.bbk.bund.de

Die Serie:

Teil 1: Katastrophenszenarien in Sachsen

Teil 2: Kraftwerk Lippendorf

Teil 3: Chemiewerk Böhlen

Von Julia Tonne

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