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Borna Koordinator für fast 900 Kräfte an der Elster
Region Borna Koordinator für fast 900 Kräfte an der Elster
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16:50 19.05.2015
Von der Feuerwehrwache Pegau aus koordiniert Alexander Hecking seit dem Wochenende mehrere Hundert Einsatzkräfte in der Krisenregion. Quelle: Thomas Kube

Jene, deren Häuser überflutet wurden, beginnen aufzuräumen. Die Anspannung weicht auch bei Alexander Hecking und seinem Stab. Von der Pegauer Feuerwache aus koordinierte er seit dem Sonnabend alle Einsätze in der Elsterregion.

"Wir haben schon große Übungen gefahren, aber das waren Übungen. Die Erfahrungen aber kamen uns jetzt zugute." Alexander Hecking, der stellvertretende Kreisbrandmeister, ist Kopf der Einsatzabschnittsleitung Pegau. Seit Sonnabend ist sein Stab in Pegau vor Ort - ehe die Situation in der Elster-aue sich dramatisch zuspitzte. "Wir waren als Führungsgruppe schon vorher da. Als dann tatsächlich Katastrophen-Alarm ausgelöst wurde, waren wir eingerichtet", sagt der 42-Jährige. Mehrere Hundert Einsatzkräfte zu koordinieren, Notquartiere vorzubereiten, Menschen aus Gefahrenzonen zu bringen, Wasser abzupumpen, Dämme zu sichern - eine komplexe Herausforderung, eine Mammutaufgabe. "Heute können wir sagen, die Entscheidungen, die wir trafen, waren richtig", meint Hecking. Das Zusammenspiel aller Helfer habe funktioniert, ebenso die permanente Abstimmung mit der Technischen Einsatzleitung in Grimma und mit dem Katastrophenstab des Landkreises. Man habe je nach Einsatzstellen Kräfte abgefordert und sie zielgerichtet eingesetzt, wo sie am dringlichsten gebraucht wurden. Unter anderem waren in Pegau drei Tage lang zwei Brandschutz-Züge aus Brandenburg und einer aus Berlin im Einsatz. Letzterer rückte am Mittwochabend wieder ab - und der Flut nach: an die Elbe nach Magdeburg. Bei der Verstärkung der Dämme konnte der Stab unter anderem auf das Technische Hilfswerk zurückgreifen, das entlang des entfesselten Flusses Sandsäcke verbaute.

Als kritischsten Augenblick des bisher sechs Tage währenden Flut-Einsatzes an der Weißen Elster bezeichnet Alexander Hecking den Montagnachmittag, als das Wasser deutlich stieg und zu befürchten war, dass Deiche nicht mehr zu halten sein könnten. "Wir mussten evakuieren. Für die Leute war das schon heftig." Gefordert waren auch die Helfer, nicht zuletzt, weil das Notquartier Filze-Turnhalle selbst geräumt und in einem höher gelegen Teil der Stadt neu eingerichtet werden musste. Um die Räumung der Probstei-Siedlung kümmerten sich Landes- und Bundespolizei. "Die Menschen, die raus mussten, reagierten gefasst. Es konnte ja keiner wirklich sagen, wo das Wasser stehenbleiben würde."

Beeindruckt zeigt sich der Abschnittsleiter nicht nur vom Engagement der Einsatzkräfte, die oft bis zur Erschöpfung arbeiteten, sondern auch vom Enthusiasmus der vielen, die fraglos zupackten. "Beim Dammverbau in Weideroda waren Hunderte. Das muss man gesehen haben. Die Leute waren motiviert. Da kann man nur den Hut ziehen und Danke sagen." Probleme mit Gaffern, für die das Hochwasser nicht mehr als ein Schauspiel war, habe man in und um Pegau nicht gehabt.

"So lange die Elsteraue Katastrophengebiet ist, bleiben wir in Pegau vor Ort", sagt Alexander Hecking, der selbst seit Sonnabend nur zweimal kurz zu Hause in Zwenkau war, um zu schlafen. "Wir haben noch Keller und Straßenzüge auszupumpen, sind mit der Sicherung aufgeschwemmter Heizöl-Tanks befasst." Die Kraft der Flut hatte mehrere dieser Behälter leck werden lassen; Feuerwehrleute banden das Öl, die Firma Lobbe entsorgte es.

In der Elsterregion im Einsatz waren 22 Feuerwehren des Landkreises, das THW Borna und der Katastrophenschutz-Zug Leipzig-Süd mit fast 400 Kräften. Hinzu kam überregionale Unterstützung: Feuerwehren aus Berlin, Frankfurt am Main, Brandenburg und Oder-Spree, die THW Gießen und Frankenthal, die Polizeidirektion Leipzig und die Bereitschaftspolizei mit weiteren 500 Kräften - in Summe knapp 900 Frauen und Männer, die in und um Pegau tätig waren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.06.2013

Schulreich, Ekkehard

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