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Borna Kopftücher erlaubt: Wie die Integration an der Bornaer Dinterschule läuft
Region Borna Kopftücher erlaubt: Wie die Integration an der Bornaer Dinterschule läuft
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15:54 16.06.2017
Deutsch als Zweitsprache: Lehrerin Doreen Snicinski gibt Unterricht mit Symbolkärtchen und hilft Nada und Diba Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Es ist nicht anders als bei deutschen Schülern. „Wer lernen will, der kommt auch besser voran“, sagt Frank Ziemann mit Blick auf die zahlreichen ausländischen Schüler. Der Leiter der Bornaer Dinter-Oberschule muss es wissen. Immerhin gibt es an der Schule zwei DaZ-Klassen, in denen Deutsch als Zweitsprache (DaZ) unterrichtet wird und in denen zwischen 30 und 40 Schüler lernen. Und was die Integration der Schüler anbelangt, von denen das Gros Asylbewerber sind, so könne von gravierenden Problemen nicht die Rede sein.

Wohl auch, weil das Thema Islam „bei uns weitgehend außen vor bleibt“, so der Schulleiter. Die Schüler aus Syrien oder Afghanistan nehmen am normalen Ethikunterricht teil, einige fahren zum Islamunterricht nach Leipzig. Dass Borna nicht Neukölln ist, wird auch daran deutlich, dass es an der Dinterschule keinen Gebetsraum gibt. Ziemann: „Da gab es bisher noch keine Nachfrage.“ Immerhin, eine Ausnahme gestattet die Schulleitung, und zwar konkret von der Regel, derzufolge nach dem Motto „Mütze ab im Schulhaus“ keinerlei Kopfbedeckungen im Unterricht erlaubt sind. Drei moslemische Schülerinnen dürfen ein Kopftuch tragen. Der Schulleiter: „Da gab es natürlich Nachfragen.“

Die schulischen Leistungen der ausländischen Schüler, die zunächst in einer der beiden DaZ-Klassen sitzen, sind differenziert. Dabei, macht Ziemann klar, handelt es sich bei den ausländischen Kindern keineswegs nur um Flüchtlinge. Zu den Schülern mit Migrationshintergrund gehören auch Polen oder eine Griechin. Die aber leben oftmals schon länger hier. Bei den Kindern, die als Flüchtlinge nach Borna gekommen sind, gibt es große Unterschiede. Im Gegensatz zu allen deutschen Kindern, die bereits Kindergarten und Grundschule hinter sich haben, „waren manche noch nie in einer Schule“. Dafür aber bisweilen auf einer langen Flucht, traumatische Erfahrungen eingeschlossen. Es versteht sich, dass es diese Kinder oftmals nicht leicht haben, wenn sie zum ersten Mal eine Schulbank drücken. Andererseits gebe es Schüler, etwa aus Syrien, „die sind gut ausgebildet“.

Zunächst kommen alle ausländischen Schüler in die DaZ-1-Klasse. Eine Klasse, in der sie ausschließlich Deutschunterricht erhalten, aber zugleich einer anderen deutschen Klasse zugeordnet sind, in der sie einige Stunden als stille Beisitzer verbringen. Wer dann gut genug Deutsch spricht, besucht die zweite DaZ-Klasse und nimmt bereits in bestimmten Fächern am normalen Unterricht teil. Etwa in Sport oder Kunst, wobei es Ziemann zufolge auch begabte Schüler gibt, die im Mathematikunterricht sitzen. „Einige können auch schon recht gut Englisch“ – und haben demzufolge Englischunterricht. Später kommen die jungen Migranten dann in eine ganz reguläre Klasse.

Entscheidend sei die Motivation, sagt der erfahrene Pädagoge, und die werde ganz wesentlich vom Elternhaus gesteuert. „Wen die Eltern Deutsch in einem Sprachkurs lernen wollen, dann wollen das die Kinder auch.“ Lehnen das die Eltern mehr oder weniger ab, geht das auch am Nachwuchs nicht spurlos vorbei. Es gehe um den Willen zur Integration.

Den es durchaus gibt und der in Momenten deutlich wird, in denen nicht unbedingt damit zu rechnen ist. Etwa in der Adventszeit. Als es darum ging, Kuchen für die Weihnachtsfeier zu backen, hätten sich gerade die Familien von Asylbewerber stark eingebracht, sagt der Schulleiter. Im Prinzip mehr als die Eltern der deutschen Schüler.

Von Nikos Natsidis

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