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Kormorane gefährden Karpfen-Fischerei am Breiten Teich in Borna

Fischzucht Kormorane gefährden Karpfen-Fischerei am Breiten Teich in Borna

Kormorane stellen zunehmend ein Problem für die regionale Fischzucht dar – das ist das Fazit von Fischzüchter Udo Wolf (52) aus Bad Lausick. Im Landkreis Leipzig bewirtschaftet der Pächter rund 30 Teiche. Eine europäische Lösung des Problems müsse her, sagt Joachim Schruth vom Naturschutzbund Deutschland.

Pächter Udo Wolf (52) füttert seine Karpfen im Breiten Teich in Borna.

Quelle: Oliver Becker

Borna. Kormorane stellen zunehmend ein Problem für die regionale Fischzucht dar – das ist das Fazit von Fischzüchter Udo Wolf (52) aus Bad Lausick. Im Landkreis Leipzig bewirtschaftet der Pächter rund 30 Teiche mit einer Gesamtwasserfläche von 130 Hektar, er macht mit der Karpfenzucht, dem Verkauf von Jungfischen und Speisefisch, seinen größten Umsatz. Seit zwei Jahren jedoch ist sein Ertrag in den innerstädtischen Teichen, wie am Breiten Teich in Borna, um die Hälfte zurückgegangen. Hauptgrund sei der Fisch fressende Vogel, der nach Bundesnaturschutzgesetz und EU-Vogelschutzrichtlinie zu den geschützten Vogelarten in Europa gehört.

„Der Kormoran macht unseren Fischbestand kaputt – in der Region und sachsenweit. Hier am Breiten Teich verlieren wir jedes Jahr mindestens 30 bis 40 Prozent unserer Karpfen – in den letzten zwei Jahren war es besonders schlimm und hatten wir durch den Vogel einen Rückgang von je 50 Prozent zu beklagen.“ Konnte Wolf noch vor zehn Jahren von den im Frühjahr im Breiten Teich ausgesetzten 20 000 Setzkarpfen 15 000 wieder im Herbst aus dem Wasser ziehen, sind es mittlerweile nur noch 10 000. Der Kormoran, der sich früher nur in den Naturschutzgebieten aufgehalten habe, suche sich seinen Fisch nun auch in den Dorf- und Stadtteichen – sein Bestand sei deutlich angewachsen. Viele der Tiere lassen sich auf der Insel im Breiten Teich nieder und lassen sich selbst durch Laserpointer, Vogelscheuchen oder Schallsignale nicht dauerhaft vertreiben. Daneben sorge der Spieltrieb der Vögel in dem besonders flachen Gewässer dafür, dass sie viele Fische verletzten, aber nicht fressen. Das Ergebnis seien tote oder zumindest verletzte Tiere, von denen auch nicht alle überleben. Unterm Strich bedeutet das für den Teichpächter weitere Verluste.

„50 Prozent Verlust ist für meinen Betrieb grenzwertig. Sinken die Erträge unter 500 Kilo pro Saison und Hektar ist das nicht mehr lukrativ.“ Dieses Jahr hofft der Fischzüchter auf einen Ertrag von insgesamt 3000 Kilo Fisch allein in Borna, doch der Kormoran könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

Ende Juli, Anfang August seien die Verluste laut Wolf am größten, da dann die Jungvögel fliegen könnten und aus den umliegenden Brutkolonien wie dem Zwenkauer See in seinen Teichen auf Nahrungssuche gingen. Sie sorgten dafür, dass der Fischbestand abnehme. Gebe es jedoch weniger Fische in den Teichen der Region und würden immer mehr Fischzüchter wegen geringerer Erträge aufgeben, sinke die Qualität des Wassers, würde der Schilfbewuchs und Schlamm zunehmen. Kurzum: die Tümpel würden zuwachsen, so die Prognose Wolfs. „Indem die Fische den Untergrund aufwühlen und abweiden, unterdrücken sie das Schilfwachstum.“ Immer mehr Hobbyzüchter der Region würden wegen der Kormorane „das Handtuch werfen“. „In ein paar Jahren gibt es viele der Tümpel nicht mehr.“

Um dem „Vogel-Problem“ Herr zu werden, schießt Wolf, der einen Jagdschein hat, mit seiner Flinte die gänsegroßen Federtiere außer Orts vom Baum – etwa 250 Vögel pro Jahr. Stadt und Umweltamt hätten das Problem erkannt und erlaubten dem Teichpächter selbst im Naturschutzgebiet mit speziellen Verordnungen, Kormorane trotz des Artenschutzes zu schießen, um die Fisch-Tümpel zu erhalten. Nur auf diese Weise werde der Artenreichtum auch kleinerer Vögel gesichert und könne Wolf die Verluste in den Teichen außerhalb wie in Eschefeld auf 20 Prozent begrenzen – innerhalb von Ortschaften verbiete das Waffenrecht jedoch den Abschuss der Vögel und seien die Verluste so hoch wie in Borna.

Von der EU fordert Wolf deshalb, den Bestand drastisch zu senken und einen Management-Plan dazu aufzustellen, ebenso Entschädigungszahlungen an die Fischzüchter für Verluste zu zahlen, die durch die Kormorane entstehen – wie dies bis Mitte der 90er Jahre der Fall war.

„Herr Wolf hat richtig erkannt, dass sich die Bestände in Europa erholt haben. Deshalb bedarf es auch einer europäischen Lösung des Problems“, sagte Joachim Schruth vom Naturschutzbund Deutschland Landesverband Sachsen (NABU). Er verwies auf die Arbeitsgruppe des sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, die sich der Sache annehme. Für den sinkenden Fischbestand in Seen und Tümpeln macht Schruth neben dem Kormoran auch andere Gründe aus – „so der Koi-Virus und die lange Trockenheit im Vorjahr, durch die der Sauerstoffgehalt auch in Fischereigewässern stark gesunken ist“. Dass Wolf Kormorane einfach im Naturschutzgebiet abschieße, sei nicht legitim. So verbiete die Sächsische Kormoranverordnung vom 24. Januar 2007, die zuletzt am 15. Dezember 2010 geändert worden sei, den generellen Abschuss an Brut- und Schlafplätzen.

Von Oliver Becker

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