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Kraftwerk Lippendorf schafft nur rote Null – Betreiberwechsel steht bevor

Neukieritzsch Kraftwerk Lippendorf schafft nur rote Null – Betreiberwechsel steht bevor

Am Dienstag müsste nach einer Hauptrevision wieder Dampf aus dem Kühlturm von Block S des Kraftwerkes Lippendorf aufsteigen. Rund 30 Millionen Euro wurden investiert. Zwei Monate vor dem Betreiberwechsel ist die wirtschaftliche Situation nicht rosig.

Nach einer Hauptrevision geht Block S des Kraftwerkes Lippendorf voraussichtlich am Dienstag wieder ans Netz.

Quelle: Jens Paul Taubert

Neukirietzsch/Lippendorf. Nach 74 Tagen sollte am Dienstag wieder aus beiden Kühltürmen des Kraftwerkes Lippendorf Dampf aufsteigen. Seit dem 23. April stand Block S, der dem Energiekonzern EnBW gehört, wegen einer Hauptrevision des Dampferzeugers still. Währenddessen sieht die Belegschaft mit Spannung dem 1. September entgegen, dann wird das Kraftwerk einen neuen Betreiber haben.

Kraftwerksleiter Christian Rosin spricht von einer roten Null

Kraftwerksleiter Christian Rosin spricht von einer roten Null.

Quelle: André Neumann

Die wichtigste Arbeit der aktuellen Revision war die Erneuerung der Heizflächen. Im Inneren des Dampferzeugers, in dem bei Betrieb Temperaturen bis zu 2000 Grad Celsius herrschen, wurden die an den Wänden entlanglaufenden Rohre ausgetauscht und repariert. Außerdem ist es gelungen, ein Problem zu beheben, dass seit einiger Zeit Sorgen bereitete, nämlich die Stabilisierung der Brennerecken, schwer zugängliche, um eine Ecke laufende und extrem stark durch Hitze belastete Rohrleitungen.

Bis zu 240 Beschäftigte von Servicefirmen arbeiteten in Spitzenzeiten gleichzeitig am Dampferzeuger, viele innen auf in verschiedenen Ebenen angebrachten Plattformen. Unter dem hohen zeitlichen Druck war das vor allem eine logistische Leistung. Kraftwerksleiter Christian Rosin hebt besonders die Tatsache hervor, dass es keine Unfälle gab. Insgesamt waren bis zu 700 Servicekräfte im Drei-Schicht-System im Kraftwerk tätig. In der Endabrechnung wird die Revision laut Rosin rund 30 Millionen Euro kosten.

Viel Geld in einer Zeit, die selbst für eines der effizientesten Braunkohlekraftwerke in Europa höchst problematisch ist: „Unsere Wirtschaftlichkeit ist eine rote Null“, sagt Rosin. Der derzeitige Handelspreis für Strom sei für niemanden mehr kostendeckend. Deswegen werde im Kraftwerk überlegt: „Wo können wir Geld einsparen?“

Der Kraftwerksleiter nennt ein Beispiel: Im vorigen Jahr sei der obere Rand von Block R, der Vattenfall gehört, saniert worden, jetzt wäre der andere dran gewesen. Doch man habe sich entschlossen, damit noch vier oder acht Jahre zu warten, bis zur nächsten oder übernächsten Revision. In ähnlicher Weise würden alle Ausgaben auf den Prüfstand gestellt. Investiert werde vorerst nur noch, wenn es die Erhaltung der Anlagen und deren Sicherheit beziehungsweise gesetzliche Vorschriften erfordern. Was für die Betriebssicherheit nicht notwendig ist, werde aufgeschoben.

Zum aktuellen Geschäft der Kraftwerker gehören nach wie vor und zunehmend Lastschwankungen und Stillstandszeiten. Wegen des Vorrangs von Strom aus erneuerbaren Energiequellen und geringem Bedarf wird immer wieder ein ganzer Block vom Netz genommen beziehungsweise muss die Produktion reduziert werden. Das geschieht fast in jeder Nacht, an sonnigen Tagen auch über Mittag, wenn besonders viel Sonnenstrom erzeugt wird. „Wir fahren nach einem Fahrplan, den der Handel vorgibt“, stellt Rosin nüchtern fest.

Bis 2008, 2009, sagt der Leiter des Kraftwerkes, liefen die beiden 900-Megawatt-Blöcke noch 6500 bis 7000 Stunden im Jahr unter Volllast. Im vorigen Jahr waren es immer noch 7000 Stunden, „aber keine Volllaststunden“, wie Rosin sagt. Was aber auch zeige: „Wir werden nach wie vor gebraucht.“ Der Teillastbetrieb sei übrigens auch für die Umweltbilanz schlecht, weil bei verminderter Last der Wirkungsgrad sinke. Das heißt: Je Kilowattstunde wird mehr Kohlendioxid ausgestoßen.

In dieser Situation schauen Rosin und seine Belegschaft dem Betreiberwechsel entgegen. Nachdem der schwedische Staat jetzt dem Verkauf der Braunkohlesparte durch Vattenfall zugestimmt hat wird das Kraftwerk ab dem 1. September – wenn auch die europäische Kartellbehörde grünes Licht gibt – zum Firmenverbund des tschechischen Konzerns EPH gehören. Noch trägt Rosin das gelbe T-Shirt mit der Aufschrift Vattenfall. Und das mit Stolz, wie er sagt, denn das schwedische Unternehmen habe in den vergangenen zwölf, dreizehn Jahren „viel für uns getan“.

Im EPH-Firmenverbund bleibe das Kraftwerk selbstständig. Das ist für Rosin eine ebenso gute Weichenstellung wie die Vereinbarung, dass das komplette Personal übernommen wird und die Arbeitsplätze länger als vom Gesetzgeber vorgeschrieben garantiert werden. Bezüglich der wirtschaftlichen Situation des Kraftwerkes gibt sich Rosin optimistisch: „EPH ist sich sicher, dass sich der Strommarkt wieder erholen wird.“

Von André Neumann

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