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Borna Kreistage stimmen ab: Bläserphilharmonie und LSO erhalten eine Million Euro mehr
Region Borna Kreistage stimmen ab: Bläserphilharmonie und LSO erhalten eine Million Euro mehr
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15:00 07.05.2016
Das Leipziger Symphonieorchester. Quelle: Andreas Döring
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Landkreis Leipzig/Nordsachsen

Die Karten liegen auf dem Tisch. Für das Leipziger Symphonieorchester (LSO) und die Sächsische Bläserphilharmonie sollen über den Kulturraum Leipziger Raum eine Million Euro mehr zur Verfügung gestellt werden. Dafür werden die Musikschulen in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen nicht mehr mit Kulturraummitteln finanziert. Ein entsprechendes Konzept liegt jetzt vor den beiden Kreistagen. Während der Kreistag in Borna bereits am Mittwoch darüber befindet, steht die Entscheidung in Nordsachsen erst am 15. Juni an. Einen Tag später tagt der Kulturkonvent.

Die Aufstockung der Mittel für die beiden Orchester bleibt allerdings nicht ohne Folgen, macht Landrat Henry Graichen (CDU) klar. So müssen sowohl Bad Lausick als auch Böhlen, wo die beiden Ensembles beheimatet sind, den so genanten Sitzgemeindeanteil erhöhen. Das würde für Böhlen, Heimstatt des LSO, bedeuten, dass die Stadt statt bisher 25 000 Euro dann 144 000 Euro zahlen müsste, die vorgeschriebenen acht Prozent. Für Bad Lausick würden sich die Kosten von aktuell 36 000 Euro auf 216 000 Euro erhöhen. Geld, das in den Kassen beider Städten nicht übrig ist, weshalb den Plänen zufolge der Landkreis Leipzig einspringen müsste, um die fehlenden 360 000 Euro zu zahlen.

Das aber wären nicht die einzigen Mehrbelastungen, die sich im Kreishaushalt des nächsten Jahres niederschlagen würden. Denn das Konstrukt, beiden Orchestern einer Million Euro mehr zukommen zu lassen, fußt auch darauf, dass die Musikschulen beider Kreise nicht mehr mit Kulturraummitteln finanziert werden, Damit müsste der Landkreis Nordsachsen 307 000 Euro mehr aufwenden, der Landkreis Leipzig 465 000 Euro. Unter dem Strich müssten also 767 000 Euro mit Landkreismitteln abgesichert werden.

Notfalls auch durch eine Erhöhung der Kreisumlage. Das, sagt Graichen, hängt davon ab, wie andere Finanzquellen sprudeln. Sollte da nichts zu holen sein, müsste die Kreisumlage – der Betrag, den alle Kommunen des Landkreises zur Finanzierung der gemeinsamen Kreisausgaben an die Kreisverwaltung zahlen – um 0,27 Prozent angehoben werden. Allemal ein Politikum, wie frühere Festsetzungen des Betrages immer wieder deutlich gemacht haben. Derzeit liegt die Kreisumlage bei 31,57 Prozent.

Das neue Finanzierungsmodell für Bläserphilharmonie und LSO soll bis zum Jahr 2026 festgeschrieben werden. Es sieht neben der Erhöhung der institutionellen Förderung auch Prämien vor. Heißt: Beide Orchester, die künftig insgesamt mit 4,2 Millionen Euro gefördert werden sollen, sind angehalten, verstärkt Mehreinnahmen zu generieren. Etwa durch den Aufbau neuer Anrechtsreihen in Nordsachsen, die Einsparung von Solistenhonoraren oder auch eine moderate Anhebung der Kartenpreise. Sollten die Orchester entsprechende Erfolge haben, könnten sie mehr Geld, eben eine Prämie, wie es in der Beschlussvorlage heißt, bekommen.

Dabei, so Graichen, ist allerdings auch klar, dass die eine Million, die den Orchestern künftig mehr zur Verfügung steht, keineswegs bedeutet, dass die Musiker 100-prozentig entsprechend ihren Tarifen bezahlt werden können. „Dazu bräuchten wir 1,6 Millionen.“ Und der Landrat lässt keinen Zweifel daran, dass die Sache noch keineswegs positiv beschieden ist. Nicht nur, weil es der Respekt vor dem Kreistag gebietet, dessen Entscheidung am Mittwoch nicht vorzugreifen. Dass das Bewusstsein für die Bedeutung der beiden Klangkörper für den gesamten Kulturraum in Nordsachsen nicht so groß ist wie im Landkreis Leipzig, ist kein Geheimnis. Weshalb die entscheidende Frage bleibt, was nach eine negativen Votum des Torgauer Kreistages passieren würde. „Dann gibt es keine Einigung im Kreistag“, sagt Graichen. Es bleibe dann immerhin noch Zeit, um nach einer alternativen Lösung zu suchen. Bis November vielleicht, wenn der Kulturkonvent die Gelder für das nächste Jahr bereitstellt. Und wenn bis dahin kein Kompromiss gefunden wird, so Graichen, „bleibt alles beim alten“. Das wäre alles andere als ein Hauptgewinn für die Musiker. Immerhin: Dass eins der beiden Orchester abgewickelt wird, ist kein Thema mehr.

Von Nikos Natsidis

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