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Borna Kriminalbiologe Mark Benecke nimmt Zuhörer mit an den Tatort
Region Borna Kriminalbiologe Mark Benecke nimmt Zuhörer mit an den Tatort
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10:01 07.05.2018
Dr. Marc Benecke lässt die Besucher im Kulturhaus Böhlen in die Welt der Kriminalbiologie eintauchen. Quelle: Julia Tonne
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Böhlen

Klar, eine Zeitung ist zum Lesen da. Allerdings gibt es noch eine weitere Möglichkeit der Nutzung. Das Papier lässt sich wunderbar als Wundauflage verwenden. Vor allem dann, wenn man sich eines unliebsamen Menschen entledigen will, als Mordwaffe ein Messer wählt, sich aber dummerweise bei der Tat selbst verletzt. „Zeitungspapier ist unglaublich sauber und eignet sich gut als Kompresse“ – solch nützliche Tipps gab es am Sonnabend für die Besucher des Kulturhauses in Böhlen. Der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke gewährte den hunderten Zuhörern einen Einblick in seine Arbeit, in Tatorte und verriet dadurch auch den einen oder anderen Trick, wie man besser nur wenige Spuren hinterlässt.

Maden und Schaben verraten vieles über die Tat

„Der beste Ort ist für uns das Bad, wenn der Täter das Blut des Opfers schön mit seinen Fingern auf glatten Fliesen hinterlassen hat“, erzählte Deutschlands einziger öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für biologische Spuren. Doch ganz so leicht sei es in den wenigsten Fällen. Manchmal müssen auch Maden, Fliegen und Knoblauchzehen zu Rate gezogen werden, um auf Tathergänge und Täter schließen zu können. „Wir sammeln Spuren aller Art, messen, werten aus, testen“, machte er auf sehr humorvolle Art deutlich. „Reden und Denken überlassen wir anderen oder machen es nach der Spurensicherung.“

Selbstverständlich blieb es während seines Vortrags „Blutspuren“ nicht bei der Theorie, sondern wurde anhand tatsächlicher Fälle und echten Tatortfotos beleuchtet. Warum beispielsweise findet sich auf einer aufgeblähten grünen Leiche ein rotes Pünktchen? Weil es sich um eine Tönnchenpuppe handelt, eine Zwischenstufe zwischen Larve und fertiger Fliege. „Für uns ist das wie eine Zeitkapsel, es verrät räumliche und zeitliche Daten gleichermaßen.“ Zart besaitet durfte nicht sein, wer den Vortrag hörte. So manches Foto sorgte schon für Gemurmel und ein langgezogenes „Oooh“

Benecke hat FBI-Ausbildung durchlaufen

Seit 25 Jahren mittlerweile ist Benecke Kriminalbiologe, absolvierte unter anderem beim FBI fachspezifische Ausbildungen. „Bei mir landen immer die komischen Fälle“, sagt er. So habe er beispielsweise den Fall der Therese Neumann untersucht, auch bekannt unter dem Namen Resl von Konnersreuth. Das Auftreten der Wundmale Christi an ihrem Körper und Bluttränen aus unverletzten Augen machten sie zur Mystikerin. Allerdings gelang es durch Experimente nachzuweisen, dass sich die Bauernmagd ihr eigenes Blut unter den Augen verteilt hatte. „Der Verlauf des Blutes deutete darauf hin“, erklärte Benecke. „Wir müssen messen und testen und uns weder auf uns selbst noch auf andere verlassen“, machte er deutlich. Wer bereits vor den Experimenten etwas gewusst haben will, werde als „postmortaler Herumklugscheißer“ tituliert.

Kleidung aus Polyester stinkt später nicht nach Leiche

Die Spurenwelt, so der „Herr der Maden“, sei so einmalig, es gebe schlicht keine „Nicht-Information“. Als Kriminalbiologe sei er ein wenig wie ein Kind, das neugierig durch die Welt gehe und alles hinterfrage. Man müsse Spaß daran haben, Spuren zu sehen und sie zu dokumentieren. Benecke, der auch ein paar Schaben mitgebracht hatte und etliche Fans um sich scharrte, um Autogramme auf Haut und Bücher zu schreiben, gab den Besuchern im ausverkauften Saal aber noch ganz praktische Tipps mit auf den Weg. „Sollten sie einmal Leichen untersuchen, tragen Sie Polyester. Die Sachen kann man waschen und Sie stinken hinterher nicht nach Leiche.“

Von Julia Tonne

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