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Kulturaum-Geld für Orchester im Landkreis Leipzig wird an mehr Besucher geknüpft

Förderung Kulturaum-Geld für Orchester im Landkreis Leipzig wird an mehr Besucher geknüpft

Wie misst man die Qualität von Orchestern? Eine Frage, mit der sich der Kulturraum Leipziger Raum jetzt befassen musste. Um zusätzliche Gelder für die Klangkörper in Bad Lausick und Böhlen auszureichen, hatten die Kreistage von Nordsachsen und dem Landkreis Leipzig Qualitätskriterien gefordert.

Beim 1.Neuseenland Musikfest am Hafen Zwenkau stand das Leipziger Symphonieorchester unter anderem mit den Italien Tenors auf der Bühne.

Quelle: André Kempner

Landkreis Leipzig. Die Forderung der beiden Kreistage war eindeutig: Die Ausreichung der lange umkämpften zusätzlichen Gelder für die beiden Kulturraumorchester in Böhlen und Bad Lausick soll an Qualitätskriterien geknüpft werden. Dabei geht es nicht darum, ob die Musiker bei ihren Auftritten den richtigen Ton treffen. Vielmehr sollen Besucherzahlen, Auftrittshäufigkeit, Präsenz in der Region eine Rolle spielen. Nachdem die Kreistage von Nordsachsen und dem Landkreis Leipzig der Finanzspritze im März zustimmten, tagte jetzt der Kulturkonvent, um die Sache perfekt zu machen.

Die Veranstaltung offenbarte einige Dissonanzen. Eigentlich war ausgemacht, dass die durch die Finanzierung der Musikschulen aus den Kreishaushalten nun frei werdenden Gelder gleichberechtigt an die Orchester und für Schloss Hartenfels in Torgau fließen sollen. Im Vorfeld der entscheidenden Konventsitzung, so wird kolportiert, soll sich die Sächsische Bläserphilharmonie um ein größeres Stück vom Kuchen bemüht haben. Ein Vorstoß, der sich zumindest in der Beschlussvorlage nicht mehr wiederfand.

Am Schladitzer See waren die Sächsische Bläserphilharmonie und Musicalsängerin Uta Zwiener im Juni mit einer Hommage an Sängerin Barbara Stre

Am Schladitzer See waren die Sächsische Bläserphilharmonie und Musicalsängerin Uta Zwiener im Juni mit einer Hommage an Sängerin Barbara Streisand zu erleben.

Quelle: Verein

Bei einem Spitzentreffen der Landräte Henry Graichen (Landkreis Leipzig) und Kai Emanuel (Nordsachsen) im Vorfeld wurde auch noch einmal klargestellt, dass die Qualitätskriterien festgezurrt werden müssen, bevor das Geld an die Orchester fließt. Im Konvent äußerte Beiratsvorsitzender Klaus-Dieter Anders seinen Unmut darüber, dass nun für die Orchester Leitlinien vorgezogen werden sollen, wo man sich gerade über Kriterien für alle Sparten – also auch Museen oder Soziokultur – Gedanken mache. „Wir als Beirat hatten eine andere Zeitschiene im Kopf.“ Insofern hielt es Anders für ungünstig, jetzt mit einer Qualitätsforderung für die beiden Orchester vorzupreschen. „Auf der anderen Seite wollen wir natürlich auch, dass die Auszahlung nicht blockiert wird und die Musiker ihr Geld erhalten“, erklärte der Leiter des Eigenbetriebes Musikschulen des Landkreises Leipzig. Als konsensfähig zwischen Graichen und seinem nordsächsischen Amtskollegen, die als einzige im Konvent stimmberechtigt sind, gilt nun folgende Lösung: In einem Förderbescheid, der an jedes Orchester geht, sollen vom Kultursekretariat verfasste Kriterien formuliert werden. Im Vorfeld war noch von einer gemeinsam ausgehandelten Qualitätsvereinbarung zwischen dem Vorsitzenden des Kulturkonvents, Henry Graichen, und den beiden Orchestern die Rede. Nunmehr wird die Auszahlung der Gelder zum formalen Akt, gegen den die Empfänger theoretisch auch in Widerspruch gehen könnten.

Die Messlatte für die Orchester sei allerdings nicht zu hoch gelegt, versicherte Kultursekretär Holger Pethke. So wird eine bestimmte Zahl von Auftritten in den beiden Landkreisen gefordert. Packten die Musiker bisher in Nordsachsen bei zwölf Veranstaltungen die Noten aus, sollen es künftig 16 pro Jahr sein. Im Landkreis Leipzig sollen 25 Termine absolviert werden – so viel wie bisher schon. Die Zahl der Besucher soll pro Landkreis auf 3500 gesteigert werden – bisher waren es jeweils 3000. Nicht mitgezählt werden Konzerte in den Sitzgemeinden Böhlen und Bad Lausick. Auch eine überregionale Wahrnehmung verlangen die Geldgeber, dazu zählen Rundfunkmitschnitte und Tonträgerproduktionen; wünschenswert sei ebenso eine Beteiligung an regional bedeutsamen Veranstaltungen. Musikalische Nachwuchsförderung, die beide Klangkörper schon engagiert betreiben, wird den Musikern gleichfalls ins Stammbuch geschrieben. Dazu gehören Dirigentenworkshops, Kooperationen mit der Landesmusikakademie in Colditz, der Sängerakademie Torgau oder den Musikschulen.

„Wir freuen uns, mit diesem Beschluss einen ersten Etappensieg zur besseren Vergütung der beschäftigten Musikerinnen und Musiker erreicht zu haben und danken allen Beteiligten für das klare Bekenntnis zu unserem Klangkörper“, so Heiko Schulze, Geschäftsführer der Sächsischen Bläserphilharmonie, im Nachgang. „Damit wird aber eine Rückkehr in den Flächentarifvertrag immer noch nicht möglich sein, sondern es werden weitere Schritte zur Zukunftssicherung notwendig“, schränkte Schulze ein. Diese könnten nur im engen und demokratisch bestimmten Dialog zwischen Kulturraum und Freistaat erzielt werden. Der langjährige Bad Lausicker Bürgermeister Josef Eisenmann (CDU) merkte an, inhaltlich müsse sich die (noch zu gründende) Orchesterkommission weiter mit der Qualitätsfrage befassen.

Während die zusätzlich aufgebrachten rund 700 000 Euro aus dem Landkreis Leipzig ausschließlich an die Orchester gehen und damit auch der Sitzgemeindeanteil von Bad Lausick und Böhlen teilweise bestritten wird, wurde für die 300 000 Euro aus Nordsachsen die Verwendung für das touristische Aushängeschild Schloss Hartenfels beschlossen. Auch hier folgte der Kulturkonvent der Vorgabe der beiden Kreistage und gab rund 300 000 Euro für die Ausstellung „Kurfürstliche Gemächer“ in Torgau frei.

Von Simone Prenzel

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