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Borna Kunden sagen "Schade": Steffi Klingler macht die Spielzeugkiste in Borna zu
Region Borna Kunden sagen "Schade": Steffi Klingler macht die Spielzeugkiste in Borna zu
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14:24 19.05.2015
Die Regale lichten sich: Steffi Klingler ist leidenschaftliche Spielzeughändlerin in Borna. Am 21. Februar ist aber Schluss. Quelle: Jens Paul Taubert

Schade, dass du zumachst, sagen die Kunden, die mit einem Schnäppchen den Laden verlassen. "Das macht mich traurig, aber auch ein bisschen stolz", erklärt die sonst so resolute Geschäftsfrau mit einem Kloß im Hals. In einer Woche, am 21. Februar, macht sie den Laden zu.

Viele Bornaer lieben "ihre" Spielzeughändlerin. "Ist der Hubschrauber noch da", fragt ein Opa, der zu den Stammkunden des Ladens gehört. Wenn es etwas Ordentliches sein sollte für die Enkel, dann sei er hier immer fündig geworden. "Fachlich hat die Steffi was drauf, und immer ein freundliches Wort dazu", sagt der grauhaarige Mann. Zielsicher greift die Händlerin ins Regal und befördert einen Kasten auf den Ladentisch. "Sollte was sein, kommst du wieder", gibt die 53-Jährige dem Kunden mit auf den Weg. "Wenn irgendetwas nicht passte, haben wir uns immer arrangiert", erklärt Klingler.

Ähnlich dem Tante-Emma-Laden auf dem Dorf war die Spielkiste in Borna für viele Kinder, Eltern und Großeltern die erste Adresse, wenn es um Kaufmannsladen, Puppenwagen, Autos oder Brettspiele ging. "Ich hab mich auf das klassische Sortiment fokussiert", sagte Klingler, die nun nach 25 Jahren einen Schlussstrich zieht. Nicht weil die Kundschaft fehlt oder der Online-Handel den Umsatz streitig macht. "Hab keine Millionen angeschafft, aber zum Überleben hat es gereicht", stellt die 53-Jährige fest.

Jetzt sei einfach die Zeit reif für diesen Schritt. Als Einzelkämpfer im Einzelhandel würde überbordende Bürokratie viel Kraft rauben. "Im Laden habe ich mich wohlgefühlt", gesteht Klingler. Aber oft habe sie bis Mitternacht am Computer gesessen, um das Geschäft auch weiter am Laufen zu halten.

Ein bisschen Wehmut ist in ihrem Blick, als ihre Augen über die nur noch halbvollen Regale gleiten. "Ich bin in meinem Laden aufgegangen", erzählt sie und erinnert sich daran, dass ein Vertreter für Matchbox auf der Frühjahrsmesse im Jahr 1990 den Impuls gegeben habe. Abgewickelt in einem Kombinat sei sie auf der Suche nach einer Perspektive gewesen. Spielzeug und Steffi hätten dann einen Bund geschlossen. Sie habe Verbindungen zur Industrie aufgebaut, die über Jahrzehnte hielten. "Ich habe 10 000 Artikel im Kopf", resümiert sie. Und hunderte Namen von Kindern, die inzwischen selber Eltern sind und für die eigenen Kinder einkaufen. "Ich hab auch mal abgeraten vom Kauf, wenn ich davon überzeugt war, dass ein Spielzeug nicht das Richtige ist", berichtet sie. Diese Art der Beratung habe zwar nicht die Kasse gefüllt, aber Vertrauen bei der Kundschaft geschaffen.

Für einen Rückzug aus dem Geschäftsleben ist aber noch zu viel Energie in der Frau mit der extravaganten Brille. Der Laden im Erdgeschoss des Altstadthauses wird umgebaut. Hier wird Mandy Rahming am 1. April den Stadtgarten eröffnen. Die Floristin zieht sich aus der "Blattlaus" in der Innenstadt zurück. Das neue Geschäft solle aber mehr bieten als nur Blumen, verrät Klingler. Dabei wird sie ihre Schwester künftig unterstützen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.02.2015
Birgit Schöppenthau

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