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Borna Kunigundenkirche in Borna steckt voller Überraschungen
Region Borna Kunigundenkirche in Borna steckt voller Überraschungen
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09:44 13.03.2017
Die Wandmalereien wurden 1932 entdeckt. Sie sind mehrere Jahrhunderte alt und sollen ab dem Sommer restauriert werden. Quelle: Julia Tonne
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Borna

Die Kunigundenkirche in Borna hat sich schon während des ersten Bauabschnitts als Überraschungs-Ei entpuppt. Nun steht der zweite Abschnitt an und Bauleiter Jürgen Schmidt ist gespannt, was die Denkmalpfleger, Handwerker und Restauratoren dieses Mal zu Tage fördern. Die Chancen für weitere Überraschungen jedenfalls stehen nicht schlecht, immerhin sollen unter anderem die Fresken saniert werden.

Gerade kam die frohe Botschaft bei Schmidt an, dass es für die weitere Instandsetzung des rund 800 Jahre alten Gotteshauses Fördermittel gibt. Zum einen aus einem europäischen Fördertopf, zum anderen von der sächsischen Denkmalpflege selbst. Er rechnet derzeit mit insgesamt 202 000 Euro für die nächsten Arbeiten, davon bringt die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde rund 6600 Euro Eigenmittel auf.

Die Herausforderungen der Sanierung sind für alle Beteiligten deutlich größer als die umfangreichen Bauarbeiten derzeit am Gemeindehaus. „Was sicherlich daran liegt, dass die Kunigundenkirche der älteste Backsteinbau in Mittelsachsen ist“, sagt Schmidt. Schon im vergangenen Jahr wagten sich Handwerker und Bauleiter an die erste Etappe. Schadhafte Putzstellen waren auszubessern, der Fußboden des gesamten Altarraums musste aufgrund von aufsteigender Feuchtigkeit vollständig ausgehoben und durch einen Sandsteinbelag ersetzt werden. Die früheren Altarstufen, einst aus alten Grabsteinen gebaut, mussten ebenfalls Sandstein weichen. Bei der Entwässerung zeigte sich dann die erste Überraschung: Während Schachtarbeiten tauchten alte Kanzelteile auf, die Schmidt etwa auf das 16. oder 17. Jahrhundert datiert. „Damit hatte wirklich keiner gerechnet“, sagt er.

Doch ungewöhnlich ging es weiter. Ein Grabmal aus dem Altarraum wurde wegen der anstehenden Restaurierung abgenommen. Seit Jahrzehnten bereits fehlte hier die linke Butte, eine Art Engelsfigur. Währenddessen liefen die Arbeiten am Putz im Innenraum ununterbrochen weiter. Beim Abklopfen einer Stelle neben dem Altar wunderten sich Bauleiter und Denkmalpfleger über das Geräusch, das auf einen Hohlraum schließen ließ. Eine kleines Loch und eine Kamera lieferten letztlich den Grund dafür. Tatsächlich gab es einen Hohlraum, in dem sich ein Gegenstand befand. Und der wiederum entpuppte sich als die verschwundene Butte. „Schon beeindruckend, was man so alles erlebt, wenn man eine Kirche saniert“, macht der Bauleiter deutlich.

An dem Grabmal fehlte bisher die linke Engelsfigur. Sie tauchte im Mauerwerk in einem Hohlraum auf. Quelle: Julia Tonne

Nun stehen die nächsten Schritte auf der Agenda der Kirchgemeinde. Im Mittelpunkt stehen die Fresken, die einer dringenden Restaurierung bedürfen. Wie alt sie genau sind, kann Schmidt nicht sagen, er schätzt sie ebenfalls auf mehrere Jahrhunderte. Bereits im Mittelalter könnten sie ihren Platz in der Kirche gefunden haben. Sie zeigen unter anderem die Kreuzigung, eine Muttergottes im Strahlenkranz und einen Christophorus. 1932 waren die Wandmalereien freigelegt worden, in den vergangenen Monaten haben sie zudem eine Art Versiegelung erhalten.

Auch von außen bleibt zukünftig noch genug zu tun, zahlreiche Backsteine müssen dringend ausgetauscht werden. Damit nicht genug: die neu gezogenen Fugen sollen den ursprünglichen nachempfunden sein. „Die Absprachen mit den Denkmalpflegern sind hier wesentlich umfangreicher als am Gemeindehaus“, betont der Bauleiter und Mitglied des Kirchenvorstands. Nicht selten würden alle Beteiligten mehrere Stunden zusammensitzen, um die Feinheiten zu besprechen. Doch für Schmidt gehört das dazu, schließlich solle die Sanierung des Gotteshauses möglichst originalgetreu erfolgen. Er geht davon aus, dass im Juni mit dem nächsten Bauabschnitt begonnen werden kann. Und was dann zum Vorschein kommt, bleibt abzuwarten.

Von Julia Tonne

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